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Was verbindet Madonna, Moby und Ministry of Sound?

Andy Bolleshon, Gründer der Time Tools Mastering & Publishing GmbH, hat sein Leben dem guten Ton gewidmet. Seit über 15 Jahren ist er im Musikbusiness als Produzent, Musiker, Mastering Engineer, Labelchef und Verleger tätig. Als Live-Keyboarder ging Andy 1988 mit der kanadischen Elektro-Pop-Band Psyche und später mit Anne Clark auf Welttournee. In London arbeitete er nach einer Ausbildung zum Studio Assistant in verschiedenen renommierten Tonstudios und kam mit einer Vision nach Deutschland zurück: Mastering auf internationalem Niveau aus dem Herzen Hannovers. Seitdem gehören viele international erfolgreiche Musiker wie Fat Boy Slim, Moby, Timo Maas, Mousse T. und sogar Superstars wie Madonna und Tom Jones zu seinen Referenzen. Steinberg hatte die Gelegenheit mit Andy über professionelle Masteringtechniken, den Studioalltag mit Steinberg Produkten und das neue Peter Fox Album zu sprechen.

Hallo Andy! Bei einigen ist es der Flötenunterricht in der Jugendmusikschule, bei anderen sind es musikalische Vorbilder, die eine Faszination für Musik ausgelöst haben. Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich hab mich schon sehr früh für elektronische Musik begeistert, im Speziellen für ungewöhnliche Klänge. In einer Radiosendung Anfang der achtziger Jahre hatte ich etwas über Synthesizer gehört und dass man damit so ziemlich jeden Klang herstellen kann. Das hat mich dann nicht mehr losgelassen. 1987 habe ich dann meinen ersten Synthesizer bekommen und bin relativ schnell an seine Grenzen gestoßen. In der folgenden Zeit habe ich mich immer weiter in das Thema elektronische Musik vertieft und ein kleines Homestudio aufgebaut. Durch einen glücklichen Zufall hatte ich 1989 die Gelegenheit bekommen, als Live-Keyboarder bei der kanadischen Band Psyche einzusteigen, die damals in der Indieelektronik-Szene weltweit einen sehr guten Ruf hatte. Durch das live Spielen habe ich viele interessante Kontakte geknüpft, die mir in den nächsten Jahren sehr geholfen haben. Parallel dazu habe ich damals angefangen, kleine Mixjobs und Produzententätigkeiten zu übernehmen und eigene Platten zu produzieren. So kam es dann auch zu der Entscheidung, mit Musik mein Geld zu verdienen.

Andy Bolleshon

Welche Aspekte deiner Arbeit machen dir besonders viel Spaß? Und wie kann man sich die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern wie z.B. Madonna vorstellen?
Ich habe irgendwann gemerkt, dass es mir extrem große Freude bereitet, Künstler darin zu unterstützen, das Beste aus ihrer Musik herauszuholen, sei es als Produzent, Mixer oder als Mastering Engineer, als der ich heute arbeite. Es ist für mich sehr befriedigend, wenn ein Künstler mit seinem Material nach Monaten der harten Arbeit zu uns kommt und wir seiner Musik neben einem durchsetzungsfähigen Sound auch noch diesen besonderen Touch verleihen können, so dass der Kunde seine Platte zufrieden ans Presswerk gibt. Die Zusammenarbeit mit großen Künstlern ist speziell im Mastering sehr nüchtern. Da hinter den Stars eine Maschinerie von Leuten steht und die Künstler meist einen engen Terminplan haben, kommuniziert man in den meisten Fällen nur mit der Plattenfirma oder dem Produzenten. Bei Madonna lief eigentlich alles über die Plattenfirma und das Management ab.
Es gibt allerdings auch sehr engagierte Künstler, die alles persönlich machen wollen. Ein interessantes Beispiel ist Peter Fox, der absolut nichts dem Zufall überlässt. Er hatte erstmal bei diversen Mastering Studios Testmaster anfertigen lassen, bevor wir und ein weiteres Studio den Zuschlag für das Albummastering bekommen haben. Damit aber noch nicht genug, die erste Single des Albums („Alles Neu“) wurde von beiden Studios gemastert und die verschiedenen Master zusammengeschnitten, dann wurde jedes Master jeweils ca. 30 Sekunden bei einer Art Uraufführung an einem Montag im Radio gespielt. Der Mixer hat den Song aus dem Radio dann zuhause aufgenommen und zusammen mit dem Künstler analysiert. Dann wurde noch mal gemischt und gemastert und am Freitag noch mal übers Radio gespielt. Das war echt verrückt, aber das sind die Momente, wo man nach über 20 Jahren Erfahrung selbst noch einiges dazulernt.

Mit welchen Steinberg Produkten arbeitet ihr bei Time Tools? Und warum habt ihr euch für unsere Software entschieden?
Wir arbeiten mit einer Kombination aus Nuendo und WaveLab. Nuendo ist für das Abspielen und Aufnehmen innerhalb der analogen Kette zuständig, während wir mit WaveLab die Projekte finalisieren und das fertige CD- oder DDP-Master erstellen. Beide Programme ermöglichen einen Workflow, der sehr zeitsparend und effizient ist. Ein sehr wichtiges Kriterium, wenn man wie wir ständig an Termine gebunden ist.

Mit welchem Equipment arbeitet ihr, um ideale Mastering Ergebnisse zu erzielen?
Unsere Mastering-Kette besteht aus hochwertigsten analogen & digitalen Geräten, einem State-of-the-Art Wandler und einer Handvoll zum Teil exotischer PlugIns. Unser meist genutztes Analog/Digital-Setup besteht aus Manley Massive Passive, GML 8200 EQ, Manley Vari-Mu, Elysia Alpha Compressor, Weiss Digital EQ und bei Bedarf diversen anderen high-end EQs und Kompressoren, die uns zur Verfügung stehen. Fast alle analogen Geräte sind stark modifiziert, um noch das letzte Quäntchen Klangqualität herauszukitzeln. Als Wandler benutzen wir einen modifizierten Digital Audio Denmark Adda 2404, einen zwar etwas unüblichen Wandler im Mastering, doch er klingt durch die Modifikation oft besser als die üblichen verdächtigen wie Lavry oder Prism. Im Software-Bereich halten wir ständig die Augen offen nach neuen PlugIns und Tools, da wir sehr wählerisch sind und uns viele hochgelobte Produkte von namhaften Herstellern bereits sehr enttäuscht haben. Daher setzen wir nur wenige, teilweise exotische, dafür aber wirklich gut klingende PlugIns ein. Wir entwickeln unser Setup ständig weiter. Das fängt bei der Verkabelung an, geht über Röhren, Kondensatoren etc. für die analogen Geräte und endet beim Algorithmus für die Sampleraten-Konvertierung und dem Dithering. Wir wechseln zwar nicht jeden Tag unser Setup, aber wir prüfen alles regelmäßig und machen Hörtests, um sicherzugehen, dass wir immer auf dem höchsten klanglichen Level sind.

Welche Features von Nuendo und WaveLab gefallen Dir besonders gut?
Was würdest Du Dir wünschen, um den Workflow weiter zu verbessern?
Wie gesagt ist der Workflow in Nuendo/WaveLab für unsere Zwecke schon sehr gut. Unser Wunsch wäre es allerdings über kurz oder lang nur ein Programm zu haben, das alle Features die wir nutzen vereint. In Nuendo sind die Abspiel, Aufnahme und Routing Möglichkeiten wirklich gut, was in WaveLab für unsere Zwecke noch etwas hinterherhinkt. Ebenso könnte in WaveLab das PlugIn-Management für Regions in einer Audio-Montage komfortabler sein.

In den vergangenen Jahren sind die Möglichkeiten des Homerecordings stetig verbessert worden. Hast Du einen praktischen Recording-Tipp für die Steinberg Homerecording Anwender?
Am besten ist es, wenn man sich erstmal darum kümmert, dass man eine gute Abhörsituation hat, bevor man viel Geld für anderes Equipment ausgibt. Eine gute Raumakustik und gute Lautsprecher sind die Basis für gute Mixe. Diese Erfahrung beruht auf unserer täglichen Arbeit. Kunden mit einer guten Abhörsituation liefern in der Regel die besten Mischungen ab, auch wenn sie nur mit wenig Soundtools gearbeitet haben. Ein anderer Punkt ist, dass einige Leute meinen, sie müssten in jedem Kanal 20 PlugIns haben, um einen fetten Mix zu machen. Unsere Erfahrung zeigt, weniger ist oft mehr, selbst wenn man einen „krassen“ Sound erzielen möchte. Wir haben im Mastering sehr viele Möglichkeiten, den Sound und den „Druck“ zu beeinflussen, nur eben auf einem viel höheren Qualitätsniveau als die meisten unserer Kunden. Deswegen können wir mit Mixen, die etwas „roher“ klingen in der Regel viel besser arbeiten, da wir unsere Möglichkeiten voll ausschöpfen können.

Time Tools Studio

Habt ihr dank der verbesserten Homerecording Möglichkeiten mehr private Kunden, die ihre Aufnahmen professionell mastern lassen möchten?

Die Frage muss man eindeutig mit ja beantworten, es gibt deutlich mehr private Kunden, die unsere Dienste quasi als letzte professionelle Instanz in Anspruch nehmen. Wir begleiten viele Kunden auch schon beim Mixing und geben Tipps, wie man am Ende ein besseres Ergebnis erzielt. Denn eins ist klar: Das Master kann immer nur so gut sein wie der Mix des Kunden.
Es gibt inzwischen viele Bands, die ihre Platten im Übungsraum aufnehmen und mixen; ähnlich ist es im Hiphop oder in der Dance Music, wo viele Produktionen zuhause entstehen. Aufgrund der meist doch sehr schlechten Abhörbedingungen und aus mangelnder Erfahrung, ist meiner Meinung nach ein professionelles Mastering sehr wichtig. Man stelle sich vor, eine Band, die sich den oft einmaligen Traum erfüllt, ein Album zu veröffentlichen, was noch in 30 Jahren den Enkeln vorgespielt wird, wird bei einem Bekannten, der keine Erfahrung hat, für „kleines Geld“ gemastert und klingt am Ende bescheiden – nur um 200 Euro zu sparen. Daher vertrauen uns auch viele Privatkunden ihr Material an.

Verrätst du uns, an welchen Produktionen du aktuell arbeitest?
Wir mastern ein breites Spektrum an Musik neben dem eben erwähnten Peter Fox Album, haben wir gerade einige Soundtracks fertig gestellt: „Mord ist mein Geschäft“, „Liebling“, „Contact High“ (beide Ministry Of Sound) & „Dorfpunks“ (PIAS). Des Weiteren haben wir einige neue Veröffentlichungen für Labels wie z.B. Desolat (Loco Dice & Martin Buttrich), SCI + TEC (Dubfire) & Datapunk (Antony Rother) gemastert. Ungewöhnlichster Auftrag der letzten Zeit war ein Swing Artist namens Juliano Rossi, einem neuen Signing vom legendären Blue Note Jazz Label.

Andy, vielen Dank für dieses Gespräch!

Time Tools Website: www.timetools.de