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Accept sind zurück!

Die legendäre Metal Band aus Deutschland hat sich dieses Jahr mit einigen eindruckvollen Festivalshows und neuem Sänger wieder in den Mittelpunkt des Interesses gespielt. Nach der erfolgreichen Rückkehr auf die Bühne, folgte im August die Veröffentlichung des neuen Studioalbums „Blood Of The Nations“ – dem ersten Studioalbum seit 14 Jahren. Wir sprachen mit Gitarrist Wolf Hoffmann über das neue Album und seine Arbeit mit Steinberg Software.

Wolf, zunächst einmal Gratulation zu den ersten gelungenen Shows in neuer Besetzung und dem neuen Album, das bereits vor der Veröffentlichung weltweit für ausgesprochen positives Feedback gesorgt hat. Erst konntet ihr einen ersten Platz in den MySpace Video-Charts für den Song „Teutonic Terror“ verbuchen und seid nun auch mit dem Album auf Platz 4 in die Deutschen Charts eingestiegen. Ihr habt also allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken, oder?
Ja, in der Tat! Zurzeit läuft alles bestens, die Stimmung ist gut. Wir hatten in diesem Jahr schon einige schöne Erlebnisse. Unter anderem Auftritte mit AC/DC vor gigantischen 80.000 Zuschauern und auch die Shows bei den Sonisphere Festivals und in Gelsenkirchen auf dem Rock Hard Festival waren Spitze.

Die aktuelle Besetzung hat sich ja schon im Laufe des letzten Jahres gefunden. Hattet ihr zu dem Zeitpunkt schon neues Material verfügbar oder habt ihr erst danach losgelegt?
Nein, das Material ist komplett neu! Nachdem wir Mark Tornillo im Mai 2009 rein zufällig getroffen und ‚entdeckt’ hatten, entschieden wir uns spontan, mit ihm Accept wieder aufleben zu lassen und auch ein neues Album zu veröffentlichen. Im letzten Sommer haben wir dann die Songs dazu geschrieben.

Accept Gitarrist Wolf Hoffmann

Du wohnst schon seit einiger Zeit in Nashville, euer neuer Sänger Mark ist US-Amerikaner und Bassist Peter Baltes lebt in Pennsylvania. Der Rest der Band in Deutschland bzw. der Schweiz. Wie kann man sich den Entstehungsprozess eines neuen Albums bei den Entfernungen vorstellen?
Mit vielen Airline-Miles J! Wir leben in der Tat mittlerweile recht verstreut auf dem Globus. Das ist ja in vielen Bands so und man gewöhnt sich irgendwie daran. Immer, wenn was ansteht, wie z.B. jetzt die Touren, dann treffen wir uns ein paar Tage vorher zum Proben und ab geht’s. Bei einer Produktion oder beim Songschreiben arbeitet eigentlich jeder erstmal für sich und entwickelt erste Ideen und Riffs. Wenn sich genügend Material angesammelt hat, treffen wir uns und arbeiten gemeinsam daran weiter. Die meisten Songs sind im Zweierteam mit Peter Baltes entstanden. Auch früher war das schon der Fall... so sind die meisten unserer alten Songs in den Achtzigern entstanden. Peter und ich haben natürlich unsere Homestudios und wenn was Neues entsteht, mailen wir uns gegenseitig MP3-Dateien. Aber die produktivste Zeit mit den besten Ideen haben wir immer dann, wenn wir uns auch tatsächlich in Person treffen und gemeinsam arbeiten. Ich glaube einfach, dass man sich zusammen in einem Raum beim Songwriting die Bälle zuwerfen sollte. Dadurch entsteht eine Eigendynamik, die durch nichts zu ersetzen ist! Ich kenne viele Musiker, die sich beim Songwriting nie mehr sehen und nur noch Dateien verschicken. Jeder spielt dann seinen Part dazu und fertig. Dadurch geht aber die menschliche Komponente verloren, es fehlt was.

Wie habt ihr Steinberg Software bei der Produktion von „Blood Of The Nations“ eingesetzt?
Ich habe alle meine Gitarrenparts bei mir in Nuendo eingespielt. Die Basic Tracks, also Drums, Bass und die ersten Rhythmusgitarren wurden in Andy Sneaps „Backstage Studio“ in England eingespielt. Dann nahm ich das Master mit nach Hause und habe in aller Ruhe über einige Wochen an den Gitarrenoverdubs und Soli gearbeitet. Gemischt wurde dann wieder in England bei Andy Sneap. Andy arbeitet mit Pro Tools aber die Anpassung von Nuendo und Pro Tools lief völlig reibungslos. Wir haben während der gesamten Produktion in den verschiedenen Systemen gearbeitet und problemlos hin- und herkopiert.

Seit wann arbeitest du mit Steinberg Software und warum hast du dich für unsere Software entschieden?
Ich arbeite seit ca. 5-7 Jahren mit Cubase und Nuendo. Ursprünglich war es wohl Michael Wagener (langjähriger Accept-Produzent und ein guter Freund), der mich auf Steinberg Software aufmerksam machte. Ich bin von Haus aus kein ‚Computertyp’ und will so wenig Zeit wie möglich damit verbringen, Software zu lernen und Probleme zu lösen - ich will mich auf die Gitarre und die Ideen konzentrieren! An Nuendo und Cubase gefällt mir, dass ich vieles intuitiv machen kann. Auch ohne lange Handbücher zu lesen, kann ich mir meist selbst helfen. Das ist für mich sehr wichtig, weil man ja in dem Moment kreativer Künstler und Engineer gleichzeitig ist, obwohl sich das ja eigentlich widerspricht. Jeder kennt das: Man hat eine geile Songidee, will sie aufnehmen und plötzlich bleibt man stecken. Irgendwas geht nicht, man fängt an, Gebrauchsanweisungen und Onlinehilfen zu lesen und irgendwann ist die Idee weg...  das darf nicht passieren. Wie gesagt, Cubase und Nuendo sind mit all den Möglichkeiten, die sie bieten, sehr anwenderfreundlich - mehr als manch andere Recording-Software, die ich schon kennengelernt habe.

Du bist mit Accept seit den 70er Jahren im Geschäft und das Business hat sich seit dem in allen Bereichen stark verändert. Die Verkaufszahlen in den traditionellen Verkaufskanälen sinken und können bisher auch durch Onlineverkäufe nicht voll kompensiert werden. Im Studio ist die Digitaltechnik längst etabliert und Software wie Cubase und Nuendo ist für viele Studiobetreiber und Musiker zum Herzstück des Studios geworden. Siehst du diese Entwicklung trotz der finanziellen Einschnitte für Bands als Chance oder wünschst du dir die „guten alten Zeiten“ zurück?
Man kann das Rad der Zeit nun mal nicht zurückdrehen. Entweder man geht mit der Zeit oder bleibt zurück. Unsere Generation ist ja eine, die noch mit einem Bein in der ‚guten alten’ (analogen) Zeit steht und mit dem anderen in der Neuen, dem Zeitalter der Computer und der iPhones. Ich sehe das eher als Vorteil. Man hat ‚the best of both worlds’.

Kannst du uns etwas über dein Studiosetup erzählen? Hast du noch viel Hardware im Studio?
Bei mir geht es recht einfach zu aber ich brauche auch nicht viel, da mein Setup ja auch hauptsächlich für Gitarrenoverdubs ausgelegt ist. Ein Mac G5 Dual 1.8 GHz ein RME Fireface 800 Audiointerface und Adam A7 Monitore. Einige wenige Mikrofone, meist benutze ich sogar nur ein Shure SM 57 oder ein Sennheiser MD 421. Das hängt auch ein bisschen von dem Amp ab, den ich spiele. Dazu kommt dann noch eine Radial JDV DI-Box.

Neben der Musik hast du dir mit professioneller Fotografie ein zweites Standbein geschaffen. Mir ist aufgefallen, dass auf deiner Website das Thema Musik kaum zu finden ist. Versucht du bewusst, einen Ausgleich zum Musikbusiness zu haben oder können wir uns vielleicht doch noch auf Fotos der nächsten Accept-Tour von dir freuen? Zwischen den Auftritten hat man ja meist sehr viel Freizeit.
Ich betreibe Fotografie mittlerweile seit über 10 Jahren professionell. Besonders in den Jahren, als Accept sozusagen im Ruhestand war, habe ich mich voll in die Fotografie gestürzt. Ich habe die beiden Gebiete bewusst voneinander getrennt, da gibt es so gut wie keine Überschneidungen. Meine Aufträge bekomme ich als Fotograf und nicht, weil ich der Gitarrist von Accept bin. Das war mir auch wichtig- die Kunden wissen von mir und Accept meist nichts. Einer meiner interessantesten Jobs war sicherlich, mit Chet Atkins und Les Paul zu arbeiten. Ich wurde von einem Buchverlag eingeladen, jeweils für mehrere Tage zu ihnen nach Hause zu kommen und die Gitarristen und alle ihre persönlichen Instrumente zu fotografieren. Davon wurde jeweils ein Bildband für Gitarrenliebhaber und Sammler gemacht. Beide sind ja leider mittlerweile verstorben, aber ich bin froh, diese einmalige Gelegenheit wahrgenommen zu haben! Aber natürlich nehme ich auch heute noch auf Tour meine Kamera immer mit...


Die Festivals in Europa habt ihr ohne das veröffentlichte Album gespielt. Plant ihr nach dem Release dieses Jahr auch noch eine Clubtour?

Als nächstes steht im September und Oktober eine ausgedehnte USA-Tour an, King’s X wird uns dabei begleiten. Danach geht es nach Japan, Südamerika, Russland und sicherlich auch nach Deutschland. Das könnte gegen Ende des Jahres oder Anfang 2011 der Fall sein. Ich freue mich schon riesig darauf!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit „Blood Of The Nations“!
Danke, gerne...und bis bald!

www.acceptworldwide.com

www.wolfhoffmann.com