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John Ross − Audio-Postproduktion für Blockbuster

Bilder und Sound üben einen starken Einfluss auf das Kinopublikum aus und tragen heutzutage entscheidend dazu bei, ob ein Film zum Kassenschlager wird. Kein Wunder also, dass die Post Produktion eine immer größere Rolle spielt und hierbei keine Kompromisse gemacht werden.
Steinberg sprach mit dem langjährigen Nuendo Nutzer John Ross, Audio Post Producer für zahlreiche Hollywood Filme und Gründer des erfolgreichen 424 Inc. Studios, über seine Arbeitsweise, sein Studio-Setup und die Filmindustrie im Allgemeinen.

John Ross

Deine Firma 424 Inc. gehört zu den führenden Post Production Studios der Welt. Was denkst du, sind die Schlüsselfaktoren für diesen großen Erfolg?
Wir haben von Anfang an versucht, innovative Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Wir wollten keine monolithische Technologie und haben uns daher schon in unserer Anfangszeit für Pro Tools entschieden, anstatt auf eines der damals üblichen Systeme wie Fairlight oder Synclavier zu setzten. So konnten wir ein modulares System aufzubauen, in dem wir Hardware- und Softwarekomponenten selbst bestimmen konnten. Unser erstes Fairlight System war dagegen eine Art Standalone-Computer und wenn Fairlight sich dafür entschied, ein spezielles Bandaufzeichnungssystem für Backups oder bestimmte Festplatten zu implementieren, dann hattest du das und wenn sie es nicht machten, dann hattest du es auch nicht. Zu dieser Zeit gab es auf dem PC Markt viele verschiedene Hersteller von Backup- und Netzwerk-Software, aber mit dem geschlossenen Komplettsystem entgingen uns all diese verschiedenen Lösungen. Damals war Pro Tools ein echter Lichtblick, da es eine Art Komponentensystem war und man es zusammen mit einem herkömmlichen PC oder Mac verwenden konnte. Wenn du Netzwerkfunktionen nutzen wolltest, hast du einfach eine Netzwerkkarte eingebaut und wenn du Backups erstellen wolltest, hast die eine Backup-Software installiert − es war endlich kein monolithisches System mehr, sondern ein Komponentensystem. Und tatsächlich hat Pro Tools diese Rolle für einige Jahre erfüllt. Später wurde es dann mehr und mehr monolithisch. Meiner Meinung nach hat Pro Tools die ursprüngliche Intention irgendwann verloren. Stattdessen haben neue Hersteller wie Steinberg moderne Lösungen für das alte Problem entwickelt. Du kannst dir damit noch besser als in der Vergangenheit ein individuell auf deine Bedürfnisse abgestimmtes System zusammenstellen. Dabei kannst du selbst bestimmen, wie du mit dem System arbeitest und sogar welche Computerplattform du benutzen möchtest. Einige der Kerntechnologien von Nuendo sind außerdem sehr attraktiv, wie etwa die Netzwerk-Funktionen, mit denen man Audio im Netzwerk streamen und abspielen kann. Das ist in Pro Tools nahezu undenkbar, es sei denn, du installierst ein Glasfaser-Netzwerk. Ich sehe eine große Zukunft für Nuendo, denn es ist die perfekte Lösung für ein altes Problem.

Letzte Jahr hast du an den erfolgreichen Filmen „17 Again“ mit dem High-School Musical Star Zac Efron und Disneys „Hannah Montana“ mit Miley Cyrus gearbeitet. Welche Rolle hat Nuendo bei der Produktion dieser beiden Blockbuster gespielt?
Nuendo war bei beiden Filmen im unterschiedlichen Maß beteiligt, denn den Mix für  „Hannah Montana“ habe ich nicht selbst gemacht, sondern nur den für „17 Again“. Wir machen hier hauptsächlich Mischungen. Hierfür haben wir ein Euphonix System 5, ein voll ausgestattetes Hybridsystem mit komplettem DSP Backend und EuCon Implementierung. EuCon ist die Sprache, die Nuendo, Pro Tools und andere Workstations „sprechen“, aber in Nuendo ist die EuCon Integration weitaus ausgereifter als bei allen anderen. Wir lagern viele Aufgaben an andere Studios in Los Angeles aus und die meisten arbeiten mit Pro Tools. Aber wenn ich einen Dialog mache, dann arbeite ich mit Nuendo, weil ich viele Dinge damit einfach schneller erledigen kann als mit Pro Tools.

Im Falle von „17 Again“ wurde der Dialogschnitt zuerst auf Pro Tools gemacht und anschließend über SSL Pro Convert in Nuendo importiert. Sobald ich eine Session in Nuendo habe, kann ich die wundervollen Nuendo Post Production PlugIns einsetzen, wie etwa den Post-Filter. Dieser eignet sich perfekt für typische Aufgaben der Dialog-Bearbeitung, wie etwa das Auffinden des Grundtons eines Raumes, um dessen gesamte Obertöne auszufiltern. Für meinen Dialog Pre-Dub in Nuendo benutze ich den Euphonix System 5 und arbeite damit wie mit einer herkömmlichen Konsole. Zum Schluss, wenn wir den finalen Mix machen − mit allen Sound-Effekten, der Musik, den Geräuschen und den ganzen anderen Komponenten − lasse ich meinen virtuellen Pre-Dub auf dem System 5 und route zusätzlich den Nuendo Output über eine konventionelle Ausgangskonfiguration in eine herkömmliche Euphonix DSP Konsole. So kann ich in der traditionellen Form arbeiten und ganz nach Bedarf wieder in die nicht-lineare Welt des virtuellen Pre-Dubbings zurückspringen, um Events zu aktualisieren. Das ist jetzt schon seit geraumer Zeit meine bevorzugte Arbeitsweise. „Sex and the City“ und viele andere Filme habe ich auf diese Weise gemacht. Ein weiterer Vorteil von Nuendo sind die VST-PlugIns, die einem zur Verfügung stehen. Wir haben zwei Rechner ausschließlich für Reverbs, einen für Dialog und einen für Effekte. Auf jeder dieser Machinen laufen bis zu 12 Ultraverb Instanzen sowie verschiedene andere Reverbs, hauptsächlich unsere Hardware-Hallgeräte. Das Schöne dabei ist, dass die gesamten Regler für die Hallgeräte auf der System 5 Oberfläche liegen, so dass sich die Parameter der Presets sehr schnell editieren lassen. Alle unsere Reverbs laufen in Nuendo und es ist erstaunlich, wie viele Instanzen ressourcenhungriger PlugIns mit aktueller Computerhardware innerhalb eines Nuendo Systems gleichzeitig verwendet werden können. Wir haben also zu jedem Punkt des Arbeitsablaufs mehrere Nuendo Sessions am Start. Wenn wir ein Projekt komplett bei uns realisieren, machen wir alles in Nuendo. Das ist einfach unsere erste Wahl, aber auch so ist Nuendo immer in der einen oder anderen Weise an unseren Filmprojekten beteiligt.

424 Inc.

Du hast mit einem Euphonix System 5-MC Dual-Operator gearbeitet und letztes Jahr auf eine System 5 Hybrid Dual-Operator Station upgegradet, Was sind die Vorteile der Kombination Nuendo und Dual System 5 für deine tägliche Arbeit?
Richtig, ich habe immer ein Dual System 5 benutzt. Ich habe mit dem Dual System 5-MC angefangen und jetzt ist es ein Dual System 5 Hybrid. Dieser verfügt sowohl über ein konventionelles Euphonix Backend als auch über die EuCon Umgebung. Das beste aus beiden Welten also. Das ermöglicht uns, mit konventionellen Mischern zu arbeiten, also mit Kollegen, die an die Arbeit mit großformatigen Mischkonsolen gewöhnt sind. Sie können mit den Euphonix Konsolen arbeiten wie sie es gewohnt sind und dann zusätzlich die Worksstation-Steuerung nutzen. Erfahrene Mischer arbeiten meistens schon viele, viele  Jahre mit herkömmlichen großen Konsolen und es ist einfach ihr  bevorzugtes Arbeitsgerät. Wir müssen daher eine Lösung für beide Welten anbieten und hier ist der System 5 Hybrid perfekt. Nebenbei konnten wir schon vielen dieser Kollegen die Vorzüge von Nuendo zeigen  und alle waren sich darin einig, dass es ein wirklich tolles Werkzeug ist.

Du hast vorhin “Sex and the City – The Movie” erwähnt, ein Film der mehr als 400 Millionen Dollar eingespielt hat. Wie war Nuendo an diesem Film beteiligt?
Die Arbeit an Sex and the City war im Grunde genauso wie bei den anderen Filmen, die ich oben beschrieben habe. Bei diesem Projekt hat mir Nuendo ganz besonders beim Dialog-Editing geholfen, denn der Film wurde in New York gedreht – teilweise sogar im Central Park – und das ist bekanntlich nicht die leiseste Stadt dieses Planeten. Einige Szenen waren schon explizit für das ADR vorgesehen, da sich niemand vorstellen konnte, dass es möglich wäre, die Originaldialoge aufgrund der extremen Geräuschkulisse verwenden zu können. Aber mit einigen PlugIns in Nuendo, darunter dem Post Filter, haben wir es ziemlich brauchbar hinbekommen. Tatsächlich sind so Szenen im Film gelandet, die normalerweise niemand im Produktionsteam genutzt hätte. Aber Nachvertonen ist immer nur zweite Wahl, denn die Performance wird nie genauso gut. So hat uns Nuendo definitiv dabei geholfen, einige Szenen des Films zu retten.

Was siehst du derzeit für Trend in der Filmindustrie? Hat sich in den letzten Jahren irgendetwas verändert?
Heutzutage gibt es bei Filmen der mittleren und unteren Klasse meist nur noch einen einzigen Typen mit einer Workstation, der alles macht. Denn bei solchen Filmen steht natürlich immer das Budget im Vordergrund und für die Produzenten scheint das eine gute Idee zum Sparen zu sein. Und da das Equipment so billig ist, hat das auch die Gagen der Schauspieler gedrückt. So verkommen viele Filme in diesem Bereich zu einer Art Billigware. Es ist im Grunde das Gleiche, was auch in der Musikindustrie passiert ist. Auf der anderen Seite gibt es die Produktionen mit mittleren bis hohen Budgets, wo solche Gedankengänge keine Rolle spielen. Bezogen auf die Gesamtkosten des Films fallen dort die Kosten für die Audio Postproduktion kaum ins Gewicht – der Film ist zu teuer, um an der Audio Postproduktion zu sparen. Also suchen diese Produzenten Leute mit langjähriger Erfahrung, die bei ihrer Arbeit keine Kompromisse machen. Und diese Profis wollen Lösungen, die gut sind, anstatt solche, die billig sind. Ich sehe hier eine große Chance für Steinberg-Euphonix-Systeme. Euphonix ist eine High-End Marke und wann immer wir anderen Profis unser Nuendo-System in Verbindung mit der Euphonix Hardware gezeigt haben, ist es sofort sehr gut angenommen worden. Diese Leute schauen auf den Workflow und nicht auf den Preis, daher ist es für sie die perfekte Lösung.

Vielen Dank für deine Zeit, John!