Unterwasser Surround-Recording mit Nuendo
Eine wissenschaftliche Forschungsmission. Präzision und Stabilität des Equipments sind ein Muss. Exzellente Audioqualität die Grundvoraussetzung. Wenn die äußeren Gegebenheiten keine Kompromisse zulassen und der „First Take“ ausschlaggebend ist, muss die Entscheidung zugunsten der besten Audio Software fallen. SAE Dozent und Tontechniker Timo Klinge war letztes Jahr Teil der Aldebaran Forschungsexpedition und führte vor der Küste Beliziens die weltweit ersten Unterwasseraufnahmen in Mehrkanalton durch. Lesen Sie, warum sich Timo bei diesem einzigartigen Projekt für Steinbergs Nuendo 4 entschieden hat.
Hallo Timo! Kannst Du uns bitte kurz das Aldebaran Projekt vorstellen?
Zum internationalen Jahr des Riffs dokumentiert die Crew des Hamburger Forschungs- und Medienschiffs Aldebaran die Folgen des globalen Klimawandels am größten Riffsystem im Atlantischen Ozean.
Wissenschaftler, Kameraleute und Tontechniker erkundeten von März bis Mai 2008 die fantastische Natur vor der Yucatan Halbinsel im mittelamerikanischen Belize. Zusammen mit Fachleuten der Universität Frankfurt erforschte die Crew am Lighthouse Riff Atoll die Entwicklung des Meeresspiegels in den vergangenen 8000 Jahren. Unsere Surround-Aufnahmen sollen einen hochwertigen akustischen Einblick in das Geschehen vor diesem gewaltigen Riff geben.
Welche Grundüberlegungen betreffend der Surroundaufnahmen waren notwendig?
Das Schwierigste an stereophonen Unterwasser-Aufnahmen ist das akustische Medium Wasser. Wasserschall breitet sich 4,5 mal schneller aus als Luftschall, es gibt keine gerichteten Hydrophone im Hörbereich. Außerdem ist Wasserschall im Vergleich zum Luftschall sehr variabel, denn die Schallgeschwindigkeit hängt gleich von drei verschiedenen Faktoren ab (Druck, Salzgehalt, Temperatur). So kann es passieren, dass die Surroundmikrofonie an einem Ort funktioniert und 100 Meter weiter ein völlig anderes Verhalten zeigt. Auf Basis von Kugelmikrofonen eine funktionierende Surroundanordnung zu entwickeln, welche Töne in 4,5-facher Schallgeschwindigkeit aufzeichnet, war eine wirklich große Herausforderung.
Warum war Nuendo 4 für Dich die erste Wahl?
Nuendo 4 gibt mir die Möglichkeit, extrem durchdacht und daher sehr schnell mit Surround umgehen zu können. Als natives System ist die Software genauso leistungsstark wie DSP basierte Lösungen, benötigt aber wesentlich weniger Platz. Um auch im Ultraschall aufnehmen zu können habe ich in hochauflösenden 192 kHz gearbeitet. Für meinen Workflow waren außerdem die Routing- und Panoramamöglichkeiten von Nuendo 4 entscheidend. Und auf Grund der vielen guten Mehrkanal-Effekte konnte ich noch an Board des Forschungsschiffs mit der Post-Production beginnen.
„Ich entschied mich für Nuendo 4, weil es mir hervorragenden Aufnahmequalität, große Kompatibilität und vor allem sehr gutes Mehrkanalhandling ermöglicht.“
[Timo Klinge]
Welche Funktionen in Nuendo waren besonders hilfreich?
Nuendo 4 hat einen wahnsinnig gutes und unkompliziertes Downmix-PlugIn. Mit diesem konnte ich in extrem kurzer Zeit und somit auch mal spontan, spannende Stereofiles exportieren. Sehr hilfreich ist außerdem der mitgelieferte Surround Dither. Ich kann für jeden Kanal einzeln den Dithertyp und Bittiefe einstellen und muss trotzdem nur ein einziges PlugIn öffnen. So muss es sein. Weiterhin bin ich ein großer Fan von selbst definierten Shortcuts. Wie schon in den Vorgängerversionen überlässt es Nuendo 4 dem Benutzer, die für Ihn beste Shortcutoberfläche zu belegen.
Was war die größte Herausforderung während der Unterwasser Surroundaufnahmen?
Wir konnten das komplette System erst direkt vor der belizischen Küste testen, deshalb konnten wichtige Fragen erst vor Ort geklärt werden: Halten die Gelenke des A-Ray den hohen Druckbelastungen stand? Wie gut können wir das Surroundsystem austarieren? Wie erreichen wir eine sichere Erdung auf einem Metallschiff? Nach zweiwöchiger Vorbereitung und intensiven Tests haben haben wir dann mit den Aufnahmen begonnen.
Wo werden die Aufnahmen zu hören sein? Welche Veranstaltungen sind geplant?
Die Faszination der biologischen Vielfalt im Meer und in den angrenzenden Mangrovenwäldern soll im Rahmen eines Kinofilmes und einer Planetariumsproduktionen hautnah und höchster Auflösung erlebbar gemacht werden. Darüber hinaus sind mehrere Vorträge über die Entwicklung und die Durchführung der Aufnahmen geplant.
Vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast.



