Ricky Garcia veröffentlicht Solo-Album
Gitarren-Virtuose und Cubase User Ricky Garcia schlägt mit seinem ersten Solo-Album Let Sleeping Dogs Lie ein neues Kapitel in seiner musikalischen Laufbahn auf. Mit großem musikalischen Talent und technischer Perfektion, gelingt es Garcia die Energie und Leidenschaft der Musik, die er spielt, so eindringlich rüberzubringen wie kaum ein zweiter. Auf den 11 Tracks des Albums erkennt man deutlich die Einflüsse von Gitarren-Helden wie Steve Vai, Joe Satriani oder Andy Timmons. Und mit dem legendären Dream Theater Keyboarder Jordan Rudess als Gastmusiker, wird dieses Album mit Sicherheit jede Menge Aufmerksamkeit erzeugen.
Auch wenn Let Sleeping Dogs Lie sein Debüt-Album ist, so ist Ricky Garcia schon längst kein Unbekannter mehr in der Rockmusik-Szene. Er ist Absolvent des renommierten Berklee College of Music, spielte in verschiedenen Bands und landete schließlich als Lead-Gitarrist bei der deutschen Erfolgsband LaFee, wo er auf mehreren Gold und Platin Scheiben zu hören ist. Aber es ist offensichtlich, dass Ricky Garcia mehr will und er sein künstlerisches Potential noch lange nicht ausgeschöpft hat.
Zunächst einmal Gratulation zu deinem ersten Solo-Album! Du freust dich sicher riesig darüber. Bist du zufrieden mit Let Sleeping Dogs Lie und den ersten Reaktionen darauf?
Für mich ist die Fertigstellung der CD schon eine riesige Erleichterung. Es fühlt sich an, als hätte man seit Jahren eine innere Stimme über die man soviel mitteilen möchte, aber niemand kann sie hören. Ganz zu schweigen von der nie endenden Arbeit an so einem Projekt, wenn man fast alles alleine durchführen und betreuen muss. Einige Leute waren wirklich sehr überrascht, vor allem wenn sie mich nur als Gitarrist von LaFee kannten. Dort ist der musikalische Schwerpunkt ja ein anderer und vor allem gib es dort kaum virtuose Elemente. Ansonsten muss sich so eine CD und ein Publikum dafür erst noch entwickeln. Es gibt schließlich eine Menge unglaublicher und etablierter Gitarristen da draußen und da muss man erst mal seinen Platz finden. Ich bin aber auch auf die Resonanz des Lafee Publikums gespannt. Viele kennen dort so eine Musik nicht und ich finde es sehr reizvoll, die Reaktion von jemandem zu hören, wenn er so etwas noch nie vorher gesehen oder gehört hat. Ich denke da habe ich auch die besten Chancen, mein eigenes Publikum zu finden. Oft ist es der Künstler, den du als erstes entdeckst und er dich mit seiner Musik packt, derjenige dem du ein Leben lang treu bleibst. Es ist echt eine aufregende und spannende Zeit für mich!
Jordan Rudess von Dream Theater hat für „Tank”, den ersten Track deines neuen Albums, die Keyboards eingespielt. Wie kam diese Kontinent übergreifende Kollaboration zustande und wie lief die Zusammenarbeit ab, mit dir in Deutschland und Rudess in den USA?
Nun, zunächst mal ich kenne Jordan jetzt bereits 10 Jahre, seit seiner Arbeit mit dem „Liquid Tension Experiment” und kurz danach ist er ja bei Dream Theater eingestiegen. Ich war die ganzen Jahre einfach nur ein riesiger Fan von ihm, vor allem auch von seinen Soloalben. Jordan hat immer Interesse an meiner Entwicklung gezeigt und ich wurde zu vielen seiner Konzerte eingeladen. Stellt euch vor, einer deiner Helden lädt dich zu seinen Shows ein und interessiert sich für deinen Werdegang... WOW!!! Das war schon eine Ehre. Natürlich habe ich mir immer gewünscht: „Einmal mit diesem Meister Musik machen!”. Du hättest mein Gesicht sehen sollen, als ich dann Anfang 2007 am Morgen eine E-Mail von ihm bekam, mit einer Einladung, auf seinem Soloalbum ein paar Gastsoli zu spielen. Ich brauchte echt erst einmal ein paar Minuten, um zu realisieren was da stand. Eine unglaubliche Herausforderung und Erfahrung mit sehr großem persönlichem Wert für mich. Jordan war von meinen Momenten auf seinem Album sehr angetan. Anfang 2008 kam dann sein Angebot, auf meinem Soloalbum ein Gastsolo einzuspielen. Wieder einmal saß ich vor seiner E-Mail und brauchte eine Pause! [lacht] Ich denke, jeder Musiker hat ein paar Namen parat, von denen er sich sagt: „Mit diesen Leuten einmal arbeiten zu dürfen, das wär’s!”.
Nun aber zum logistischen Teil deiner Frage. Wie schafft man so eine Zusammenarbeit von einem Punkt des Planeten zum anderen? Das muss man sich mal vorstellen, Jordan wohnt in New York und ich im schönen deutschen Sauerland auf einem Bauernhof! Der absoluten Genialität des Internets und Programmen wie Cubase oder Nuendo sei Dank! Ein Roughmix wird erstellt und per FTP übertragen und dann die Soli als WAV exportiert und dann in die jeweiligen Projekte importiert. Dabei ist es vollkommen egal, was der andere für eine DAW-Plattform benutzt. Ich komme selber noch aus einer Zeit, wo so etwas nur reine Träumerei gewesen ist und bin deshalb immer wieder aufs Neue überwältigt von der fast grenzenlosen künstlerischen Freiheit, die man heute auf diese Weise bekommt. Man kann fast von jedem Punkt der Erde miteinander kollaborieren. Und bei Jordans Gastsolo auf meiner CD kam es auch genau soweit. Er hat am Ende seine Spuren in irgendeinem Hotel dieser Welt auf seiner letzten Dream Theater Welttournee eingespielt. Ich hatte einige Monate zuvor auch interessanter Weise eure Artist Story mit dem Dream Theater FOH Mixer Randy Lane gelesen. Dort spricht er von seinem Nuendo System, das voll funktionsfähig auf einem Laptop läuft. Genau dieses kam auch bei uns zum Einsatz. Meinen Mix per FTP eingeladen, dann Jordans Keyboard angeschlossen, Nuendo gestartet und LOS!! Da greift wieder die gute und alte Weisheit: „Was heute nicht alles möglich ist!”.
Du und Rudess seid ja beide wahre Meister an euren Instrumenten. Hast du ihm irgendwelche Vorgaben bezüglich Stil und Harmonien gegeben?
Es gibt im Karate 10 schwarze Meistergürtel! Wenn ich den ersten haben soll, dann hat Jordan ganz klar den 10ten [lacht]!! Wir haben uns gegenseitig immer nur Notizen für Einsätze gegeben. Und außerdem hatte ich Zweifel daran, ob der den Song rockt? Bestimmt nicht!! Er ist Jordan Rudess!!! [lacht] Was soll da schief gehen?
Wie lange hast du an dem Album gearbeitet?
Nun die Songs hatte ich schon seit einiger Zeit mit meinem Trio live gespielt und schon einmal Backingtracks für Clinics und Messen aufgenommen. Die eigentlichen Aufnahmen für die CD haben im März 2007 begonnen. Zu diesem Zweck haben wir uns im Studio meines Schlagzeugers Ulf Stricker eingefunden. Er hat dort sein Drum Set komplett mikrofoniert und benutzt Cubase. Ich habe dann im Regieraum mit dem Bassisten Goran Vujic (unter anderem auch Bassist für LaFee) Platz genommen und Gitarre und Bass als Guidetracks mitgeschnitten und noch das eine oder andere an den Arrangments verändert während der Aufnahmen. Damit haben wir uns ein paar Wochen Zeit gelassen. Danach haben wir die Daten ganz einfach auf eine USB-Platte transferiert und ich habe meine Rechneranlage dem Bassisten mitgegeben, so dass er in Ruhe seine Spuren einspielen konnte. Für das eine oder andere ist er später noch in mein Studio gekommen. Ich hatte dann die Monate Juli und August Zeit für die Rhythmusgitarren und das Editing der Drum- und Bass-Spuren. Der Rest des Jahres war so vollgepackt mit einer großen Lafee Tour, da war absolut keine Ruhe mehr zu finden, um die Leadgitarren einzuspielen. Diese Chance bot sich erst ab Januar 2008 und ich habe mir gut bis Ende Mai Zeit gelassen.
Hast du das Album komplett mit Cubase produziert? Benutzt du auch VST-Instrumente und Effekt-PlugIns?
Ja, die Aufnahmen sind komplett in Cubase bzw. Nuendo für die Spuren von Jordan Rudess entstanden. Ich bin eher Purist was die Gitarre angeht. Das bedeutet einen guten Amp und eine gute Gitarre. Für virtuelle VST Gitarren PlugIns und Amp-Emulatoren konnte ich mich bis jetzt noch nicht begeistern. Ich komponiere aber viel in Cubase direkt und dann hauptsächlich mit Hypersonic, der mir alle Sounds bietet, die ich brauche. Schlagzeug und Bass werden ja später durch meine richtige Band ersetzt. Ich brauche aber schon einmal MIDI Sounds im voraus, um die Song zu entwickeln. Ich habe auch den Spectrasonics Atmosphere im System.
Wie und wann hast du Cubase kennengelernt? Und warum bist du dabei geblieben?
Ich habe zu Cubase erst vor 2 Jahren gefunden. Davor habe ich lange Zeit Hardware-Aufnahmesysteme benutzt und dann eine Weile Logic Audio. Ich bin aber PC Fan und wollte nicht auf Mac umsatteln, als der Support für die Windows-Version eingestellt wurde. Interessanter Weise sagten mir über die Jahre immer mehr Leute, ich solle doch besser auf Cubase umsteigen. Aber bis dahin lief mein System und erfüllte zur damaligen Zeit meine Ansprüche. Irgendwann kam aber der Tag, da musste ich mit der Zeit gehen und habe dann Cubase SX3 getestet und das war schon ein unglaublicher Fortschritt zu meinem alten System. Da hatte ich mich schon geärgert und mich gefragt, warum hast du das nicht früher getan? [lacht] Ich benutze allerdings Steinberg WaveLab seit es auf den Markt (1995) gekommen ist! Cubase hat einfach fantastische Editing Möglichkeiten! Alles „non-destructive” und der Sound der Engine ist TOP. Ich nehme auch immer in 96 kHz/24 Bit auf und habe null Latenz oder sonstige Probleme. Heute ist Cubase die Zentrale für ALLES! Komponieren, Aufnehmen, Üben usw.
Hast du Lieblingsfeatures in Cubase, von denen du uns erzählen magst?
Wie gesagt, das Editing ist einfach großartig! Wie sauber man Spuren schneiden kann. Schnell und effizient und in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit! Gerade bei finanziell kritischen Produktionen wie einem Soloalbum, ist eine vorbereitende Editierung der Spuren für das Mixingstudio sehr wichtig. So kann sich der Mischer auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Ich wollte mein Album nicht selber mischen, sondern habe diese Aufgabe dem Hausmischer von Jordan Rudess übertragen, John Guth, der ebenfalls in New York lebt. Er hat viele von Jordans Soloalben gemischt. Das Problem dabei war nur, er benutzt kein Steinberg System und wollte WAV Dateien der einzelnen Spuren haben. Meine ganze Editing Arbeit wollte ich aber natürlich mit einrechnen. Die Möglichkeit, in Cubase Makros zu programmieren, war hier ein sehr hilfreiches Feature. So konnte ich eine komplette Automationsroutine generieren, die jede einzelne Spur als WAV exportiert und in einem Ordner ablegt. Somit hatte ich am Ende 11 Songordner mit den Einzelspuren der Drums, Bässe und Gitarren und ein paar VST Keyboard Spuren. Alle synchron und bereit, als komplette Gruppe ins DAW System seiner Wahl importiert zu werden. Auf DVD gebrannt ging das Ganze dann per Post in die USA. Die Mixe haben wir dann wieder per FTP und E-Mail ausgetauscht. Ein weiteres Merkmal von Cubase ist die unglaubliche Stabilität! Ich habe es bisher erst einmal geschafft, mein System zum Absturz zu bringen und zwar, als mein kleiner Hund in meinem Studio unter meinen Arbeitstisch gekrochen ist und mit seinem Kopf genau auf dem Power Knopf der Stromleiste landete! [lacht] Gilt also nicht! Großartig finde ich auch die fantastische Mobilität meines Cubase Systems, das ich ohne Kompromisse auf meinem Laptop betreiben kann. Den habe ich auf Tour immer dabei. So kann ich überall kreativ sein und an neuen Songs arbeiten. Jeder Musiker kennt die inspirierende Energie, die von verschiedenen Orten ausgehen kann. Mit meinem mobilen System erfüllt sich der Traum, diese einzufangen zu können, in einem Song oder einer Stimmung in einem bereits laufenden Projekt. Ich nehme meinen Laptop auch mit auf Vorführungen und Messen und mische mir Backingtracks direkt in Cubase. So kann ich die Spuren auf die PA am Stand oder der Bühne anpassen und dann einen Stereo-Mix für einen MP3-Player erstellen, falls ich dort öfter spiele.
Ich weiß aus Gesprächen mit Steinberg, dass ich im Übrigen ja nur einen gewissen Teil von Cubase überhaupt ausschöpfe. Die Software kann ja noch soviel mehr und das ist auch das Geniale daran. Man ist wirklich für alle erdenklichen Situationen gewappnet und kann sein System mit geringem Aufwand erweitern, ohne ständig die Plattform wechseln und sich in neue Programme einarbeiten zu müssen.
Benutzt ihr auch bei den LaFee Produktionen Steinberg Software?
LaFee ist durch und durch ein Steinberg Lager. Die komplette Band benutzt Cubase. Die Songschreiber, Soundesigner, Mischer usw. aus den besagten Gründen. Unsere DVDs werden mit Nuendo in 5.1 gemixt und gemastert. Dabei spielt die Kompatibilität zwischen Cubase und Nuendo eine große Rolle, wenn die Projekte von den Soundesignern aus Ibiza zum Mischen zurück nach Deutschland kommen. Die Gitarrensoli spiele ich dann wieder bequem zuhause in meinem Bauernhofstudio ein und übertrage sie per FTP. So brauche ich nicht mein ganzes Equipment in ein anderes Studio schaffen.
Was sind deine Pläne für die nahe oder ferne Zukunft?
Zum Zeitpunkt dieses Interviews stehen wir kurz vor der Veröffentlichung der nächsten Lafee Single und des dritten Albums. Danach wird dann eine Menge Promotion Arbeit folgen und eine große Europatour im neuen Jahr mit einer Live DVD. Ich hoffe natürlich, mit meinem eigenen Album meine Solokarriere weiter ausbauen zu können und auch da soviel live zu spielen, wie möglich.
Wir haben noch eine letzte brennende Frage, die uns wirklich einige schlaflose Nächte bereitet hat. Es ist ja allgemein bekannt, dass du ein großer Star Wars Fan bist. Gibt es eine Verbindung zwischen den Filmen und dem Namen deines Hundes und ist er vielleicht sogar der Hund auf dem Album Cover?
Ja!! Und es muss eine unglaubliche Tortur für euch gewesen sein, endlich die Antwort auf diese Frage zu bekommen! [lacht)] Mein Hund Luke ist nach dem großen Jedi Meister „Skywalker” benannt. Die Filme begeistern mich seit frühster Kindheit. Ich bin zudem ein riesiger Fan von Filmmusik! Dann muss ich immer sofort denken „Einmal auf einen Soundtrack von Hans Zimmer E-Gitarre spielen!!”… Das wäre auch so ein Moment, wie mit Jordan Rudess zu arbeiten! Luke ist auch der Hund auf meinem Album Cover. Einer dieser absoluten Glückstreffer, wenn man mit Tieren Fotos macht. Denn in dem Moment, wo du auf den Auslöser drückst, haben sie sich schon wieder bewegt! [lacht] Als ich dieses Bild zum ersten mal als Cover gesehen habe, ist mir sofort der Album Titel auf deutsch eingefallen: „Schlafende Hunde weckt man nicht!”. Auf der CD ist ein Song mit dem Titel „Doggy Luke”, in dem ich versucht habe, die Stimmung meines Hundes einzufangen. Ein recht quirliger Kamerad der mich oft zum lachen bringt und abgeht wie ein tasmanischer Teufel. Falls mich mal jemand bei der Performance dieses Songs lachen sieht, wisst ihr jetzt warum! Ich kann einen Hund fürs Studio übrigens nur empfehlen. Die nötigen Späziergänge während eines Arbeitstages sind super, um an der frischen Luft wieder Energie und Inspiration zu tanken!
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen genommen hast. Wir hier bei Steinberg wünschen dir alles Gute für deine weitere Karriere, die wir mit Spannung verfolgen werden.
Und ich möchte Steinberg danken für dieses Interview und den super Support und vor allem für die grandiose Software und die damit schier grenzenlosen künstlerischen Freiheiten!!
Ricky Garcias Website: www.rickygarcia.com



