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Computerunterstützter Musikunterricht

von Günther Wiedemann

Handlungsbedarf

Keiner anderen technischen Innovation ist in den vergangenen Jahren so viel an medienpädagogischer Aufmerksamkeit gewidmet worden wie dem Computer. Wird er von den einen mit der Vision von einer veränderten Schule besetzt und mit einer unverzichtbaren "Revolution des Lernens" verbunden, warnen die anderen immer wieder vor unvorhersehbaren Folgen. Welche Position man aber auch beziehen mag: als technologisches Werkzeug wie als Medium berührt oder verändert der Computer nachhaltig alle Lebensbereiche, kennzeichnet und prägt wesentlich unsere Zeit. Der kompetente Umgang mit ihm und den Neuen Medien wird daher zu einer der bedeutenden Schlüsselqualifikationen in Beruf und Gesellschaft für die nächsten Generationen, was insbesondere die Schule zur Stellungnahme herausfordert.

Bild Education

Auch die Herstellung und Verbreitung von Musik ist heute weitgehend an digitale Techniken und an ihr wichtigstes Hilfsmittel, den Computer, gekoppelt. Er hat nicht nur die Ausstattung der Tonstudios, sondern vor allem in vielen Bereichen der Popmusik den kompositorischen Entstehungsprozess entscheidend beeinflusst und verändert.

Für die meisten Kinder und Jugendlichen sind die technologisch-computergestützten aktuellen Musikstile (Techno und House spiegeln z.B. die Verfahren digitaler Produktion effektvoll wider) die alltägliche akustische Umgebung. Immer selbstverständlicher machen sie sich in ihrer Freizeit die Computertechnologie - insbesondere durch das Spielen am Rechner - verfügbar und laden sich Informationen, MIDI- und Audio-Files aus dem Internet, um sie sodann vielschichtig zu verbinden und zu gestalten.
Junge Menschen müssen dem Computer als Arbeitsmittel im Musikunterricht begegnen, weniger, um sich technische Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, vielmehr, um durch zielgerichtete Lernprozesse, die in das Nachdenken über Möglichkeiten und Grenzen der Computertechnologie münden, zu einer selbstbestimmten und verantwortlich-sinnvollen Nutzung zu gelangen.
Nur der Erwerb reflektierter Handlungskompetenz eröffnet Chancen, vor dem Hintergrund veränderter Formen musikalischer Sozialisation auf das Erleben und Verstehen von Musik, auf Wirklichkeitswahrnehmung, Freizeitverhalten und Wertorientierungen der Schüler musikpädagogisch Einfluss zu nehmen.

Aufbau und Förderung von

  • Wissenszusammenhängen, die geeignet sind, Neue Technologien auf ihren persönlichen Nutzwert hin zu überprüfen und kritisch zu beurteilen
  • reflektierter Handlungskompetenz, verstanden als Chance, auf Wirklichkeitswahrnehmung und Wertorientierung musikpädagogisch Einfluss zu nehmen
  • eigenverantwortlichem Lernen und sozialem Verhalten, Selbststeuerung und Kooperation
  • systematischen (vom Lehrer geführten) und selbstorganisierten Lernformen
  • produktionsorientierten Verfahren, um mit Hilfe neuer Technologien die Zieldimensionen Musik hören, Musik machen und über Musik nachdenken in Analyse und Erlebnis miteinander zu verbinden.

Der Computer

(in Verbindung mit entsprechender Software)

  • greift auf beliebige Parameter zu, die sich durch Editierung verändern und sofort speichern lassen. Ermöglicht die kompositorische Bearbeitung und das Experimentieren mit vielgestaltigen Klängen. Übernimmt die Notation von Erklungenem und verändert somit grundlegend den Kompositionsprozess
  • wechselt sofort zwischen verschiedenen Darstellungsebenen von Klang und Notation
  • kann Schwingungsverläufe und Klangspektren hör- und sichtbar machen
  • ist ein geduldiger und (mit Kopfhörern) kaum hörbarer "Gehilfe", der die beliebig häufige Reproduktion der Musik nach individuellem Lernfortschritt zulässt
  • gibt denjenigen eine Chance, denen sich Musik durch spieltechnische Grenzen an akustischen Instrumenten bisher verschloss
  • erleichtert durch beliebige Auskoppelung von Einzelstimmen den musikalischen Analyseprozess von komplexeren Werken in einer Verbindung von Ohren und Augen macht Lernergebnisse im Notendruck durch Vernetzung und/oder über Display oder Software allen Kursteilnehmern unverzüglich zugänglich
  • stellt nahezu unabhängig von instrumentaltechnischen Voraussetzungen, Gedachtes oder Geschriebenes klanglich dar und/oder setzt Erklingendes in Notation um
  • knüpft mit Hilfe des Internets weltweite Verbindungen zu (Musik liebenden) Schülerinnen und Schülern anderer Schulen im In- und Ausland.