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Ohrbooten – Der Onkel packt aus

Die Berliner Band wurde 2003 gegründet und hat sich mit ihrem individuellen Stilmix aus Reggae, Alternative, Jazz und Hip Hop über die Jahre eine große Fangemeinde erspielt. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Schlagzeuger und Percussionisten Onkel zu sprechen, in dessen Studio die Songs entstehen – natürlich mit Cubase.

Onkel, wenn man sich im Internet über deine Projekte informiert, merkt man schnell, dass du dich auf keinen Stil festlegen möchtest. Du bist mit Jeanette Biedermann getourt, spielst in Berlin in der Metalband Toxon und hast mit den Ohrbooten gar einen eigenen Stil, den Gyp-Hop erfunden. Womit begann deine Liebe zur Musik?
Das war eine ziemlich eindeutige Sache glaub ich: Mein Opa war Trommler, mein Cousin ist Trommler und meine Mum spielte Geige und es stand auch ein Klavier zu Hause. Meine früheste Erinnerung ist ein Trommler mit einem Stirnband im Fernsehen hinter seiner riesigen Burg, der volle Pulle drauf hielt. Nachdem ich, dadurch angezeckt, meine komplette Nachbarschaft mit dem üblichen Geklöppel auf Töpfen und allem, dem ich habhaft werden konnte, anständig auf die Nerven gegangen bin, war meiner Mutter wohl klar, dass ich kein Schachspieler werden würde, und sie meldete mich also an der Musikschule an. Da war ich sieben. Und nachdem ich 7 Jahre später knapp der Laufbahn eines klassischen Pianisten entgangen war, durfte ich mit zwölf Jahren endlich auf die kleine Trommel hauen. Von da an gab es dann sowieso kein Zurück mehr. Zusätzlich nahm ich noch Gitarren- und Bassunterricht. Drums waren aber immer das konkrete Ziel für mich. Ich glaube, das wäre auch nach hinten mit mir losgegangen als Schaffner bei der Deutschen Bahn!

Onkel in Action (Foto: Sven Hagolani)

Wann bist du das erste Mal mit Cubase in Berührung gekommen und was waren die Gründe, unserer Software treu zu bleiben?
Da viele Leute um mich herum mit Anfang zwanzig anfingen, zu produzieren (das ist ja jetzt schon zehn Jahre her, eieiei...) und ich des Öfteren begann in Studios zu arbeiten, hatte ich genug Gelegenheit die Oberflächen der verschiedenen Programme und deren Funktionalitäten auszuchecken. Schlussendlich gab es ein paar ganz deutliche Gründe,  mich für Cubase zu entscheiden. Zu den Leuten, mit denen man arbeitet, möchte man kompatibel sein und viele meiner Musikerkollegen arbeiteten schon mit Cubase. Ganz klar, dass mein Umfeld also nicht ganz unschuldig war. Des Weiteren bin ich kein Fan des Apple-Irrsinns und Emagic wurde irgendwann monopolisiert,  so dass sich viele Leute gezwungen sahen, ein komplett neues System zu kaufen, was ich eigentlich als Nötigung empfand. Und damit gab es in meinen Augen nur noch die logische Schlussfolgerung, endgültig auf Cubase zu setzen, da es plattformübergreifend arbeitet. Na ja, vielleicht auch eher eine Philosophiefrage, für meine Wenigkeit aber doch entscheidend. Die Editingfunktionen innerhalb von  Cubase empfinde ich als extrem umfangreich und sie ersparen mir viele Umwege,  gerade was das  Arbeiten mit Unterspuren  beim Arrangieren eines Songs betrifft. Auch dadurch, dass das Leveling, die Fades und dergleichen auf der Arrangierebene zu erreichen sind, liegt mir alles gut in der Hand und geht zügig, ebenso wie auch die Möglichkeiten des Kanalroutings einfach unschlagbar sind. Nicht zuletzt hat mich erst kürzlich die einfache Handhabung der MIDI-Funktionen begeistert, da ich für einen namenhaften Musiksoftwarehersteller Teile einer großen Drumlibrary erstellt habe und das quasi ein Kinderspiel in Cubase war, obwohl ich vorher relativ wenig mit MIDI zu tun hatte. Ich entdecke also immer wieder Funktionen,  die mir das Leben leichter machen und mir die Möglichkeit geben, mich auf die Musik zu konzentrieren, anstatt stundenlange IT-Hochschulkurse gemacht haben zu müssen. 

Die Ohrbooten mit ihrer Lieblingssoftware

Gibt es etwas, dass wir unbedingt ändern müssen oder Features, die du in Cubase vermisst?
Mmmhhh... Tatsächlich gibt es nur eine Sache, da kann ich den Grund aber gut nachvollziehen: Der USB-Stick zur Lizenzierung ist etwas umständlich. Da ich viel auf Tour im Bus arbeite, hab ich nen bissl Schiss, dass mir vielleicht durch meine eigene Unachtsamkeit die Buchse ausreißt wenn ich nicht aufpasse. Manchmal kommt es  auch vor, dass ich den vergesse, da ich auf verschiedenen Rechnern am selben Projekt arbeite (im Studio, auf dem Laptop,  auf Tour oder zu Hause). Da ich des Öfteren auch mal meine Socken vergesse, finde ich mich auch mal ohne den USB- eLicenser auf Tour wieder. Aber da muss ich einfach mehr Gehirn einsetzen, würde ich sagen. Eine andere Kleinigkeit ist, dass ich mir wünschen würde, für die Files, die durch den Befehl  „Audio als Datei“ entstehen, einen eigenen  Pfad zu einem Ordner meiner Wahl schreiben zu können, ebenso wie die Möglichkeit der individuellen Benennung dieser Files unabhängig vom Spurnamen. Also eigentlich angelehnt an die „Exportfunktion“,  die absolut perfekt gelöst ist. Das ist aber wohl auch nur Geschmackssache, letztendlich landet ja immer alles im Projektordner. Oder ich habe es bis jetzt einfach noch nicht gefunden und mich zu dusselig angestellt, auch nicht auszuschließen. 

Cubase bildet ja das Herzstück deines Studios. Mit was für einem Rechnersetup arbeitest du? Nutzt du viele PlugIns oder setzt du auch gerne auf Hardware-Effekte?
Als kräftige Arbeitstiere stehen da verschiedene PCs und mittlerweile auch ein Apfel. Da ich in der Mehrzahl verschiedener Produktionen eher zuarbeite oder Roughmixe mache, um Höreindrücke zu vermitteln, beschränke ich mich auf gute Signale mit tollen Mikrofonen, gute Preamps, gute Instrumente und nicht zuletzt gutes Musizieren. Ich habe eine alte Bandmaschine, deren Sound ich sehr mag und ansonsten bietet mir Cubase von Haus aus mehr als genug Möglichkeiten durch die mitgelieferten PlugIns kreativ mit den aufgenommenen Signalen zu arbeiten. Mein Lieblingstool ist der Envelopeshaper mit der Einstellung der „dirty room drums“ beim sogenannten „Wurstmikrofon“ (ein Mosesschneidscher Begriff) in den Drums. Das geht schon ganz gut in meine Richtung für abgefahrene Sounds, kann man natürlich nicht überall benutzen.

Dein Schlagzeugsetup, das du bei den Ohrbooten benutzt, ist sehr ungewöhnlich. Neben den Standards spielst du Darbuka, Timbales, eine Cowbell mit einem Fußpedal und dein Hocker ist eine Cajon. Auch Triggerpads haben den Weg in das Setup gefunden, mit denen du Samplesounds spielst. Hast du dir mal überlegt, Cubase auch live zu nutzen und Samples zu triggern?
Das wird jetzt im Zuge der neuen Songs und der damit verbundenen Tour auf jeden Fall interessant. Das Setup der Band ist bis jetzt darauf ausgelegt gewesen alles komplett ohne Zuspieler auf die Bühne zu bekommen. Deswegen hängen da ein paar mehr Sachen dran als an einem normalen Schlagzeug und die Vielfalt der Sounds ist sehr wichtig bei dieser Band. Da wir aber klanglich gerade ein paar andere Sachen ausprobieren, ist es sehr wohl möglich, dass sich da bald auch ein kleiner Rechner mit Cubase neben mir finden wird. Schließlich hab ich auch nur zwei Arme und Beine, um Sachen zu realisieren. Das wirklich Gute ist, dass Cubase ohne Probleme mit meinem Yamaha-Equipment zu synchronisieren ist. Da sind also alle Dinge völlig unkompliziert realisierbar. Wie geil ist das denn?

Du bietest deine Dienste als Schlagzeuger unter dem Motto „Rent a Onkel“ jedem an, der Dich fragt. Gibt es Ausschlusskriterien und sagst du auch mal nein oder ist alles nur eine Frage des Preises?
Ich bin immer froh einen musikalischen Knochen vor die Füße zu bekommen, den ich knacken muss. Und da in meiner Vergangenheit musikalisch schon alles dabei war − Avantgardjazz, Filmmusik, Metal, Techno, Bigband, HipHop, Reggae und weiß der Teufel was noch alles − gibt es da eigentlich keine Grenzen. Das, was wirklich Spaß macht, ist der Musik anderer durchs Drumming, Percussion und manchmal auch Malletts einspielen, Leben einzuhauchen und die eigene Note zu geben. Der einzige Grund etwas nicht zu machen, wäre wahrscheinlich politischer Natur, aber bis jetzt bin ich noch nicht in der Situation gewesen, mich zu einer Entscheidung gegen ein Projekt gezwungen zu sehen. Ich glaube nicht, dass die NPD Drums für einen Werbetrailer von mir haben wollen würde... würde sie auch nicht bekommen!


Wie läuft eine Produktion mit den Ohrbooten ab? Schickt ihr euch Songideen vorab zu und macht dann die komplette Produktion in deinem Studio mit Cubase?

Das ist unterschiedlich. Wir haben da verschiedene Stadien, die wir durchlaufen. Schlussendlich landet alles bei mir und von da aus geht es dann nochmal in ein größeres Studio. Angefangen wird meist im Proberaum mit akustischer Gitarre und ganz kleinem Besteck, um das Herzstücks des Songs zu finden und zu formen. Das wird ganz rudimentär mitgeschnitten, damit wir einen Höreindruck von uns selbst bekommen. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten: Manche Lieder spielen wir live zusammen ein, um sie hinterher eventuell wieder neu zusammen zu setzen oder aber sie sind genau richtig so. Andere Lieder bekommen ihr Gesicht durch das Arbeiten am Rechner und es kommen auf diesem Weg noch Overdubs hinzu.  Am Ende nehmen wir die Vocals bei uns auf, wobei viel Augenmerk auf den Ausdruck verwendet wird, weil es das ist, was beim Hörer (bei) unserer Musik einfach einen riesigen Prozentsatz ausmacht.  Und das alles landet dann bei mir zum Mixdown. Es gab zur vorletzten Platte die Situation, dass wir mit der kompletten Vorproduktion ins Studio gegangen sind und mit Hilfe von Moses Schneider, seinem Team, sowie Tilman Hopf unserem Livemischer, die Sachen weiter ausgearbeitet haben. Editiert wird dann zum Teil auch von der Band nochmal. Mittlerweile sind wir soweit, das wir equipmentmäßig nicht mehr auf ein Studio angewiesen sind, so dass wir einen Großteil des Recordings schon im Vorfeld machen können.  Als Band entwickelt man sich halt auch produktionstechnisch weiter und dabei ist Cubase ein unglaublich gutes Tool und auch die Basis.

Das letzte Album „Gyp Hop“ ist 2009 erschienen und man könnte meinen, dass es bald neues Material von Euch geben müsste. Wie weit seid ihr?

Wir haben jetzt einen ganzen Sack voll Songs und sind gerade dabei den roten produktionstechnischen Faden hineinzubringen. Das wird noch über den Sommer dauern, aber dann wird es sicherlich rund gehen! Ein konkretes Release haben wir noch nicht, da wir ungern mit der neuen Single von Bryan Adams am selben Tag veröffentlichen wollen. Da gibt’s ja auch so einige marketingtechnische Sachen, die eine Rolle spielen.

Zieht es euch mit neuem Album im Rücken dann auch wieder zurück auf die Bühne? Immerhin sind eure bisherigen Auftritte bei den großen Festivals wie dem Rock am Ring oder Hurricane ja sehr erfolgreich gewesen.
Na aber Hallo!! Wir sind eine Liveband und brauchen den Kontakt zu den Leuten auf Konzerten, das Feedback des Publikums und das Adrenalin! Wir  freuen uns auch schon drauf die neuen Songs den Leuten live und laut um die Ohren zu hauen. 

Ich vermute, dass du auch neben den Ohrbooten dieses Jahr  noch weitere Projekte haben wirst? Kannst du uns dazu schon etwas verraten?
Da ist jede Menge los: Mein „auf-die-fresse-rock-duo“ namens Tshaika wird Konzerte spielen, eine Band namens Okou aus CH/FR/DE die ich sehr mag, wird ihre neue Platte mit mir zusammen aufnehmen, meine eigene Metalband Toxon ist ab und zu unterwegs und ein wirklich guter Kabarettist namens Michael Krebs hat gerade ein paar Tracks mit Band aufgenommen. Dieses Baby will auch auf die Bühne. Auch ein experimentelles Jazztrio ist am Start. Dann kommen immer noch Anfragen für verschiedene Livejobs rein, mittlerweile auch in Norwegen, Frankreich oder Spanien, das ist dann schon ganz geil. Nebenbei arbeite ich auch noch an meinem Konzept für eine DVD und bin Dozent am Drumtrainer Berlin, wo ganz viele geile Trommler auf den „Holzkesseln, die die Welt bedeuten“ ausgebildet werden. Das macht wirklich viel Spaß. Plus natürlich der Anfragen, die über meine Seite reinkommen. Also es gibt schon ein paar Sachen zu tun. Langeweile ist ja auch nichts für Schlagzeuger, die fangen sonst an auf dem Tisch beim Essen zu trommeln und deswegen bin ich immer froh, wenn eine neue Herausforderung vor meiner Nase baumelt.

Vielen Dank für deine Zeit!