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Brotherly und Cubase

Brotherly sind Anna Stubbs und Robin Mullarkey aus London. Die beiden leidenschaftlichen Profi-Musiker verstehen nicht nur ihr Handwerk perfekt, sondern ergänzen sich auch hervorragend. Während Mullarkey mit komplexen Rhythmen und jazzigen Harmonien anspruchsvolle Arrangements baut, schreibt Stubbs Melodie und Texte und verleiht den Brotherly Songs mit ihrer gefühlvollen Stimme die nötige emotionale Tiefe.

Das Debüt Album des Duos „One Sweet Life“ (2007) wurde in vielen Rezensionen mit Lob überhäuft und auch ihre Live-Shows und Kollaborationen mit renommierten Musikern der Londoner Musikszene waren sehr erfolgreich. Die neue Single „Spin Down“, veröffentlicht auf iTunes im März dieses Jahres, lässt auf ein fulminantes neues Album hoffen, das mit Sicherheit wieder für viel Aufsehen sorgen wird.

Steinberg hatte die Gelegenheit mit Robin Mullarkey zu sprechen, der Brotherly komplett mit Cubase produziert.

Wann hat deine musikalische Karriere begonnen?
Ich habe bereits als Kind angefangen, Piano und Cello zu lernen. Mit 15 bekam ich meinen ersten E-Bass und hatte bald darauf meinen ersten Live-Auftritt mit der Folk Band meiner Mutter – vor 1500 Leuten! Das war wohl für alle Beteiligten ziemlich nervenaufreibend. Danach habe ich mit der Band meines Stiefvaters einige Gigs im Nordwesten Englands gespielt. Beide haben mich also sehr darin unterstützt, selbst Musik zu machen. Irgendwann hat mir dann mein Musiklehrer an der Schule erlaubt, den Atari und eine Diskette mit Steinbergs Pro24 während der Sommerferien mit nach Hause zu nehmen. Dazu habe ich mir dann mit meinem gesparten Geld ein Keyboard gekauft und danach wurde alles anders….

Wie hast du Anna kennengelernt und wie kam es zu der Entscheidung, Brotherly zu gründen?
Wir haben uns ein paar Jahre später am Leeds College of Music beim Jazz-Studium kennengelernt. Anna war damals in einer Band, die Soul-Funk-Klassiker gespielt hat (sehr populär in Leeds!) und sich später moderner Dance Music zuwendete. Wir sind einmal zusammen mit einer Live-Band und einem Streichquartett durch Großbritannien getourt und haben Drum’n’Bass und Garage Tracks gespielt. Das hat wirklich Spaß gemacht! Als wir später nach London gezogen sind, wurden wir sehr von der Broken Beat Szene inspiriert. Dieses Genre war für uns sehr spannend, weil wir hier unsere Jazz-Erfahrung mit einem tanzbaren Sound verbinden konnten. Wir gingen viel aus, um Dego oder IG Culture zu hören und kamen immer mit einem Kopf voller Songideen zurück. Zu dieser Zeit haben wir uns dann entschlossen, musikalisch neu anzufangen und Brotherly zu gründen. Es war damals eine wunderbare Szene mit einer großen Offenheit, auch wenn wir uns jetzt etwas davon wegbewegen.

Wie kommt euer extrem vielseitiger Musikstil zustande?
Wir mögen beide die gleiche Musik und die ist sehr facettenreich. Annas Background ist Jazz-Funk und House, meiner dagegen mehr Rock und Fusion. Heute hören wir gerne Flying Lotus, Joni Mitchell, Can, Pepe Bradock, Fleet Foxes, Slum Village, Gorecki und Raymond Scott – eine bunte Mischung also. Eigentlich hören wir alles außer idiotischen Britbands und Gangsta Hip Hop. Der iPod Shuffle auf der Autobahn kann aber manchmal schon etwas anstrengend sein…

Man hört deutlich einen elektronischen Touch in eurer Musik. Woher kommt dieser Einfluss?
So viel Elektronik gibt es in unseren Songs eigentlich gar nicht, sondern hauptsächlich Gesang, Gitarren und Keyboards. Während der Produktion kommen allerdings schon einige elektronische Elemente hinzu. Ich benutze für die Beats gerne meine MPC oder Battery 3 und mit Cubase 5 habe ich jetzt angefangen, mit Groove Agent ONE zu arbeiten. Es ist sehr komfortabel, die Sounds einfach direkt von der MediaBay auf die Pads zu ziehen. Die Synth-Sounds kommen meistens erst später dazu, auch wenn sie langsam ein immer wichtigerer Bestandteil unserer Tracks werden. Wenn ich andere Musiker produziere, wie Mozez oder Natalie Williams, klingt es meistens weitaus elektronischer und ausproduzierter. Bei Brotherly versuchen wir dagegen, einen eher organischen Sound zu erreichen. Ich habe aber vor, Ende des Jahres ein neues Projekt zu starten, das dann mehr in Richtung Glitch/Deep-House gehen wird.

Du bist auch an vielen anderen Projekten beteiligt wie Zero 7 und Roisin Murphy. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ich hatte das Glück, nach einer Empfehlung unseres gemeinsamen Freundes Demus, bei Zero 7 vorspielen zu können. Ich hatte früher in seiner Band Two Banks of Four Double Bass gespielt. Zero 7 haben meine Art Bass zu spielen sehr beeinflusst und meinen musikalischen Horizont stark erweitert. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie jegliche meiner musikalischen Vorurteile ausgemerzt haben.

Später habe ich mit Roisins Produzenten Seiji an der Bugz in the Attic LP gearbeitet und auch mit ihrem MD Eddie Stevens, der mich als  Bassisten/Keyboarder für ihre Band mit ins Boot geholt hat. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Wir haben gerade eine 18-monatige Tour beendet.
Die Ty Europe Tournee war für mich eine große Herausforderung, denn die Band war sehr viel kleiner als sonst und wir wollten die Hip Hop Ästhetik beibehalten, aber zugleich soundtechnisch interessant klingen. 90 Minuten Hip Hop mit Bass, Piano und Drums sind auf Dauer doch etwas eintönig. Ich habe auf der Tour ein MacBook für den Synth-Bass benutzt, mit Cubase als Host und dem Arturia Moog Modular als Klangerzeuger. Hin und wieder habe ich den Synthi gespielt und gleichzeitig Phrasen auf meinem Bass gezupft. Es war eine anstrengende Tour aber am Ende haben wir alle großartig gespielt.

Zurück zu Brotherly: Wie macht ihr beide zusammen Musik?
Das ist ein langer Prozess. Ich halte oft eine musikalische Idee fest und lasse sie dann ein Jahr lang auf meiner Festplatte reifen, bevor ich mir sicher bin, dass es sich lohnt, daran weiter zu arbeiten. Ich versuche immer, etwas Interessantes und Eigenständiges als Ausgangspunkt zu verwenden. Das kann ein Basslauf sein, ein Gitarren-Riff, eine Keyboard-Sequenz oder ein Beat. Ich verwende gerne schräge Rhythmen und Harmonien. Mir ist es egal wie die Zuhörer darauf reagieren, Hauptsache es klingt interessant und ungewöhnlich. Dann arbeite ich daran ein paar Monate bis ich einen groben Entwurf habe, an dem Anna weiterarbeiten kann. Anders als ich, kann sie Melodie und Songtext an einem einzigen Abend schreiben. Ihre Sachen machen immer Sinn und bringen einen gefühlvollen, menschlichen Touch in die Musik. Ich kümmere mich dann um die Feinarbeit und lasse ein paar Freunde kommen, um wichtige Gitarren-/Drum-Parts oder Backing Vocals aufzunehmen. Zum Schluss nehmen wir dann die Lead Vocals auf. Für das neue Album habe ich die Tracks im Flowrider Studio in Amsterdam gemischt – mit Cubase und einer SSL 4056 G+ Konsole.

Wie sieht dein Studio-Setup aus?
Das ist ziemlich einfach, denn die lauten und schwierigen Aufnahmen mache ich im Studio, beispielsweise Schlagzeug, Waldhorn, Streicher, Flügel, laute Gitarren etc. Aber den Bass, die Keyboards, Beats, Vocals und die meisten Gitarren nehme ich bei mir zuhause auf.

Zur Zeit verwende ich einen Mac Desktop Dual-Core 2 GHz mit Cubase 5,  RME Multiface II, Apogee Minime als Clock, Steinberg Midex 8, UA 6176, API Lunchbox mit 2 Purple Biz und 2 API 550B, JMX Airbase, Studio Electronics SE1, Oberheim Matrix1000, Nord Lead 2, Fender Rhodes, Akai MPC2000XL, SH101, NS-10s + Quad Amp, Studer Aktivmonitore, verschiedene akustische und elektrische Gitarren, zahlreiche Bässe und eine Menge Spielzeuge und Effekt-Pedale. Zusammen mit Cubase 5 benutze ich viele PlugIns von Ohmforce und URS, Arturia Moog Modular, Ivory Piano und M-Tron. Als Mikros verwenden wir Soundelux E251, U67s, M147, RE20 und andere.

Warum hast du dich für Cubase entschieden und wie gefällt dir das neue Cubase 5?
Ich arbeite schon seit 20 Jahren mit Cubase und fühle mich damit wirklich sehr wohl. Ich habe schon mit fast allen anderen Sequenzern gearbeitet, aber immer die Features und die einfache Bedienung von Cubase vermisst. Ich finde es auch  – paradoxerweise – weitaus logischer! Ich habe gerade auf Cubase 5 upgedatet und bin immer noch dabei, die neuen Features zu erforschen. Ich will mich auch bald intensiver in die Scoring-Features einarbeiten, da ich vor kurzem bei einem Job für die TV Show  „Don't Forget The Lyrics“ mit Sibelius gearbeitet habe und auch für die Streicher und Hörner brauche ich oft Notationsfunktionen. Es ist natürlich weitaus praktischer, das direkt in meinem Sequenzer machen zu können.

Möchtest du noch abschließend etwas loswerden?
Ich möchte mich für die äußerst nützlichen kreativen Werkzeuge bedanken. Gut gemacht Steinberg!

Vielen Dank für das Interview, Rob. Wir wünschen dir und Anna alles Gute für eure musikalische Zukunft.

Website: www.brotherly-music.com
MySpace: www.myspace.com/brotherly