Steinberg Media Technologies GmbH

Creativity First

Frankenstraße 18 b
20097 Hamburg

Tel: +49 (0)40 210 35-0
Fax: +49 (0)40 210 35-300

Artists Stage Visual

Mastering mit WaveLab

Wenn es darum, geht das Beste aus einem Mix herauszuholen, dann verlassen sich viele deutsche Musikproduzenten, Künstler und Labels auf einen Mann: Hans-Philipp „H-Peh“ Graf − freiberuflicher Mastering-Engineer aus Hamburg. Zu seinen Referenzen gehören einige der erfolgreichsten Musiker Deutschlands wie Jan Delay und Xavier Naidoo, viele bekannte Vertreter der deutschen Hip Hop Szene (u.a. Azad, Kool Savas, Sido, Sammy Deluxe) aber auch Grimme Preis Trägerin Ina Müller, Deutschrock-Legende Klaus Lage, Jazz-Altmeister Herb Geller und viele mehr. Etliche von H-Peh gemasterte Releases haben es in die offiziellen Verkaufs- und Clubcharts geschafft - bis hin zu Nummer-Eins Platzierungen und Edelmetallauszeichnungen. Das perfekte Werkzeug für seine Arbeit hat H-Peh schon seit vielen Jahren gefunden: WaveLab.

H-Peh

Wie bist du zur Musikproduktion und im Speziellen zum Mastering gekommen?
Ich mache eigentlich schon immer Musik und habe z.B. sehr früh angefangen, Gitarre zu spielen. Über meine Begeisterung für den 70er-Jahre-Funk bin ich dann irgendwann zum Hip Hop gekommen und habe angefangen zu rappen. Die "Karriere" war kurz, aber schön und brachte mich mit den wachsenden Möglichkeiten der Musikproduktion am Rechner zusammen. So fing ich an, erste kleine Produktionen am PC zu basteln. Eigentlich wollte ich früher als Produzent durchstarten, aber meine Produktionen fanden leider nicht den erhofften Anklang. Im Gegensatz zu den Produktionen an sich ist aber der Sound meiner Produktionen häufig gelobt worden, und so bekam ich erste Auftragsmischungen und -masterings. Die tontechnische Seite hat mich dann mehr und mehr interessiert und deshalb landete ich an der SAE. Danach habe ich an der Universität Lüneburg "Angewandte Kulturwissenschaften" mit Musik im Hauptfach studiert und war begeistert, als ich das gut ausgestattete Tonstudio der Uni entdeckt habe. Dieses baute ich mit einigen Kommilitonen weiter aus, übernahm die Tonstudiobetreuung und gab Seminare in Sequenzing für Cubase und Logic, sowie in Tonstudiotechnik und Tonstudiopraxis. Nach dem Abschluss des Studiums versuchte ich mich noch ein bisschen weiter im angestrebten Produzentendasein, gab das aber mit zunehmenden Aufträgen im Engineering-Bereich auf und fokussiere mich nun schon seit einigen Jahren ausschließlich auf das Mastering. Trotzdem bin ich froh, neben dem tontechnischen auch den musikalischen Background zu haben.

Welche Projekte hast du in letzter Zeit gemastert und was sind deine wichtigsten Referenzen?
Grundsätzlich geht es bei mir stilistisch querbeet, was mir auch sehr gut gefällt. Im Mastering kann man sich ja zum Glück sehr schnell in die unterschiedlichsten Genres einhören. Bislang habe ich in dem noch recht jungen Jahr 2010 u.a. neue Releases von Xavier Naidoo, Jan Delay, Glashaus, Samy Deluxe und Kool Savas gemastert. Was meine wichtigsten Referenzen sind, kann ich selbst nicht beurteilen - für einen Jazz-Künstler, der zu mir kommt, ist ein von mir gemastertes Jazz-Album natürlich interessanter und somit wichtiger als eine von mir gemasterte Major-Pop-Produktion mit Charterfolg. Ich persönlich freue mich über jede Zusammenarbeit, die mir musikalisch und menschlich Spaß macht und bei der mich am Ende ein zufriedener Kunde verlässt und hoffentlich wiederkommt. Gerade die langfristigen Beziehungen, die man zu vielen Produzenten, Künstlern, Mix-Engineers und Labels aufgebaut hat, sind wichtig und für alle Beteiligten sinnvoll.

Studio

Du masterst für einige große Namen der deutschen Musikszene. Wie bist du zu diesen Aufträgen gekommen?
Das ist wie überall die Kombination aus Kontakten, Glück und der Tatsache, dass ich mit meinen Masterings scheinbar den Geschmack einiger Leute getroffen habe. So konnte ich mich in Shootouts auf nationaler und auch internationaler Ebene durchsetzen, was sich natürlich rumspricht. Weiterhin ist es wichtig, am Ball zu bleiben, Kontakte zu knüpfen, sich und die eigene Arbeitsweise auch mal kritisch zu hinterfragen, neue Techniken und Geräte auszuprobieren, und nicht all zu sehr in Routine zu verfallen. Das ist ein ständiger Prozess...

Zu deinen Kunden gehören ja Künstler unterschiedlicher Genres. Gibt es da Unterschiede beim Mastering? Gehst du an einen Pop-Song anders ran als an einen Hip Hop Track oder macht das für deine Arbeitsweise keinen großen Unterschied?
Die Arbeitsweise an sich ist natürlich ähnlich. Ein HipHop- und ein Pop-Song werden im Regelfall mit Kompressor, EQ, Limiter etc bearbeitet. Natürlich hat jedes Genre etwas andere Grundcharakteristiken, die man, wenn der Kunde es wünscht, natürlich auch mal etwas aufbrechen darf... Grundsätzlich tendiere ich aber z.B. dazu, handgemachte, akustische Musik nicht so platt zu quetschen wie Hip Hop oder Punk. Und natürlich sieht das Frequenzbild meist etwas anders aus. Aber das sind alles Entscheidungen, in die ich denjenigen, der die Masters am Ende freigibt - also den Produzent, Künstler oder Label - gerne mit einbeziehe.

Kommen die Kunden denn überhaupt mit klaren Vorstellungen und wollen in den Prozess einbezogen werden oder lassen Sie dich eher vertrauensvoll machen?
Teils, teils. Ein Jan Delay hat beispielsweise sehr genaue Vorstellungen, von dem was er am Ende hören möchte und ist dabei sehr perfektionistisch - da geht's dann wirklich um 0,5db Schritte. Andere wiederum wissen überhaupt nicht, was sie wollen und lassen mir komplett freie Hand. Und einige denken leider nur, dass sie sehr genau wüssten was sie wollen. Ich bekomme dann vermeintlich klare Ansagen und präzise Wunschvorstellungen inklusive Referenztracks, halte mich im Rahmen der Möglichkeiten des Mixes daran und nachdem alles fertig ist, ist es plötzlich doch gar nicht mehr die Richtung, in die es gehen soll. Dann mache ich meist einen zweiten Anlauf, bei dem ich sämtliche Vorgaben vergesse und nach meinem Geschmack mastere. So nähert man sich dann an. Es kann sich teilweise etwas hinziehen, bis man den Geschmack trifft - und es kann auch sehr schnell gehen. Mit Soundvorstellungen ist es nun mal genau wie mit dem Musikgeschmack - es ist alles subjektiv. Was für den einen extrem viele Höhen sind, klingt für den anderen noch komplett muffig. Was für den einen brutal komprimiert klingt, ist für den nächsten noch viel zu dynamisch. Gerade wenn man mit neuen Leuten arbeitet, geht es darum, diese ganz grundlegenden Soundvorstellungen kennen zu lernen. Daher stehe ich den Shootouts eigentlich kritisch gegenüber. Ein gutes Mastering entsteht in erster Linie durch gute Kommunikation in entspannter Atmosphäre, in der man gemeinsam ein Klangbild erarbeiten kann.

Kannst du kurz beschreiben, was deine Hauptaufgaben beim Mastering sind und für welche dieser Aufgaben du WaveLab einsetzt?
Die Hauptaufgaben im Mastering sind die Klangbearbeitung, das Zusammenfügen der Songs zu einem Album inklusive ISRC-Codes und CD-Text-Angaben und das fehlerfreie Anliefern der Session für die Vervielfältigung. Da ich im Mastering meist komplett in WaveLab arbeite und das Programm während des gesamten Mastering-Vorgangs nicht verlasse, setzte ich WaveLab für alle diese Aufgaben ein. Nur wenn es um komplexere Bus-Masterings geht oder ich viel automatisieren muss, arbeite ich für die Klangbearbeitung in Cubase.

Warum hast du dich für WaveLab entschieden? Warum eignet sich speziell WaveLab gut für das Mastern?
Damals kannte ich außer WaveLab gar keine anderen Mastering-Programme und ich bin bis auf ein paar Kleinigkeiten nach wie vor sehr zufrieden mit WaveLab. Es läuft sehr stabil und kann alles was ich fürs Mastering können muß. Mit der Cubetec DDP Solution steht für WaveLab außerdem ein absolut zuverlässiges Tool für die Anlieferung der Session ans Presswerk zur Verfügung, das ich sehr viel nutze.

Was benutzt du außer WaveLab noch zum Mastern? Kommt bei dir noch viel Outboard-Equipment zum Einsatz oder arbeitest du mit PlugIns?
Bis auf Limiting, substraktives EQing und einige Specials wie M/S-Bearbeitung etc. arbeite ich analog. Der Chandler Curve Bender und ein von Fred Forsell modifizierter NSEQ-2 sind dabei zur Zeit die analogen EQs meiner Wahl. Als Kompressoren setze ich den Vertigo VSC-2 und den Drawmer S3 ein. Für die AD/DA-Wandlung der Analogkette ist der Crane Song HEDD192 zuständig. Mein Abhörwandler ist der Dangerous DAC. Dangerous kommt in Form von dem Dangerous ST auch als Monitorcontroller zum Einsatz. Meine Abhörmonitore sind die Barefoot MM27. Im digitalen Bereich arbeite ich mit dem Algorithmix RedEQ, sowie Plugins von UAD, URS, Sonnox und Voxengo.

Was sind die häufigsten Fehler in den Mixen, die du geliefert bekommst bzw. wo ist der meiste Optimierungsbedarf?

Grundsätzlich ist weniger oft mehr, d.h. mir ist es lieber, wenn beispielsweise im Bass-Bereich, Höhen-Bereich und natürlich auch in der Dynamik noch etwas Spielraum ist. Wichtig ist, dass die Levels der einzelnen Spuren stimmen, eine gewisse Tiefe und Breite vorhanden ist, sofern der Mix tief und breit klingen soll und dass der Mix in sich homogen ist. Kritisch ist es z.b. wenn der gesamte Mix sehr höhenarm ist, aber die HiHats oder S-Laute viel zu stark rauskommen und zu präsent sind. Oder der ganze Mix kaum Bass hat, aber ein Instrument permanent bei 100Hz vor sich hin wummert. Das sind Dinge, die man im Mastering nur schwer in den Griff bekommt und wo ein Remix meist die bessere und auch nötige Variante ist. Auf jeden Fall sollte auf Limiting und Clipping auf der Stereosumme verzichtet werden, denn das schränkt die Möglichkeiten im Mastering einfach zu sehr ein.

Studio

Hast du Tipps für Homerecodler, die das Mastering Ihrer Tracks selbst machen möchten/müssen?
Man sollte in erster Linie genügend Zeit zwischen Mix und Mastering vergehen lassen und zwischendurch viel Referenzmaterial hören. Wenn derselbe Mensch für Mix und Mastering zuständig ist, sollte das Mastering außerdem so wenig wie möglich machen müssen und 95% des Sounds im Mixing entstehen. Viele Dinge, die einem dann im Mastering unangenehm auffallen, sollte man lieber gezielt im Mix angehen, so dass fürs Mastering im Idealfall nur noch kosmetische Verschönerungen und das zum Song und Mix passende "Laut machen" bleiben.

Eines der meistdiskutierten Themen im Bereich Mastering ist ja aktuell der sogenannte „Loudness War“. Wie stehst du zu dem Thema?
Als Mastering-Engineer freut man sich natürlich über Kunden, die einem explizit sagen: "Bitte mach es nicht so laut, sondern lass es dynamisch". Das passiert im Moment sogar wieder häufiger. Oft demonstriere ich den Künstlern auch einfach, wie das Master leiser, mit mehr Dynamik klingt und was alles verloren gehen kann, wenn man es auf Krampf laut prügelt. Da entscheiden sich viele dann auch für die leisere, dynamischere Variante. Ich persönlich halte allerdings nichts von Initiativen, die einem vorschreiben, wie laut und mit welchem Pegel man ein Master fahren "darf". Lautheit kann man nicht ausschließlich am RMS-Pegel festmachen. Eine sehr bassige Produktion hat z.b. grundsätzlich mehr Energie und einen höheren RMS-Pegel als eine gleichlaute, bassärmere Version. Da sagt der gemessene RMS-Wert nicht viel aus. Außerdem gibt es Mixes, die man auf elegante Art und Weise sehr laut machen kann und die laut trotzdem noch gut klingen. Warum sollte man die dann nicht laut machen und sich an von Dritten ausgedachten Zahlen aufhängen? Das macht für mich keinen Sinn und ich denke auch nicht, dass sich diese Versuche durchsetzen werden. Natürlich sollten wir als Mastering-Engineers die Kunden auf das Thema hinweisen und sie informieren, sofern sie nicht eh schon für die Thematik sensibilisiert sind. Denn für die meisten Profis ist das Thema ja nichts Neues, und man darf ihnen als mündige Teilnehmer der Musikindustrie die Entscheidungsfindung über die Lautheit ihrer Produktion durchaus selbst zutrauen. Am Ende soll bei mir jeder ein Master in der Lautheit bekommen, die er für seine Produktion für richtig hält - auch wenn ich manchmal eine andere Meinung habe als der Kunde und ihm diese natürlich auch vermittle. Aber Lautheit ist, wie vieles andere in der Musik, eben sehr subjektiv. Und ich hoffe inständig, dass die Diskussion über dieses Thema langsam ein Ende findet. Es gibt so viel Wichtigeres…

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Mehr Informationen zu H-Peh Mastering finden Sie unter www.facebook.com/hpmastering und www.h-peh.de.

Fotos: tristanladwein.com