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Cubase beim Eurovision Song Contest 2013

Von Frederick Norén

Der Eurovison Song Contest 2013 fand in Malmö statt – der drittgrößten Stadt in Schweden. Gastgeber war die Swedish Broadcasting Corporation und als Veranstaltungsort wurde die Malmö Arena gewählt, eine top-moderne Veranstaltungshalle, die erst vor kurzem fertig gestellt wurde. Nur 30 Minuten von Kopenhagen entfernt, war dies der perfekte Schauplatz für den musikalischen Wettkampf der europäischen Länder. Um dieses gigantische Medienevent auf die Beine zu stellen war ein riesiges Team aus spezialisierten Firmen und Freelancer mehrere Monate beschäftigt. 170 Millionen Menschen sahen die Live-Übertragung der zwei Halbfinal-Shows und das gigantische Finale. Unabhängig von musikalischen Vorlieben war der der Contest ein voller audio-visueller Erfolg, bei dem 39 Länder die Möglichkeit hatten, Ihre besten Musikacts zu präsentieren. 

Relativ neu in Malmö, wohne ich ungefähr 5 Minuten Fahrt von der Malmö Arena entfernt und hatte die Möglichkeit, den ESC während der Proben zu besuchen. Zu verdanken hatte ich dies einem alten Freund und Kollegen, Peter Degerfeldt, mit dem ich vor mehr als 15 Jahren zusammen Audio Engineering an der Universität studiert habe. Auch wenn die Zeit seitdem wie im Flug vergangen ist, haben wir immer Kontakt gehalten.

Peters ESC Ausweis

Peter, erzähl uns doch bitte wofür du bei der Show verantwortlich bist?
Ich bin verantwortlich für das Musikplayback während der Show. Momentan proben wir die Performance für jedes einzelne Land, um sicherzustellen, dass alles wie ein Uhrwerk funktioniert.

Wie sehen deine Vorbereitungen für die Show aus?
Ich habe die Musik in einem vordefinierten Timecode Schema vorbereitet, in Zusammenarbeit mit dem Music Supervisor und dem Music Mixing Engineer. Das wurde bereits vor über einem Monat gemacht, hauptsächlich damit die Licht- und Video-Regisseure etwas hatten, mit dem sie arbeiten konnten. Jeden Song eine spezifische Timecode Startposition zuzuordnen, ist essentiell für eine Show dieser Größenordnung. Natürlich haben die Wettbewerbsteilnehmer die Möglichkeit, Ihre Playbacks – im Rahmen der Contest Regeln – noch zu ändern, wovon rege gebraucht gemacht wurde. So hatte ich viel damit zu tun, neue Sound-Files zu importieren, sobald die Künstler auftauchten.

Was sind die Vorgaben für die Musikdateien?
Der Song muss eine Originalkomposition sein, nicht länger als drei Minuten dauern und den obligatorischen Tonartwechsel enthalten [lacht]. Nein, nur Spaß. Jeder Wettbewerbsteilnehmer hat die Möglichkeit, uns entweder einen Stereo-Mix oder bis zu neun Stereo-Spuren der Mischung zu liefern – natürlich ohne Gesangsspuren, auch Backing Vocals sind streng verboten. Unsere Empfehlung sind einzelne Stems, da wir die Songs so besser für die Übertragung vorbereiten können und sich die Live Vocals leichter einmischen lassen. Fakt ist, dass die meisten Zuschauer die Show durch die Lautsprecher Ihres Fernsehers hören und das muss bei der Mischung berücksichtigt werden. Ich habe einige der vorgemischten Stereo-Mixe mit den Mixen verglichen, die wir selbst gemischt haben und das Ergebnis ist soviel besser. Etwa ein Drittel der Wettbewerbsteilnehmer hat uns Stems geschickt, die anderen Stereo-Mixe. Der Music Director hat die Teilnehmer explizit darauf hingewiesen, dass hart limitiertes Material nicht akzeptiert wird.

Gab es Produktionen, die zurückgesandt wurden für ein Re-Mastering mit geringerem RMS-Level?
Ja! Sagen wir einfach, dass jetzt jeder mit der Musik zufrieden ist.

Wie sieht dein Setup aus?
Ich verwende Cubase 7 auf zwei Mac Computern und beide Programme werden simultan von einem eigens angefertigten USB Remote Controller mit Play- und Stop-Buttons gestartet. Die 24 analogen Ausgänge jedes Computers sind mit drei Radial SW8 Auto-Umschaltern verbunden. Wenn die Wiedergabe bei einem Computer ausfällt, wird automatisch auf den zweiten Computer umgeschaltet. Ich habe Cubase bereits für zahlreiche große TV-Shows verwendet und vertraue der Software voll, aber bei Computern ist man nie ganz sicher – ein Backup-System, dass in Sync läuft ist absolut essentiell Bislang habe ich noch nie den Computer umschalten müssen – auf Holz klopf.

Musik-Playback mit Cubase 7 auf zwei Mac Computer

Was denkst du über Cubase 7?
Um ehrlich zu sein, bin ich noch gar nicht dazu gekommen, alle neuen Features zu testen. Ich bin immer noch dabei mich an den neuen Mixer zu gewöhnen, aber die Möglichkeit, Kanäle zu verstecken gefällt mir sehr. Manchmal muss ich schnell während der Show etwas editieren und Cubase hat mich noch nie im Stich gelassen. Bei Live TV Shows muss das Setup so einfach wie möglich sein. Daher verwende ich keine PlugIns außer dem SMTPE-Generator und einem Tone-Generator für die Radial Hardware. Das Projekt, mit dem ich aktuell arbeite, ist tatsächlich weitaus einfacher als das große Projekt, das ich letztes Jahr beim Finale von Swedish Idol verwendet habe. Letzteres bestand aus mehreren Hundert Spuren. Wenn ich mir neue Features wünschen dürfte, wäre dies eine Play Lock Funktion, die den User dazu zwingt, die Stop-Taste zweimal zu bestätigen, um versehentliche Show-Stopper zu verhindern. Ein anderes Feature, dass ich gerne in Cubase hätte, wäre eine einfache Möglichkeit, um zwei Mono-Dateien zu einer Stereo-Datei zu kombinieren.

Ich weiß, dass du im Studio eine andere DAW verwendest, aber für den Live-Einsatz setzt du voll auf Cubase, richtig?
Wenn man auf Play drückt und darauf eine Meldung „Festplatte zu langsam‟ bekommt, ist das keine Option für eine Live-Show. Je nachdem mit welchem Künstler ich gerade zusammenarbeite, verwende ich verschiedene DAWs im Studio, aber für große TV-Shows wie Swedish Idol, X-Factor oder jetzt den ESC, ist Cubase meine erste Wahl. Das hängt hauptsächlich mit dem Music Director und Mixing Engineer zusammen – er verwendet in seiner täglichen Arbeit Nuendo für Stereo- als auch für Surround-Mischungen. Es ist sehr praktisch, dass ich seine Nuendo Projekte problemlos in Cubase importieren kann – und es schmerzt auch nicht, dass Cubase so intuitiv zu bedienen ist. Das SMPTE-Generator PlugIn ist essentiell wenn ich Timecode an die anderen Technik-Teams senden muss und macht externe Hardware-Synchronisation überflüssig.

Technisch gesehen ist Cubase der Dirigent dieser Show, denn wenn der Timecode nicht an den Rest der Crew übermittelt wird, startet gar nichts – kein Licht, kein Video und kein Sound.

Cubase Projekt

Denkst du darüber nach, Cubase auch für deine Studio-Produktionen einzusetzen?
Was die Musikproduktion betrifft bin ich sehr altmodisch und an die Arbeit mit meiner DAW gewöhnt. Aber die ganzen Live-Projekte, die ich für Künstler und TV-Shows gemacht habe, haben mich dazu gebracht, Cubase zu verwenden und ich lerne die technischen und kreativen Möglichkeiten der Steinberg DAW immer mehr zu schätzen. An der Zuverlässigkeit der Playback Engine besteht kein Zweifel und mit der Version 7 soll die Stabilität nochmals verbessert worden sein. Es ist sehr praktisch, wenn ich die Musik für die Live-Shows bereits im Vorfeld laden und vorbereiten kann und ich muss zugeben, dass Cubase hier eine perfekter Begleiter ist.

Als ich die Proben verlasse und zurück in mein Studio fahre, muss ich daran denken, dass die Grand Prix Beiträge früher von einem Orchester mit einem richtigen Dirigenten begleitet wurden. Nun ja, die Dinge ändern sich…

Besuchen Sie www.eurovision.tv für weitere Informationen zum Eurovision Song Contest.
Nähere Infos zum Autor befinden sich auf www.ninja.se.

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