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Subway to Sally

Subway To Sally: Interview mit Drummer Simon Michael

20. März 2014, von Eckhard Doll

Am 14. März erschien „Mitgift“, das mittlerweile zwölfte Studioalbum der Band aus Potsdam. Gestartet als Mittelalter-Rockband, ist Subway To Sally bereits seit mehr als 20 Jahren ein wichtiger Teil der Szene und auch darüber hinaus bekannt. Top Ten Chart-Platzierungen und der Sieg beim Bundesvision Song Contest haben der Band ein großes Publikum erschlossen. Ein Teil des Erfolgsrezepts ist sicherlich die Offenheit gegenüber anderen musikalischen Richtungen. So finden sich Elemente aus so unterschiedlichen Genres wie Metal, Elektronik und neuerdings auch Dubstep in der Musik wieder, die dem unverwechselbaren Stil der Band bisher immer neue Facetten hinzufügen konnten.

Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Simon Michael über die Entstehung des neuen Albums zu unterhalten.

Simon, du wurdest 2005 Schlagzeuger der Band, nachdem du ganz klassisch vorgespielt hattest. Kanntest du Subway To Sally bereits davor? Was hatte dich dazu bewogen, es zu versuchen?

Ich kannte von Subway To Sally das Album „Bannkreis“. Das habe ich als junger Mensch rauf- und runtergehört. Tatsächlich war diese Scheibe stilprägend für mich als Musiker. Keine Ahnung, warum ich mit den anderen Alben der Band nie in Berührung kam, aber das kannte ich quasi auswendig. Als ich hörte, dass sie einen Drummer suchen, habe ich mich beworben. Ich wollte einfach mal bei einer großen Band vorspielen. Dass sie mich wirklich nehmen, hätte ich nie für möglich gehalten. Der Rest kam dann so, wie es kam.

Mittlerweile bist du ein wichtiger Teil der Band und trägst viel zu den neuen Produktionen bei. Vermutlich ist dein breites musiktheoretisches Wissen und deine Fähigkeit, neben dem Schlagzeug auch Klavier spielen zu können, in einer Band wie Subway To Sally sehr hilfreich?

Absolut. Es ist nicht nur für mich bei Subway To Sally wichtig, sondern in meinem gesamten Berufsleben. Ich habe schon immer Songs geschrieben. Im Lauf der Jahre kam noch ein bisschen Gesang, ein wenig Gitarre dazu und so Zeug wie Harmonielehre, Arrangement und so weiter. Mittlerweile produziere ich viel im Alleingang. Ich kann allen jungen Musikern da draußen nur empfehlen: Lernt, so lange ihr die Zeit dazu habt! Besorgt euch Bücher, nehmt Unterricht und beschränkt euch nicht auf ein Instrument.

Studio Setup


Simon in seinem Studio
Simon in seinem Studio

Lernt, so lange ihr die Zeit dazu habt! Besorgt euch Bücher, nehmt Unterricht und beschränkt euch nicht auf ein Instrument.

Schon im Vorfeld des „Mitgift“ Releases wurden die Dubstep-Parts von einigen Fans hitzig diskutiert. Meiner Meinung nach ist euch ein ausgesprochen homogenes und spannendes Album gelungen – nicht zuletzt aufgrund dieser Einflüsse. Wie kam es nach dem letzten recht traditionellen Album nun zu dieser erneuten Kurskorrektur?

Nach 20 Jahren Bandgeschichte und elf Studioalben sucht man einfach nach neuen Dingen, die einen inspirieren. Ganz ehrlich: Heavy Metal und besonders Mittelalter-Rock sind kreativ ziemlich ausgeschöpft. Wir haben einfach nach neuen Sounds gesucht, die uns selbst zum Songschreiben animieren und die einfach gut zu unserer Musik und unserem Instrumentarium passen. Ich finde das auch gar nicht abwegig. Ethnoinstrumente, verzerrte Gitarren und harte Elektrosounds sind sich gar nicht so unähnlich.

Seit einigen Jahren kannst du in deinem eigenen „Great Hall Studio“ arbeiten und produzierst auch viel für Subway To Sally. Vor einiger Zeit kam dann deine Entscheidung, auf Cubase zu wechseln. Was waren die Gründe für den Wechsel?

Ich habe lange mit einem Konkurrenzprodukt gearbeitet. Ich war allerdings dermaßen genervt von dessen Instabilität, dass ich auf etwas anderes umsteigen wollte und musste. Schließlich zeichnete es sich ab, dass ich mehr im Studio als auf der Bühne arbeiten werde. Oli von „Letzte Instanz“ erzählte mir dann von Cubase. Zugegeben, wenn man jahrelang auf einer anderen Plattform arbeitet, fällt der Umstieg erstmal schwer, mittlerweile kenne ich Cubase aber in- und auswendig und könnte nicht mehr drauf verzichten.

Wieviel der Produktion zum neuen Album „Mitgift“ entstand in Cubase?

Mein Studio und damit mein Cubase war die Zentrale, hier liefen alle Spuren zusammen und hier haben wir auch gemischt. Direkt im Great Hall haben wir die Drums, die Gitarren, den Gesang und die Strings aufgenommen, also etwa 80% der gesamten Produktion. Ich habe viele Features von Cubase genutzt, die der Ottonormalverbraucher vielleicht nicht benutzt oder nicht kennt. Wir haben beispielsweise ziemlich fette Streicher-Arrangements. Diese habe ich früher mit Vienna Instruments gesetzt und danach haben wir noch ca. 60 Spuren mit echter Geige und Viola drüber aufgenommen. Dieses Mal haben wir mit den echten Strings angefangen und die Audiowarp-Funktionen genutzt, um Wave-to-Midi zu machen - damit haben wir dann wiederum die Vienna Instruments gefüttert. Das hat reibungslos funktioniert. Man kann quasi sagen, dass Frau Schmitt, unsere Geigerin, somit auch die Samplestrings gespielt hat. Ich könnte stundenlang erzählen, welche Funktionen wir wo benutzt haben, das würde aber hier den Rahmen sprengen.

Wie sieht dein DAW-Setup im Studio aus? 

Ich arbeite mit einem Windows Rechner, bitte frag nicht mit welchem, ich hab keine Ahnung davon. Meine Aufnahmen mache ich mit einem RME Fireface 800, verschiedenen Preamps und Wandlern. Ich habe kein Mischpult, ich mische „in the box“, zumal ich fast immer ein wenig analoges Outboard einbinde. In Cubase verwende ich verschiedenste VST-Instrumente und Sampler, auch ziemlich viel Steinberg Zeug - beispielsweise Dark Planet - oder mal den einen oder anderen Loop aus den Sample-Soundsets. Zum Mischen nehme ich meistens UAD Plugins. Es gibt aber auch viele Steinberg-PlugIns, die ich grundsätzlich verwende, z.B. die Delays, den Channel-EQ, den Kompressor, wenn ich Sidechain komprimiere, den Stereoenhancer...wenn ich so recht nachdenke, verwende ich sogar recht viele Cubase  Effekte. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich viel zu wenig mit den Channelstrip-Modulen arbeite, die es seit Version 7 gibt. Bisher fehlt mir tatsächlich die Zeit, das mal anständig zu checken.



Mittlerweile kenne ich Cubase in- und auswendig und könnte nicht mehr drauf verzichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Studio und damit mein Cubase war die Zentrale bei der Produktion des neuen Albums. Hier liefen alle Spuren zusammen und hier haben wir auch gemischt.

Subway to Sally live
Subway to Sally live

Wie gestaltet sich die Arbeit mit den anderen Bandmitgliedern? Werden die Songs zusammen komponiert und schickt ihr viel Material online hin und her?

Nun, im Grunde haben wir auf dieser Platte nicht viel zusammen geschrieben. Die thematische Vorgabe - es ist ja ein Konzeptalbum - hat das Songwriting nicht grade einfach gemacht. Eine Menge Arrangements hat Ingo [Hampf – Gitarre] erst während der Schlagzeugaufnahmen zusammengeschoben. Ich hatte das Glück, dass dieses Mal die Chorstimmen auch in Cubase aufgenommen wurden, aber in einem anderen Studio. Da konnten wir einfach Track-Archive austauschen und ich musste nichts neu routen oder umbenennen. Das hat enorm Zeit gespart!

Einige der neuen Songs werden sich live in der aktuellen Besetzung nur schwer ohne Samples umsetzen lassen. Nutzt ihr Cubase auch auf der Bühne, um Samples und Playbacks zu triggern? 

Nein, wir haben früher mal für die Einspieler einen Rechner auf der Bühne gehabt. Bei unserem Pyro-Alarm allerdings hat das Teil regelmäßig die Grätsche gemacht. Deshalb fahren wir unsere Tracks mittlerweile per HD- oder Flashkartenrecorder ab. Darauf sind jeweils eine Stereospur mit Chorstimmen, eine mit Orchester und eine mit Loops und Effekten. Es gibt dann noch einen Klick-Track für mich und eine Spur Timecode für Pyroeffekte. Die Tracks dienen der Unterstützung. Prinzipiell achten wir darauf, dass wir im Notfall auch ohne Tracks spielen können. Live ist Live und das soll so auch bleiben.

Subway to Sally Video
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Nach den sehr erfolgreichen letzten Releases mit ausgedehnten Touren in Deutschland und im Ausland sind auch für „Mitgift“ schon die ersten Termine im April und Mai angesetzt. Wie bringst du das Touring mit Subway to Sally und deine anderen Projekte unter einen Hut?

Das ist mitunter gar nicht einfach. Ich habe im Studio noch meinen Kollegen Tim, der aushilft, wenn es bei mir eng wird. Viel kann ich mittlerweile auch unterwegs machen, oft nehme ich mir Spuren aus dem Studio mit und editiere sie dann auf Tour. Es ist schlicht so, dass die Band Priorität hat, alles andere, wie mein Studio, muss sich hinten anstellen. Es gibt Musiker, die lange in den Tag schlafen und halt das Rock'n'Roller-Leben genießen. Ich bin gar nicht der Typ dazu, ich brauche Beschäftigung, wenn ich nicht auf Tour bin. Von daher ist alles gut so, wie es aktuell ist.

Gibt es ein Feature, das du gerne in Cubase sehen würdest?

Oh, da gibt’s ein paar Dinge, ja. Das sind aber alles Kleinigkeiten. Z.B. würde ich mir wünschen, dass sich bei Track-Presets auch die Eingangskanalbelegung speichern lässt. Oder dass sich der Threshold bei den Hitpoints nicht nur global für den gesamten Audioclip, sondern bereichsweise verändern lässt. Zumal ich gar nicht weiß, wie das in der neuesten Version ist. Cubase 7.5 habe ich erst gestern zunächst auf meinem Laptop installiert, im Studio erst, wenn ich alle Projekte abgeschlossen habe, an denen ich gerade arbeite. Ich habe gesehen, dass sich nun Spuren ausblenden lassen - das ist etwas, dass ich mir schon lange wünsche und mich deshalb sehr darüber freue!

Besuchen Sie die Website von Simon unter www.simon-m.com.

Offizielle Band Website: www.subwaytosally.com