Tony Doogan: Erfolgsproduzent der schottischen Indie-Szene
Der schottische Produzent Tony Doogan ist einer der kreativen Kräfte hinter der Independent Musikbewegung Glasgows. Neben seiner langjährigen Zusammenarbeit mit schottischen Indie-Legenden wie Mogwai, The Delgados und Belle & Sebastian war Tony auch an der Produktion des 2007er Erfolgsalbums von Dirty Pretty Things beteiligt. Sein jüngstes Projekt ist das mit Spannung erwartete 2. Album der Indie Newcomer The Young Knives, das Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Für uns nahm sich Tony eine Auszeit von seinen Produktionen im Castle of Doom Studio in Glasgow und erzählte uns von seiner Arbeit mit Cubase, seinen Vorlieben für alte Neil Young Platten und seinen Bedenken, seine geliebte analoge Hardware in den Ruhestand zu schicken.
Tony, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen. Was waren deine ersten musikalischen Erfahrungen? Hast du in Bands gespielt bevor du deine Recording Karriere gestartet hast?
Ich habe früher in Schulbands gespielt. Ein starkes Interesse an Musik hatte ich schon immer.
Wann hast du angefangen, dich für Recording, Engineering und die Produktionstechnik von Musik zu interessieren?
Das begann an als ich 14 war. Damals fanden bei uns verschiedene Vorführungen von Laienspielgruppen in der Kirche statt, bei denen ich dem PA-Mann geholfen habe. Dadurch fing ich an, mich für Sound zu interessieren. Ich ging aufs College und habe mehr darüber gelernt und bekam schließlich einen Job als „Tape Op“ in einem Glasgower Studio.Von da an entwickelte es sich dann weiter.
Du bist für den Sound von Alben verantwortlich, die maßgeblich dazu beitrugen, dass sich Glasgow zu einer der wichtigsten europäischen Städte der Independent Musik entwickelte. Ist es wichtig für dich, mit schottischen Bands und Musikern zu arbeiten?
Ja, diese Bands waren es, denen ich meine Karriere als Produzent zu verdanken habe. Ich hatte ziemlich Glück, dass ich die Alben dieser schottischen Bands produzieren durfte.
Du hast mit Indie-Legende Dave Fridmann zusammengearbeitet, zu dessen Credits Bands wie Flaming Lips, Mercury Rev, Jane’s Addiction, Sparklehouse und Low zählen. Hat dich die Zusammenarbeit beeinflusst?
Ich habe Dave vor langer Zeit bei der Arbeit an The Delgados „The Great Eastern“ kennengelernt. Seitdem sind wir befreundet und machen gelegentlich einige Projekte zusammen. Er brachte mich damals dazu, mehr darüber nachzudenken, was ich tue und den Produktionen meine akustische Signatur zu verpassen. Er hat mich auch meinem Manager vorgestellt, was eine großartige Hilfe für mich war.
Was sind deine persönlichen Lieblingsplatten?
Ich mag eine Menge Sachen, aber wenn man mich nach meinen Lieblingsplatten fragt, würde ich wahrscheinlich Neil Youngs erste Alben nennen. Ich liebe auch Stina Nordestans Platten. Ihre Stimme haut mich immer wieder um. Und dann ist da noch das ganze Prog Zeug. Großartig!
Gibt es bestimmte Platten, die du hinsichtlich der Produktionsqualität bewunderst und die dich als Produzenten beeinflusst haben? Welche Alben hättest du selbst gerne produziert?
Ich wünsche mir nicht wirklich, dass ich bestimmte Platten selbst produziert hätte, denn dann würden sie anders klingen. Vielleicht schlechter, vielleicht besser. Ich mag die Sachen für das, was sie sind. Ich denke, als ich The Soft Bulletin [von Flaming Lips] gehört habe, bin ich schon nachdenklich geworden. Es ist einfach irre. Einige Sachen von Trent Reznor sind auch fantastisch.
Stimmt es, dass du ein großer Grateful Dead Fan bist?
Ja, aber nur rein musikalisch.
Produzenten können ihre kreative Rolle unterschiedlich definieren. Wie sieht es bei deinen Produktionen aus? Wie viel Einfluss auf die Songs und den spezifischen Sound des Albums sollte ein Produzent haben?
Die Songs zu beeinflussen ist sehr wichtig. Viele Bands kommen nur mit dem Grundgerüst eines Songs aus dem Proberaum. Oft fehlen Hooks, Harmonien, der Aufbau ist zu langatmig usw. Da muss man dran arbeiten, denn heute muss man die Leute schon in den ersten 12 Sekunden eines Songs mitreißen. Akustisch versuche ich, einen etwas unkonventionelleren Sound zu erreichen, aber immer abgestimmt zu dem, was die Band darstellt. Ich denke nicht, dass ich jemals eine Platte gemacht habe, die nach Tony Doogan klingt, aber hoffentlich habe ich viele Platten gemacht, die sich die Künstler gewünscht haben.
Du hast auch an verschiedenen Soundtracks gearbeitet, sowohl als Produzent als auch als Komponist. Ist deine Vorgehensweise bei einem Soundtrack anders als bei einem Album?
Nicht wirklich. Es ist vielleicht technisch etwas anspruchsvoller, zu einer Timeline zu arbeiten und dennoch einen gut klingenden Song zu erstellen, aber andererseits helfen einem die Bilder auch sehr. Filmmusik zu machen kann sehr viel einfacher sein, als einen Stand-Alone-Song zu produzieren.
Was hat dich dazu bewegt, mit Cubase zu arbeiten?
Cubase war das erste Computer-Programm, das ich überhaupt je gelernt habe, mal abgesehen von Basic auf dem ZX81. Wir haben es damals im Studio auf dem Atari ST eingesetzt. Es war ideal für schnelle, einfache Programmierungen und lief außerdem sehr stabil. Die Leute hatten damals irrsinnig viele Geräte an den MIDI-Ports des STs hängen.
Welche Rolle spielt Cubase für dich heute, sowohl als Produzent als auch als Komponist?
Ich verwende Cubase zusammen mit einem anderen Recording-System, das ich ausschließlich für Audio-Recording einsetze. Die MIDI-Implementierung ist in Cubase weitaus besser und die internen virtuellen Instrumente sind so ziemlich allen anderen überlegen.
Welche virtuellen Instrumente und Effekt-PlugIns benutzt du häufig?
Als Sampler verwende ich HALion. Er ist so einfach zu bedienen. Ich habe eine riesige Sound Bank für HALion, die ich auf einer kleinen Festplatte überall mit hinnehmen kann. Ich mag auch den Groove Agent für schnelle Drum-Ideen.
Du arbeitest schon seit vielen Jahren mit digitalem Studioequipment wie Computern, Software, PlugIns und Euphonix Digitalkonsolen. Gibt es analoge Geräte, die du nicht durch ein digitales Äquivalent ersetzen würdest?
Ja, Kompressoren und Distortion. Ich habe sowohl die digitalen als auch die analogen Varianten ausprobiert und beide haben ihre Stärken und Schwächen. Aber nichts kommt daran heran, die Drums durch ein Paar analoge Distressors oder die Vocals durch einen 1176er zu schicken. Was die digitalen Versionen betrifft: Vielleicht bald, aber heute noch nicht.
Zu Tonys Credits gehören:
Album-Produktionen:
- Belle and Sebastian Tigermilk, The Boy With The Arab Strap, If You’re Feeling Sinister, Dear Catastrophe Waitress, The Life Pursuit
- Mogwai
- Rock Action, Happy Songs For Happy People, Mr Beast,
- The Delgados
- Hate, The Great Eastern, Universal Audio
- Dirty Pretty Things Waterloo To Anywhere
- Malcolm Middleton A Brighter Beat
- The Young Knives Superabundance
- Modern Dog That Song
- Speedstar
- Super Furry Animals Phantom Power
- Art School
- Teenage Fanclub
- Mojave 3
- Quruli
- Hefner
Soundtracks als Komponist und/oder Produzent:
- Zidane: A 21st Century Portrait (mit Mogwai)
- The Fountain (mit Mogwai)
- Storytelling (mit Belle and Sebastian)
- Young Adam (mit David Byrne)
Mehr Informationen über Tony Doogan finden Sie auf der Website seines Managers.

