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Interview mit Unheilig Produzent Henning Verlage

Henning Verlage hat mit Unheilig ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr hinter sich. Als Produzent, Co-Writer und Keyboarder war er maßgeblich an dem überwältigenden Erfolg des aktuellen Albums „Große Freiheit“ beteiligt, das sich alleine in Deutschland 23 Wochen auf Platz 1 der Charts halten konnte – solange wie vorher kein anderes Album eines deutschen Künstlers.

Henning, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Echos für das Produzententeam des Jahres 2011 und den Musikautorenpreis für „Große Freiheit“!
Vielen Dank! Über die Auszeichnungen habe ich mich wirklich sehr gefreut, gerade der Echo ist etwas, von dem man als Musiker immer träumt. Das sind schöne Bestätigungen für die vielen Jahre Arbeit, die hinter uns liegen.

Als das Album veröffentlicht wurde, hättet ihr sicherlich nicht in euren kühnsten Träumen damit gerechnet, 1,5 Millionen Exemplare zu verkaufen, mit siebenfachem Platin ausgezeichnet zu werden und ausverkaufte Konzerte in den großen Hallen zu spielen. Wahrscheinlich gab es zu dem Zeitpunkt schon Pläne, das Album zu promoten und eine Tour zu buchen. Ich vermute, dass diese Planung nach dem sich abzeichnenden Erfolg erstmal neu angegangen werden musste?
In der Tat war dieser Erfolg zum Entstehungszeitpunkt des Albums überhaupt nicht abzusehen. Wir haben das ganze Jahr 2009 daran gearbeitet und für uns war es erstmal einfach „das nächste“ Album. Aus der Erfahrung der vorherigen Veröffentlichungen hatten wir schon auf einen Top Ten Einstieg gehofft, aber mit diesem immensen Erfolg haben wir nicht gerechnet. Viele Termine der Frühjahrstour 2010 waren dann auch schnell ausverkauft, so dass es Zusatztermine und eine Verlängerung der Tour gab. Die Herbsttour wurde dann von vornherein größer angelegt und jetzt startet mit den großen Sommer-Open Airs die dritte Tour zum Album.

Du hast in der Vergangenheit auch mit vielen anderen bekannten Künstlern im deutschsprachigen Raum zusammen gearbeitet – u.a. mit Rosenstolz, Wolfsheim und Letzte Instanz. Bleibt dafür nach „Große Freiheit“ noch Zeit? Immerhin steht die dritte Tour mit Unheilig zum aktuellen Album bereits kurz bevor.
Es ist schon so, dass Unheilig im Moment sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und auch oberste Priorität hat, dennoch ist Unheilig in erster Linie ein Projekt des Grafen und ich stehe nebenher auch anderen Bands und Projekten als Produzent und Keyboarder zur Verfügung. Dazu kommt auch noch meine Tätigkeit als Dozent für Musikproduktion an der Musikhochschule Münster im Studiengang „Keyboards & Musikproduktion, sowie zahlreiche Workshops in der Fachpresse.



[Es] hat sich in Version 6 wieder viel getan, es macht Spaß, damit zu arbeiten. Auch die Multitrackbearbeitung ist gerade beim Schneiden von Drums eine erhebliche Vereinfachung.

— Henning Verlage

Du bist seit den Atari-Zeiten Cubase User und hast auch „Große Freiheit“ mit Cubase produziert und gemischt. Wie kam es zu Deiner ursprünglichen Entscheidung, mit unseren Produkten zu arbeiten?
Ein Bekannter hatte mir als Jugendlicher Cubase auf dem Atari gezeigt, von dem Moment an war ich fasziniert von den Möglichkeiten, die sich damals schon auf der MIDI Ebene boten. Ich bin dann mit dem Programm quasi „mitgewachsen“, mit der Einführung der VST Technologie kam bei mir auch das Interesse an Audiorecording, und mit den immer leistungsfähigeren Prozessoren und Plug-Ins wurde auch die Arbeit im Rechner und mit Cubase immer komplexer und ausgefeilter.

Wie lief die aktuelle Produktion in Cubase ab? Haben Der Graf (Sänger, Songwriter und Produzent) und du parallel gearbeitet oder entstand alles in gemeinsamen Cubase-Sessions?
Wir haben bei diesem Album beide mit einem nahezu identischen Cubase-Setup gearbeitet, sodass wir Sessions direkt austauschen konnten, ohne langwierig Spuren bouncen zu müssen. Einige Songs entstanden „from scratch“ bei mir im Studio, andere hatte der Graf schon teilweise sehr weit in seinem eigenen Studio ausgearbeitet. Wenn wir uns nicht persönlich getroffen haben, haben wir uns mit mp3s auf dem Laufenden gehalten, so dass wir uns gegenseitig Kommentare geben konnten oder er Texte zu den Songs schreiben konnte.
Für das kommende Album sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben direkt auf Tour immer ein mobiles Recording Setup mit Cubase in jedem Backstage dabei gehabt, um in jeder freien Minute an neuem Material arbeiten zu können. Das hat sehr gut geklappt, das virtuelle Studio im Rechner ist inzwischen zur Normalität geworden und man ist wirklich sehr flexibel und unabhängig von Zeit und Ort.

Kannst du uns dein Studio-Setup beschreiben? Bist du eher ein VST Instrument- und PlugIn-User oder findet sich in deinem Studio auch noch der eine oder andere Hardware-Schatz?
Ich würde mich als Hybrid-Typen bezeichnen, da ich einerseits mit Hardware aufgewachsen bin, aber andererseits natürlich auch die Entwicklung der VST Technologie mitverfolgt habe. An Hardware mag ich nach wie vor die Haptik, Knöpfe zum Anfassen, was ich sehr inspirierend finde, hier habe ich noch viele Synthesizer Schätze wie einen originalen Korg MS-20, einen Roland Juno 106 oder einige Hardware Effektgeräte, von denen ich mich nicht trennen mag. Allerdings sind Plug-Ins und VST Instrumente inzwischen deutlich in der Überzahl und so ist mein Rechner inzwischen die Steuerzentrale meines Studios, die Hardware wird über externe Effekte und Instrumente direkt in den Cubase eingebunden. Ein Mischpult verwende ich nicht mehr, alle Aufgaben von der Aufnahme bis zum Endmix passieren direkt „In the box“ in Cubase.

Da du neben deiner Musiker- und Produzententätigkeit auch diverse Workshops mit Cubase gemacht hast, würde uns sehr interessieren, was dich an der aktuellen Cubase 6 Version besonders anspricht und was du dir für zukünftige Versionen wünschen würdest?
Da ich den ganzen Tag mit Cubase arbeite, freue ich mich über jedes Update, das den Workflow vereinfacht und die Optik soweit optimiert, dass man unangestrengt über einen langen Zeitraum arbeiten kann. Hier hat sich in Version 6 wieder viel getan, es macht Spaß, damit zu arbeiten. Auch die Multitrackbearbeitung ist gerade beim Schneiden von Drums eine erhebliche Vereinfachung. Für weitere Updates wünsche ich mir vor allem komplexere Möglichkeiten beim Exportieren von Trackarchiven, sowie bei der Arbeit mit Gruppen, wie z.B. vereinfachte Trackzuweisungen.

Wie sehen deine Pläne für die Zeit nach der Unheilig-Festivaltour aus? Vermutlich haben sich durch den Erfolg von Unheilig nicht nur der Band sondern auch dir persönlich neue Türen geöffnet?
Die Festivaltour zieht sich bis September und im Frühjahr soll bereits das nächste Unheilig Album erscheinen, das auch wieder von einer Tour begleitet wird. Da steht also noch viel Arbeit an! Alles andere wird sich zeigen, da bin ich sehr entspannt.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg auf der anstehenden Tour!

Mehr Informationen zu Unheilig unter www.unheilig.com.