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Monrose-Produzent und Nena-Keyboarder Derek von Krogh im Interview

Als Keyboarder der Nena-Band setzt Derek von Krogh gerne VST-Instrumente, wie etwa Steinbergs The Grand, live auf der Bühne ein. Aber auch als Musikproduzent konnte sich Derek bereits einen Namen machen. Sein jüngstes Projekt, die Produktion des Albums der Popstars Gewinner-Band Monrose, stellte Derek vor eine besondere Herausforderung. In unserem Interview erzählte er uns, warum die Produktion einer Casting-Band andere DAWs schnell in die Knie zwingt, nicht jedoch Cubase und Nuendo.

Aktuell hast du ja viele Projekte am Start. Erzähl doch mal wie es dazu gekommen ist, dass du dich beruflich mit Musik beschäftigst.

Bilder Derek von Krogh
Derek van Krogh
 
Bilder Derek von Krogh
Studio mit Katze 

Ich hab schon sehr früh mit der Aufnehmerei angefangen. Erst hatte ich keine Band, also musste ich mir fehlende Mitmusikanten durch Aufnahmetechnik ersetzen. Später mit Band war ich dann der Einzige, der die Bedienungs-anleitung des 4-Spur-Recorders gelesen hatte und noch etwas später in der lokalen Bandszene dafür bekannt, zu den seltenen Leuten zu gehören, die diese Bedienungs-anleitung gelesen hatten. So nahm ich schon in der Schulzeit relativ oft andere Bands auf (meist für einen Kasten Bier) und der Plan, irgendwas mit Musikproduktion zu machen, wurde zunehmend konkret. Als meine Bands dann mehr und mehr aus dem Vierspuralter raus-wuchsen, gingen wir natürlich ins Studio zum Aufnehmen. In einem dieser Studios bat ich dann in einer Mischung aus grenzenloser Selbstüberschätzung und jugendlichem Größenwahn darum, mal selber abmischen zu dürfen. Durch reines Glück (ich wusste nicht mal was ein parametrischer EQ ist und dachte nur "der zweite Mittenregler klingt ja wirklich komisch") klang das Tape dann ganz gut. Als hoffnungsvolle Band zeigten wir unser Demo natürlich überall herum und zwei Bands fanden es so gut, dass sie für ihr nächstes Demo auch in dieses Studio gehen wollten - mit mir als Mischer! So kam es zu meiner ersten Auftragsproduktion - jetzt schon für zwei Kästen Bier! :-) Von da an habe ich mich hochgearbeitet (und irgendwann dann auch vernünftigerweise die Währung, in der ich bezahlt wurde, gewechselt).

Wie bist du dann zur Nena Band gekommen?

Das war schon in den frühen Neunzigern. Nena moderierte zusammen mit Thomas D. ein Bandfestival namens "Macht der Nacht" und hörte an diesem Abend meine damalige Band. Zufällig war sie gerade sowieso auf der Suche nach Musikern und war wohl nicht zuletzt von unserer ziemlich maßlosen Bühnenshow angetan. So wurden wir also zum Vorspielen eingeladen, unser Gitarrist und ich. Das war beinahe ein wenig Casting-mäßig, es waren da auch noch andere geladen. Als wir im Proberaum ankamen, bauten gerade zwei Musiker ab, deren Equipment sichtlich professioneller war als unseres - die hatten eine große Keyboardburg und Marshallwand dabeigehabt, ich nur mein völlig zerkratztes Schrott-Roland und mein Gitarrist einen kleinen Verstärker, der auch schon bessere Tage gesehen hatte. Nena hat sich totgelacht und fand das sehr sympathisch - da mussten wir eigentlich nur noch "nicht schlechter" klingen als die Herren vor uns.

Was spielst du auf der Bühne? Sind auch VST-Instrumente dabei?

Neben den "vollanalogen" Klassikern wie einem Rhodespiano oder auch mal einem Flügel, spiele ich vorzugsweise VSTis. Meinen Laptop mit der vollen VST-Breitseite empfinde ich als meinen flexibelsten und mächtigsten Synth: Unzählige unterschiedliche Syntheseformen, Sampling, bei dem kein Hardware-Sampler mitkommt und natürlich ein Effektangebot, das es in der Keyboardwelt so auch nicht gibt. Auf der Bühne und bei Proben habe ich meist noch eine Workstation dabei (zur Zeit den Yamaha Motif), um mal schnell Brot und Butter Sounds am Start zu haben. Sobald die Dinge feststehen, bevorzuge ich aber meinen Laptop. Und wenn wir mit Nena im Studio sind, benutze ich als Klangerzeuger eigentlich ausschließlich den Laptop oder eben "Naturinstrumente".

Bist du Fan der Emulationstechnik für einzelne Instrumente à la The Grand? Was hältst du von "Player" VSTis - sowohl als Live-Keyboarder als auch als Produzent?

Ich mag gerade The Grand sehr sehr gerne. Ich bevorzuge ganz klar die dunklen und warmen Klaviersounds wie sie (eher unfreiwillig) bei John Lennon oder heute (absolut freiwillig) bei Britpop à la Robbie Williams eingesetzt werden. Die meisten Sample-Libraries bieten aber eher diesen für meine Ohren etwas zickigen Pop-Pianosound mit sehr viel Höhen. Bei The Grand gibt es das auch kuscheliger und die Qualität der Umsetzung ist top. Sehr gut auch, dass man die zusätzlichen Realismus-Anteile, etwa das Dämpfgeräusch des Haltepedals und die Saitenresonanzen, "übertreiben" kann. So kann man sie laut genug machen, dass sie auch im Bandkontext noch zu hören sind, was ironischerweise dann meist besonders "echt" klingt. Player-VSTis wie die virtuellen Gitarristen oder Drummer finde ich natürlich vor allem als Produzent praktisch. Für Drumplayer habe ich allerdings nicht so viel Verwendung, denn meist habe ich selbst relativ schnell genau das programmiert, was ich brauche. Die virtuellen Gitarristen hingegen sind zum Demos erstellen absolut praktisch und auch für richtige Produktionen nehme ich sie manchmal als "Samplelieferant", etwa wenn ich einen Rückwärts-Gitarrenakkord-Effekt zur nächsten eins haben will. So was hole ich mir dann gerne aus dem virtuellen Gitarristenarchiv, das ja auch ein riesengroßer Samplepool ist.

Hast du in diesem Bereich Lieblingsprodukte?

Ganz klar Virtual Guitarrist - das Instrument profitiert am meisten von der Playertechnik, einfach weil viele Gitarrenspielweisen mit herkömmlichem Sampling nur sehr schwer nachzuahmen sind. Ein normaler samplebasierter Sound gibt ja schon bei so grundlegenden Dingen wie dem Wechselschlag auf. Tausende völlig unrealistischer und geschmackloser Keyboard-Gitarrenpatches seien meine Zeugen. ;-)

Wie sieht allgemein dein Workflow als Produzent aus?

Mein Workflow ist eher etwas ungewöhnlich. Ich beginne eine Produktion meist mit planlosem Umherwandern im Studio oder auch ausgiebigem Comic lesen auf dem Sofa. Ich bin, wie auch immer es dazu gekommen ist, sehr gut im "Kopfmusizieren" und neige dazu, mir einen Song schon vor der ersten eingespielten Note sehr detailliert auszumalen - bis hin zur Klangästhetik. Das kann Stunden dauern, in denen es so aussieht als würde ich absolut gar nix tun. Ich experimentiere also sehr viel „im Kopf“ und gehe dann mit einem ziemlich festen Plan an den Sequenzer - damit vermeide ich auch ganz gut den berüchtigten "Leeres Blatt"-Effekt. Natürlich klingt der Song am Ende aber doch ganz anders als man sich es vorgestellt hatte. Ich bin zwar relativ gut darin, das was ich im Kopf habe auch exakt so umzusetzen, aber mit der Zeit lernt man auch bei dieser Methode wieder "Fehler" zuzulassen und zu begrüßen, anstelle stumpf den Originalplan eins zu eins zu realisieren.

Erzähle mal was zur aktuellen Monrose Produktion. Wie viele der Songs hast du beigesteuert?

Knapp die Hälfte des Albums, ich war Co-Produzent bei allen Titeln von Dieter Falk. Die Kompositionen stammten zu großen Teilen von englischen oder schwedischen Songwritern - teilweise erstaunlich prominenten. Ich habe nicht schlecht gestaunt als ich später beim Blättern durch das CD-Booklet entdeckte, dass einer der Songs, die ich gemacht hatte von R.Kelly war und einer von Gary Barlow. Der von Gary Barlow war übrigens besser. ;-)

Welche Vorteile bieten dir Cubase und Nuendo bei deiner Arbeit? Warum hast du dich für Steinberg Produkte entschieden, statt für ein Produkt unserer Konkurrenz?

Es geht schon mal damit los, dass eines der besonders bekannten Konkurrenzprodukte mir schlicht nicht genug Spuren für meine komplexen Produktionen bietet. Klar braucht man für einen guten Song nicht über 200 Spuren, aber bei einer Castingshow gibt es eben besondere Anforderungen, weil man auf einmal 6 potentielle Leadsängerinnen hat, die jeweils alle alles gesungen haben von den Leadvocals bis zur vierten Harmoniestimmendoppelung und dazu noch drei Dutzend Adlibs.... Es hilft leider nicht, dass am Ende nur drei in die Band kommen, vorgemischt werden müssen sie alle. Wenn man so viele Bandkonstellationen innerhalb eines Projekts hat, dann muss das Programm mit entsprechend vielen Spuren klarkommen. Aber auch sonst sind Nuendo und Cubase für mich die mit Abstand beste Kombination aus ausgereiften Audiofunktionen und vollwertigen MIDI-Features. Vor ein paar Jahren gab es ja noch einen etwas geteilteren Markt, mit herkömmlichen MIDI-Sequenzern (wie etwa Cubase) auf der einen Seite und klassischen Audio-Programmen auf der anderen. Ehrlich gesagt hätte ich damals ja eher auf das Gegenteil gewettet, aber erstaunlicherweise waren es die Sequenzer, die deutlich schneller im Audiobereich aufgeholt haben als die Audio-Programme im MIDI-Bereich. Es gibt heute kaum noch etwas, das ich in Nuendo vermisse und das Audioediting ist schneller und mächtiger als in jedem anderen Programm. Ich arbeite aber auch viel in anderen Studios mit Konkurrenzprodukten und zu den beiden Bekanntesten kann ich nur sagen, dass das eine für meine Begriffe mangelhaftes MIDI hat und das andere im Bereich Audioediting seit Jahren auf der Stelle tritt. Es macht mir deutlich weniger Spaß damit zu arbeiten und manche Sachen gehen einfach gar nicht. Da klappe ich dann gerne mal meinen Laptop auf und ziehe mir die Spuren ins Nuendo, um schneller editieren zu können.

Sind auf dem Monrose-Album auch virtuelle Instrumente zu hören?

Abgesehen von „Naturinstrumenten“ sind es sogar ausschließlich VST-Instrumente.

Hast du während der Produktion auch kreativ beim Songwriting mitgearbeitet?

Manchmal schmeißt man ja die Originalarrangements bei einer Produktion irgendwann komplett über den Haufen und das ist bei Monrose auch mehrmals passiert. Das reine Songwriting an sich bleibt davon aber eigentlich unberührt, insofern, nein. :-)

Gab es irgendwelche speziellen Herausforderungen bei dem Monrose-Projekt?

Eine Menge. Ich hab ja schon mal bei Popstars mitgemacht (als Produzent, nicht als Kandidat ;-) und beide Male war es extrem hart. Die Deadlines sind nicht von dieser Welt und das Prinzip "wir machen das Album mit X Leuten, von denen aber nur Y in die Band kommen" verkompliziert natürlich jeden Produktionsschritt ungemein. Man würde sich fast wünschen, dass die immer wieder verbreiteten Gerüchte, bei Popstars stünde alles schon Monate im Voraus fest, wirklich stimmen würden, das wäre nämlich deutlich weniger Arbeit für unsereins. ;-)

Wie war die Arbeit mit den drei jungen Damen?

Ich hab sie ja leider nicht persönlich kennengelernt - die Vocal-Produktion hat Dieter Falk gemacht und um mal nett vorbeizuschauen und Hallo zu sagen, ist bei einer solchen Produktion einfach die Zeit nicht da. Das war letztes Mal noch anders, da saß ich beinahe die gesamte Fernsehproduktion über in einem der Hotelzimmer und habe nachts Dee beim Schlafen gestört. ;-) Ein bisschen war ich aber auch froh darüber, denn wenn man so lang dabei ist, steckt man irgendwann auch emotional so tief drin, dass es einem bei jeder Kandidatin, die gehen muss, das Herz bricht. Das ist wirklich komisch, das hat so einen Schullandheim-Vibe und ist für Außenstehende sicher nur schwer nachzuvollziehen. Man sieht das ja immer an den vielen Tränen, die da vergossen werden. Insofern war ich ganz froh, dieses Mal etwas mehr Distanz zu haben. Aber die Vocal-Files, die ich von ihnen bekommen habe waren auf jeden Fall sehr gut. Allesamt hervorragende Sängerinnen, da kann man einfach nichts sagen. Und mit Mandy, Senna und Bahar ist das eine Top Besetzung. Da ist sogar eine Favoritin von mir mit dabei, von der ich noch einen Monat zuvor nie und nimmer geglaubt hätte, dass sie in die Band kommt (ich verrate natürlich nicht welche das war). Und Senna, in der viele nur die "Boulevard-Quoten-Frau" sehen weil in der Sendung ja eher ihr "Typ" gezeigt wurde und nicht so sehr ihr Gesang, hat im Studio absolut erstklassig gesungen, das muss auch mal gesagt werden. Eine Sendung, die eine Woche in zwei Stunden aufbereitet liefert da natürlich kein Bild ab, das der Realität voll gerecht wird.

Wie sah speziell bei dieser Produktion der Workflow aus und wie lief die Zusammenarbeit mit Dieter Falk? Habt ihr Projekte, Meinungen usw. ausgetauscht?

Zuerst einmal wurden natürlich die Demos angehört und diskutiert. In manchen Fällen wollten wir uns nahe am Demo halten und "nur" in jeder Hinsicht noch mal toller, dicker und fetter klingen (der übliche sportliche Produzentenwettkampf eben), in anderen Fällen ging es dagegen um die nackte Komposition und das stilistische Gewand sollte noch mal ganz anders werden, da war ich erstmal relativ frei. Ich war dann für die Playbacks zuständig, hab viel gebastelt und experimentiert und Dieter Mp3-Updates zugeschickt, der ja zeitgleich noch bei Popstars vor der Kamera stand. So haben wir Kommentare und Ideen ausgetauscht bis das musikalische Grundgerüst stand. Dieses hab ich schließlich als Roughmix zu Dieter ins Studio geschickt, der dann die Vocals mit den (zu diesem Zeitpunkt noch 6) Kandidatinnen aufgenommen hat. Ich habe dann von ihm komplett fertig ausproduzierte Vocals aller Sängerinnen bekommen. Zusammen mit meinen oftmals auch nicht ganz unaufwendigen Programmings waren das unglaublich viele Files. Selten unter 200, eigentlich nie, wenn ich es recht bedenke. Abgemischt wurde dann wieder bei mir.