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  • Kamelot – VST Connected

    Von Eckhard Doll, 17. Juli 2015

    Im Mai 2015 wurde das 11. Kamelot Studioalbum “Haven” veröffentlicht. Die Band aus den USA wurde 1991 gegründet und hat sich über die Jahre zu einer der bekanntesten Power/Progressive Metal Bands der Welt entwickelt. 2005 stieg Oliver Palotai aus Deutschland als Keyboarder bei Kamelot ein.
    Als langjähriger Cubase User hat er die Band mit Steinberg Produkten bekannt gemacht und vorgeschlagen, für die gemeinsame Arbeit an “Haven” VST Connect einzusetzen. Wir hatten die Gelegenheit, kurz nach dem ersten Abschnitt der Kamelot World Tour ein Interview mit Oliver zu führen.

    Oliver, ich hoffe die Tour lief bislang gut?

    Ja, sehr gut. Die US Tour war die bisher erfolgreichste unserer Karriere. Tatsächlich hat sich der US Markt auf einmal zu unserem größten entwickelt, so dass wir im November dort eine zweite Runde drehen werden. “Haven” landete in den US Hardrock Charts auf Platz 1 und wir haben in größeren Locations gespielt als jemals zuvor. Ich kann mich also nicht beschweren. [lacht]

    Wie kommt man als klassisch ausgebildeter Musiker, der Klavier und Jazz Gitarre studiert hat, dazu seinen musikalischen Fokus auf das Metal Genre zu legen. Gab es dafür so etwas wie ein Schlüsselerlebnis?

    Nein, da hatte sozusagen das Schicksal seine Hand im Spiel. Ich habe damals noch am Konservatorium in Nürnberg studiert als ich die Nachricht eines Kommilitonen bekam, dass ich das Management der deutschen Metal Sängerin Doro Pesch kontaktieren solle. Sie waren auf der Suche nach einem Gitarristen und Keyboarder für die anstehende Tour.
    Zu dieser Zeit dreht sich für mich alles um Jazz und Klassik aber ich hatte meine Rock und Metal Licks aus der Zeit meiner ersten Band noch drauf. Damals war ich 15. Was als nächstes kam war also ein radikaler Sprung von kleinen Jazz-Clubs auf die großen Bühnen.

    Wann ist dir Cubase das erste Mal begegnet und was hat dir daran besonders gefallen?

    In den letzten Jahren meines Studiums waren Kenntnisse im Recording Bereich obligatorisch und Cubase war die DAW, die in der Universität benutzt wurde. Ich kaufte mir dann die Einsteiger Version, Cubasis, weil ich mir die professionelle Version nicht leisten konnte.

    Was hat dich davon überzeugt, bei Cubase zu bleiben?

    Wenn etwas funktioniert bleibe ich meistens dabei. Und Cubase hat für mich immer funktioniert und war das perfekte Medium, um meine musikalischen Visionen zum Leben zu erwecken. Ich habe über die Jahre in anderen Studios mit verschiedenen DAWs arbeiten müssen und konnte mich nie ganz daran gewöhnen. Ein weiter Punkt ist, dass Steinberg als deutsche Firma ein großes deutschsprachiges Forum sowie Support bietet.

    In den letzten Jahren hast du mit verschiedenen Bands und Musikern zusammen gearbeitet, wie Doro, Uli Jon Roth und Blaze, und hast auch noch verschiedene Side Projects gehabt. Ist dir die Entscheidung bei Kamelot einzusteigen leicht gefallen als sie 2005 auf dich zugekommen sind?

    Ehrlich gesagt kannte ich sie gar nicht bevor ich bei Ihnen eingestiegen bin. Zu dieser Zeit war ich eine Art musikalischer Feuerwehrmann, der immer eigesprungen ist, wenn irgendwo kurzfristig ein Keyboarder oder Gitarrist benötigt wurde. Aber Kamelot hat mich fasziniert, sie kombinierten so viele verschiedene Stilrichtungen auf hohem musikalischen Niveau und mit großem spieltechnischen Können. Als es damals im Dezember zu einem extremen Zeitkonflikt kam – alle meine fünf (!) Bands wollten gleichzeitig touren – habe ich mich für Kamelot entschieden.

    Du hast sehr fundiertes musikalisches Wissen und kannst verschiedene Instrumente spielen. Haben Kamelot damals speziell nach so jemandem gesucht?

    Anders als bei meinen anderen Bands hat es damals keine Rolle gespielt, dass ich Gitarre und Bass spielen konnte, jedenfalls nicht bevor ich mit dem Songwriting für die Band angefangen habe. Aber die Keyboard Parts benötigten einiges Können und sie suchten damals schon eine ganze Weile bevor sie von mir hörten.

    Was ist deine Rolle bei der Produktion eines Kamelot Albums?

    Heute produziere ich meine Demos schon ziemlich aus bevor ich die Songs der Band präsentiere – inklusive Gitarre, Bass und Schlagzeug. Ich würde sagen, dass etwa die Hälfte der Keyboard- und Orchester-Parts in der finalen Produktion verwendet werden. Wie auch in meinen anderen Produktionen mache ich keinen klaren Unterschied zwischen der Demo-, Recording- und Mixing-Phase. Ich sende die Songs an unseren Sänger Tommy Karevik und wir treffen uns über einige Monate in VST Connect, um an den Gesangslinien und den Songtexten zu arbeiten. Im Fall von Kamelot ist noch ein weiterer Producer beteiligt - Sascha Paeth. Er arrangiert manchmal noch einige Sachen um oder ändert zum Schluss noch die Tonart. Für die Special Edition hat er auch viele der Songs gemischt, alle in Cubase.

    Drei Band-Mitglieder leben in den USA, der Sänger Tommy Karevik in Schweden und du selbst wohnst in Deutschland, was Kamelot zu einer wirklich internationalen Band macht. Ich denke, dass sich der Pre-Production und Recording Prozess in den letzten Jahren sehr verändert hat?

    Wir treffen uns auch immer noch persönlich. Thomas Youngblood, unser Gitarrist, kommt zu mir, um an Songs zu arbeiten und umgekehrt. Tommy kommt nach Deutschland, auch in die Gate Studios in Wolfsburg. Aber viel Austausch läuft über das Internet.

    Für “Haven” habt ihr unsere Remote Recording Lösung VST Connect verwendet. Kannst du uns von deiner Erfahrung mit diesem Tool berichten?

    Ich habe schon früh damit angefangen VST Connect einzusetzen, weil ich von der Idee fasziniert war. Dabei habe ich gelernt, dass es Sinn macht, mit jedem Kunden zuerst eine initiale Session zu machen, um eventuelle technische Probleme zu lösen. Manchmal sucht man stundenlang nach der Ursache, warum kein Sound zu hören ist und das tötet jede Kreativität. Also mache ich immer eine Setup-Session. Die Schwierigkeit ist, dass ich es meistens mit Musikern zu tun habe, die nicht die leiseste Ahnung von Recording, Software und Hardware haben. Eine der bezeichnensten Rückfragen, die ich bekommen habe, als ich jemandem sagte, er müsste ein Audio-Interface kaufen war: “Ok, wo kann ich das herunterladen?”. Die Bugs, die ich beseitigen muss, bevor es funktioniert, sind meistens etwas Dummes auf der Client Seite und haben in der Regel mit der Hardware zu tun.

    Der zweite Teil der “Haven” Tour wird in Europa in der zweiten Jahreshälfte stattfinden und bis Ende des Jahres laufen. Ist während der Tour überhaupt Zeit für neue Songideen? Hast du eine mobiles Recording Setup dabei?

    Das habe ich eine Zeitlang ausprobiert. Aber heute mache ich keine Produktionen mehr, wenn ich auf Tour bin. Der Grund dafür ist, dass das Arbeiten im Tourbus sehr limitiert und beengt ist. Ich mag das einfach nicht. Es ist einfach nicht genug Platz, es ist zu laut und zu voll, ich kann nicht alle meine Libraries auf meinem Laptop speichern und Geräte werden gestohlen wenn du auf der Bühne oder beim Sound Check bist. Ich habe aber immer noch ein Steinberg UR22 Interface dabei, da ich mein Keyboard am Laptop betreibe wenn ich meine Workstations bei Gigs in beispielsweise Australien oder Südamerika nicht mitnehmen kann, aber meine Produktionen mache ich zuhause.

    Ist Cubase Teil deines Bühnen Setups?

    Das wird es jetzt zum ersten Mal sein aber nicht für Kamelot. Ich habe die Musik für ein großes Theaterstück geschrieben und eine CD dazu produziert. Ich werde auch live performen und mit den Schauspielern improvisieren. Dafür verwende ich Cubase 8 und kombiniere Audio-Loops mit VST-Instrumenten.

    Hast du Pläne für weitere Projekte in absehbarer Zukunft?

    Viele. Normalerweise habe ich 5-6 Produktionen gleichzeitig am laufen. Ich bin in der glücklichen Lage, gut gebucht zu sein. Ganze Band Produktionen, Soundtracks und Orchestrierung, Notation für Symphonie Orchester und Mixing. Es klingt ironisch aber ich liebe Studioarbeit und habe gar nicht mehr viel Lust unterwegs zu sein. Ich arbeite 8-10 Stunden am Tag zuhause mit Cubase und mache damit alle, außer Notation.

    Oliver, vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die anstehenden Shows.