Steinberg Media Technologies GmbH

Creativity First

Frankenstraße 18 b
20097 Hamburg

Tel: +49 (0)40 210 35-0
Fax: +49 (0)40 210 35-300

Von Unheilig bis Sotiria

Produzent und Songwriter Henning Verlage im Interview

Von Markus Thiel – 23. November 2018

Der spätestens als musikalischer Kopf des Projekts Unheilig im deutschsprachigen Raum bekannt gewordene Produzent Henning Verlage, kann sich schon seit Jahren über Langeweile nicht sonderlich beschweren. Aktuell ist Henning in seiner Funktion als Songschreiber und Produzent mit dem soeben bei Universal Music erschienenen Solo-Debütalbum *Hallo Leben* der vormals als Sängerin der Band Eisblume bekannten Künstlerin Sotiria im Fokus der Öffentlichkeit. Neben seinem gut gefüllten Terminkalender, findet er nebenher aber auch noch Zeit für die Mitwirkung an Projekten wie der Dark-Pop Supergroup Faelder, einem Zusammenschluss von Ex-Unheilig- und In-Extremo-Bandmitgliedern.

Das erste Treffen zwischen Ria und dem unheiligen Produktionsteam bestehend aus Henning, Graf und Markus Tombült, fand im Rahmen der Unheilig-Abschiedstournee bei einem Konzert auf der Waldbühne in Berlin statt bei dem schnell klar wurde, dass sich alle Beteiligten nicht nur musikalisch sondern auch auf der menschlichen Ebene bestens verstehen würden. Am Ende mündete diese Begegnung in der Konzeption und Produktion eines kompletten Albums, bei welchem es nicht nur um Gefühlswelten, sondern um den sehr persönlichen Weg einer außergewöhnlichen Künstlerin ging. Wir trafen Henning während der Produktion zum Album und sprachen mit ihm über das aktuelle Projekt, Arbeitsweisen und Teamwork im Studioalltag.

Wie kann ich mir heutzutage den Ablauf einer modernen Pop-Produktion vorstellen?

Über die Jahre hat sich die Arbeit schon stark verändert. Vor ein paar Jahren kam die Band ins Studio und es folgten 4 bis 6 Wochen Aufnahmen, dann wurde gemischt und das Album war fertig. Vincent (Vincent Sorg/Principal Studios, Anm. d. Autors) hat solche Sachen noch vermehrt bei sich drüben im Studio, da er es doch eher mit klassischen Rock-Bands zu tun hat. Die schreiben Songs, stellen sich dann in den Kreis und spielen los. In der Popmusik hat es sich mittlerweile schon noch 'ne Ecke anders entwickelt, vor allem wenn man mit Einzelkünstlern arbeitet, da geht das schon eher Stück für Stück. Nebenher laufen dann für gewöhnlich auch immer noch ein paar weitere Projekte, so dass man eigentlich ständig irgend welchen Deadlines hinterherläuft. Irgendwas startet gerade, irgendwas ist mitten im Prozess und irgendwas ist immer fertig. Über die Zeit sammelt sich natürlich auch so eine Art fester Stamm an Musikern zusammen, aber es bleibt schon im Bereich eines sehr fragmentarischen Arbeitens. Mal nimmt man hier 'ne Gitarre auf, mal hier ein Schlagzeug und so wächst Stück für Stück das ganze Projekt zusammen. Aber dadurch zieht es sich eben meist auch ein bisschen. Aktuell sind wir mit Sotiria jetzt an diesem Punkt wo eigentlich alle Songs stehen und es im Prinzip nur noch um die Mixe und das finale Finish geht.

Ist das Arbeiten in den letzten Jahren für dich grundsätzlich modularer geworden?

Total! Das hängt natürlich zum einen auch an der Entwicklung der Technik und dem damit verbundenen Umstand zu tun, dass man heute nicht mehr in ein großes Studio gehen muss, um etwas aufzunehmen. Viele Leute machen das heute mittlerweile einfach selber zu Hause. Es gab ja mal die Zeiten, da ist der Gitarrist noch mit dem Bulli vorgefahren und hat seine komplette Amp- und Gitarrensammlung ausgeladen. Heutzutage ist es schon allein Budget-technisch nicht mehr drin sich für so etwas wochenlange Sessions auf der Suche nach dem richtigen Sound zu gönnen. Gitarristen sitzen aktuell eher zu Hause in ihrem kleinen Studio und arbeiten auf Zuruf. Ich persönlich arbeite da ziemlich oft und gerne mit Warthy (Jörg Wartmann, Anm. d. Autors) zusammen, weil wir echt gut auf einander eingespielt sind. Wenn ich ihm auf dem Keyboard eingespielte Sachen schicke, weiß er tatsächlich immer so ungefähr was ich gemeint habe. (lacht.) Mit dieser Arbeitsweise ist man dann auch um einiges schneller, da man sich abgesehen von der Fahrerei gegenseitig eine Menge Auf- und Abbauzeit spart. So etwas klappt aber natürlich nur, wenn man sich wirklich sehr genau kennt und eine konkrete Vorstellung davon hat was der andere gerne hätte. In der Vergangenheit gab es echt schon einige Produktionen bei denen ich nicht einen einzigen Mitmusiker zu Gesicht bekommen habe. Auf diese Weise habe ich beispielsweise vier Tracks für Nik P. produziert und war dabei noch nicht mal selbst im Studio, sondern stattdessen an meinem Arbeitsplatz zu Hause. Im Prinzip schickt man sich während so einer Produktion eigentlich nur noch die Files hin und her.

War es euch wichtig den Spirit des vorangegangenen Unheilig-Projekts in die neue Produktion mit Ria hineinzubringen?

Das ließ sich eigentlich gar nicht vermeiden, da es sich ja um exakt das gleiche Team handelt – inklusive Graf! Und so sind die Songs eben auch alle gemeinsam mit Ria entstanden. Zusammen mit Kiko Maßbaum hatte ich zudem ja schon bei ihrem letzten Eisblume-Album an zwei Tracks mitgewirkt und so waren wir also bereits in Kontakt als wir uns bei dem Waldbühne-Konzert wiedergesehen haben. Dazu muss ich aber auch noch erwähnen, dass Ria einfach ein total unkomplizierter und geerdeter Mensch ist mit dem die Zusammenarbeit auch wirklich totalen Spaß macht.

Wie geht ihr an die Konzeption eines Albums heran?

Wir haben schon zu Unheilig-Zeiten immer recht viel auf Tour, also unterwegs gearbeitet. Dies ist auch einer der Gründe wieso ich immer mein mobiles Recording-Setup dabei habe, was im Grunde überhaupt kein Mobilsystem, sondern mein ganz normaler Desktop-PC ist. Zusammen mit einem Monitor, Maus und Tastatur kann ich dieses Setup überall in jeder beliebigen Ecke aufbauen und sofort losarbeiten. Es war mir schon immer wichtig unterwegs nicht nur eine halbe Lösung mit einem Laptop zur Verfügung zu haben, auf dem man dann ein Projekt vielleicht nur so halb aufbekommt. Bei den Unheilig-Touren war das aber irgendwo auch purer Pragmatismus, denn der tägliche Terminplan ist ja immer gleich, egal wo du gerade aufschlägst. Und zwischen Aufbau, Soundcheck, Meetings und Essen verbringt man halt sehr viel Zeit mit Warten. Da wir auf letzteres aber eigentlich alle keine Lust hatten, haben wir beschlossen, dass wenn wir eh schon einmal alle zusammen sind, wir auch einfach Musik machen können – eben genau so als ob man sich dafür im Studio treffen würde. Somit haben wir uns also regelmäßig einen Backstageraum eingerichtet, in dem ich dann mein Zeug aufgebaut habe, damit wir über den Tag verteilt immer mal wieder an Sachen arbeiten konnten. Über die Zeit ist das mittlerweile zu einem richtigen System geworden mit dem wir enorm schnell in unseren Flow kommen. Auf diese Weise finden wirklich spannende Ideen zueinander. Der Graf zum Beispiel ist einer dieser Texter, wie sie früher immer mit der Kladde rumgelaufen sind – heute ist es das iPad – und zu einer musikalischen Idee meist sofort einen passenden Text parat haben, den sie irgendwann mal geschrieben haben.

Das heißt ihr kommt eigentlich auch auf Tour niemals aus dem Writing-Prozess raus?

Nie! Das ist manchmal aber auch richtig schlimm, wenn dann plötzlich mittendrin jemand an die Tür klopft und uns darauf hinweist, dass in fünf Minuten die Show beginnt. Der Graf ist in diesem Punkt sogar so diszipliniert, dass er nach der Show manchmal schon auf der Bühnentreppe wieder weiter an Textzeilen arbeiten kann. Und dann geht man eben sofort nassgeschwitzt mit Handtuch wieder an den Arbeitsplatz, bevor der Gedanke sich wieder davon macht und singt noch mal schnell was ein. Das kann dann tatsächlich so lange gehen bis der Tourbus wieder abfährt. Unser Anspruch war es immer am Ende jedes Tages zumindest ein kleines MP3-File zu haben, welches man mal in die Runde schicken kann. So ein Tagesfeedback ist zudem auch einfach auch gut für‘s Gefühl!

Auf diese Weise dürfte sich in jedem Fall so einiges ansammeln.

Es geht bei so etwas ja auch nicht darum immer das Rad neu zu erfinden. Manchmal steht am Ende eben auch mal ein Ergebnis, was einen jetzt nicht unbedingt umhaut, aber trotzdem hat man es durchgezogen und etwas ausprobiert. Das führt selbstverständlich auch dazu, dass einige Sachen nach einer Session erstmal in der Schublade verschwinden, mit der Chance, dass sie in einer anderen Konstellation oder in Kombination mit anderen Ideen noch mal interessant werden. Sowas sammelt sich dann auf der Festplatte an, aber ich denke so geht es vielen Songschreibern – man hat irgendwie immer mehr Material als man letztlich braucht.

Wie hat sich die Zusammenarbeit zwischen Graf und Ria entwickelt?

Bei Sotiria – das ist im Übrigen ihr echter Vorname und kein Künstlername – war es so, dass sie und der Graf sich erst einmal intensiv zu verschiedenen Themen ausgetauscht haben. Dadurch entstanden dann relativ schnell bestimmte Vorgaben sowie eine Richtung in die das Ganze gehen sollte. So hat sich das Album schließlich Stück für Stück zusammengesetzt. Da kam von Ria, neben einer Nummer die sie komplett alleine geschrieben hat, was unsere Arbeit anging, während der Produktionsphase viel wertvolles Feedback.

Wie gehst du technisch bei der Produktion eines Titels im Studio vor?

Ich starte da aus Cubase heraus je nachdem wahlweise mit einem komplett leeren Projekt oder einem Template. Letzteres hat sich schon oft besonders bei Songwriting-Camps bewährt, wenn man bereits so ungefähr weiß, wohin es stilistisch gehen soll. Da mache ich mir auch gerne schon mal im Vorfeld Gedanken welche Sounds, Instrumente und Effektketten ich da so benutzen möchte. Meine Templates umfassen dann meist knapp 40 bis 50 Spuren mit unterschiedlichsten Klangerzeugern und Channelstrips, wodurch ich mich in die Lage versetze, blitzschnell auf unterschiedlichste Situationen reagieren zu können. Wenn jemand mitten in der Session eine gute Idee hat, kann man es sich auch einfach nicht erlauben erst mal 200 Basssounds auf der Suche nach der optimalen Wahl durchzusteppen, das würde den kreativen Fluss einfach massiv stören und im schlimmsten Fall killen.

Das heißt um die letztliche Klanggestaltung kümmerst du dich erst im Nachhinein...

...oder auch schon zwischendurch. Vor allem auf Tour arbeitet man ja nicht kontinuierlich durch. Da finden sich immer Löcher im Zeitplan in denen man schon mal ein paar Layer bauen und Sounds schrauben kann. Bei manchen Songs kann man, wenn der allgemeine Charakter stimmt auch prima auf bereits fertige Projekte zurückgreifen. Da schmeiße ich dann einfach alle Events raus und habe eine umfangreiche und gut klingende Ausgangsbasis. Ich mag es einfach, direkt mit einem variantenreichen Kreativpool loszulegen, mit dem ich möglichst schnell Sound hab. Ich habe vor etlichen Jahren mal ein schönes Interview mit Linkin Park gesehen, indem es um intensive Kreativsessions ging, bei denen zwei Wochen lang alle möglichen Bodentreter- und Klangbearbeitungsketten ausprobiert wurden. Die Ergebnisse wurden dann während der Session direkt gesampelt und schließlich in eine MPC geladen von der aus man das Ganze dann später abfeuern konnte. Auf diese Weise hat man letztlich, wenn es drauf ankommt, die Möglichkeit Klänge auf Knopfdruck abrufen und ausprobieren. Das finde ich eine wirklich schöne Herangehensweise. Wenn du mitten in der Produktion steckst und die Deadline vor der Tür steht, kann man sich langwierige Klangexperimente einfach nicht mehr leisten. Ich nehm‘ mir immer vor, genau so etwas mal zu machen, aber da sich bei mir die Produktionen andauernd überlappen, komme ich nicht wirklich dazu. Da fehlen mir wirklich manchmal die Freiräume dazwischen.

Wann arbeitest du aus „leeren“ Sessions heraus?

Immer wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich von allem frei machen muss. Manchmal ist es eben auch hilfreich mal aus dem gewohnten Terrain auszubrechen und mal was ganz anderes zu probieren.

Seit wann setzt du Cubase ein?

Cubase nutze ich schon seit Atari-Zeiten. Ich bin quasi damit aufgewachsen und wann immer ich mich für etwas Neues interessierte wurde es beinahe zeitgleich auch in diese Software implementiert. So kam kurz nachdem ich mein reines MIDI-Studio mit dem ersten Mehrspur-Recorder ergänzt hatte auch schon die VST-Technologie samt Harddiskrecording. Plötzlich konnte man auf einem handelsüblichen Rechner Audio aufnehmen! Von da an ist Cubase tatsächlich immer parallel mit meinen steigenden Anforderungen mitgewachsen und für mich zu so einer Art Studio-Zuhause mit Wohlfühlzone geworden. Zusätzlich habe ich aber mittlerweile ergänzend auch noch riesige Mengen an Plug-ins und Softwareinstrumenten auf meinem Rechner. Also ich spreche von wirklich viel! Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sich bei mir ja irgendwie alles aus der Alleine-vor-dem-Keyboard-Situation entwickelt hat. Ich war es von Anfang an gewohnt Arrangements und Songs komplett alleine umzusetzen, was mir die Arbeit vor allem mit Solokünstlern enorm erleichtert hat. Im Nachhinein lassen sich ja dann immer noch einzelne Parts durch Aufnahmen ersetzen oder aber auch nicht – letzteres ist vor allem im Popbereich nicht so selten der Fall. Wenn man viel programmiert erfüllt das ja schließlich auch eine gewisse Soundästhetik. Bei mir läuft da alles von der anfänglichen Konzeption über die Aufnahmen, Mix und manchmal sogar bis hin zum Mastering in Cubase.

Masterst du deine eigenen Tracks?

Sowohl als auch. Ich bin es ohnehin gewohnt immer mit einem Mastering-Channelstrip auf der Summe zu mischen. Das fing zunächst ganz pragmatisch an, da ich in jedem Lehrbuch gelesen hatte, dass man das unter gar keinen Umständen machen darf, habe ich mich da auch lange Zeit dran gehalten. Irgendwie hat es mich dann aber auch genervt, dass alles was man während der Produktion vergleichend gegenhört ja bereits gemastert ist – nur der eigene Track eben nicht! Das macht rein vom Hören her einfach gar keinen Spaß. Zunächst habe ich dann angefangen meine Sachen vor dem Ab- und Gegegenhören in WaveLab zu öffnen um das ganze mittels Limiter zumindest ebenso laut zu machen wie meine Referenzen. Das war aber irgendwie auch unbefriedigend, da sich durch das Limiting immer wieder der Gesamteindruck des Tracks veränderte. Also bin ich wieder zurück in den Mix gesprungen, habe da wieder herumoptimiert und schließlich das Ganze wiederholte Male in WaveLab geöffnet bis ich einigermaßen zufrieden war. Irgendwann habe ich dann eingesehen, dass dieses Vorgehen kompletter Quatsch ist und es doch viel praktischer wäre den Limiter direkt auf den Stereo-Master in Cubase zu legen. Parallel habe ich zu dieser Zeit in verschiedenen Studios gearbeitet und festgestellt, dass es auch in analogen Setups gar nicht so unüblich war einen Limiter auf die Summe zu legen gegen den man dann sozusagen anmixt. Irgendwann waren dann auch meine Skrupel in diesem Punkt beseitigt und der Summen-Limiter wurde zum festen Bestandteil meiner Mixpraxis. Ein Stück weit kann ich die Lehrbuchmeinung allerdings auch nachvollziehen. Als in den späten Neunzigern der TC Finalizer verfügbar wurde, war es auf einmal Mode, beim Mix genau so einen – oft ohne jegliches Verständnis was in dieser Kiste eigentlich abgeht – ans Ende der Signalkette zu hängen. Wenn man solch einen zu Tode komprimierten und limitierten Mix dann an einen Mastering Ingenieur weiterreichte, konnte der natürlich gar nichts mehr damit anfangen. Einfach wieder runter nehmen war oft auch keine Option, da ja vielfach in ein vorgefertigtes Preset des TC reingemischt wurde, wodurch der Mix letztlich ohne Neumischen gar nicht mehr funktionieren konnte. Darum schalte ich die Mastering-Kette oder einzelne Komponenten auch immer mal wieder während des Mixens aus und versuche generell gar nicht zu viel zumachen. Würden an dieser Stelle für einen guten Sound wildeste Verrenkungen im Master-EQ von Nöten sein, könnte man mit ziemlicher Sicherheit attestieren, dass mit dem Mix etwas Fundamentales nicht stimmt!

Welche Mastering-Elemente und Einstellungen verwendest du auf dem Bus?

Ich habe mich da eigentlich immer am Setup einer klassischen SSL-Konsole orientiert, das heißt jeder Channel hat seinen eigenen EQ, Kompressor und Inserts an die man bei Bedarf Outboard dranklemmen kann. Am Ende laufen alle Signale beim SSL ja in den Buskompressor, der ja durch seinen Glue-Faktor nicht unwesentlich zum Sound eines solchen Pults beiträgt. Solch einen Summenkompressor der aus über 60 Kanälen am Ende einen echten Mix macht habe ich auch meist auf dem Master – das muss aber von Projekt zu Projekt nicht immer zwingend Derselbe sein.

Das entscheidest du dann sozusagen bevor du mit dem eigentlichen Track loslegst?

Ja, für sowas habe ich natürlich auch jede Menge selbstgebauter Master-Ketten Presets aus Kompressor, EQ und vielfach einem Multibandkompressor sowie abschließendem Limiter, die ich dann bei Bedarf schnell reinladen kann. Oft mache ich zusätzlich auch noch meinen heißgeliebten Pultec EQ drauf, welcher oft gar nichts macht, sondern einfach nur an ist und ein wenig Soundfülle dazu gibt. Ich bin aktuell auch immer noch happy, dass mir da – Update sei Dank – jetzt mittlerweile ganze 16 Insertslots zur Verfügung stehen, nicht dass ich die alle voll machen möchte, aber das ist absolut super um sich einfach auch mal ein paar Alternativen übereinander zu legen zwischen denen es sich hin- und herschalten lässt. Bevor ich meine Songs zum Mastering gebe nehme ich im Übrigen tatsächlich meistens nur den letzten Limiter wieder aus dem Mix um dem Kollegen ein paar dB Arbeitsspielraum zu verschaffen.

Sotiria - Hallo Leben - Polydor Records

Damit lieferst du ja dann eigentlich schon ein echtes Pre-Master an.

Ich verstehe meine Mastering-Kette auch nicht als etwas Zusätzliches sondern als Teil des Mixes. Ich möchte den Mastering Ingenieur ja auch nicht im Dunkeln tappen lassen was ich da gemeint habe. Für den Fall der Fälle kann man sich bei Unklarheiten aber auch noch mal kurzschließen und dann noch einmal etwas mehr herausnehmen. Zu meinen Mischungen lege ich meist ohnehin immer noch einen Plug-in Screenshot und die limitierte Version des Tracks bei, also sozusagen mein Hobby-Master (lacht.), denn das ist ja schließlich meistens das, mit dem schon alle an der Produktion beteiligten Parteien weitestgehend zufrieden waren. Im Idealfall ist dann das was ich vom Mastering-Ingenieur wiederbekomme einfach noch ein Stück besser und druckvoller als meine Fassung. Sollte das Budget für eine Produktion mal richtig knapp ausfallen, kann es aber auch gut und gerne sein, dass mein Master schließlich auch zum finalen wird. Dann wird das Album eben nur noch mal in WaveLab kompiliert und angepasst. Allgemein kann man im übrigen feststellen, dass ich aktuell keinen Produzenten mehr kenne der nicht mit einer Mastering-Kette mischt, oder überhaupt außerhalb der DAW mixt – geschweige denn jemanden der ausschließlich nur das eine macht.

Henning Verlage auf Facebook
Unheilig
Sotiria