Steinberg Media Technologies GmbH

Creativity First

Frankenstraße 18 b
20097 Hamburg

Tel: +49 (0)40 210 35-0
Fax: +49 (0)40 210 35-300

  • Accessories
  • Sounds
  • Education
  • Produkte
  • Support
  • Community
  • Education
  • MySteinberg
  • Delain

    Von Eckhard Doll – 22. Februar 2019

    Im Verlauf der letzten anderthalb Jahrzehnte entwickelte sich Delain zu einem der größten niederländischen Metal-Acts, welcher mit jeder weiteren Albumveröffentlichung auch international immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht – außerdem entstanden sämtliche Produktionen mit Cubase. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit mit Martijn Westerholt dem Keyboarder und Gründer der Band mal wieder ein Interview zu führen.

    Martijn, unser letztes Interview liegt jetzt bereits über zehn Jahre zurück. Inzwischen hat Cubase nicht nur die Versionsnummer 10 erreicht, sondern Delain fünf sehr erfolgreiche Alben veröffentlicht und die nächste Veröffentlichung im Februar steht bereits in den Startlöchern. Ihr habt jede Menge zu tun!

    Meiner Meinung nach klingt Delain wie keine zweite Symphonic-Metal-Band. Das liegt nicht nur am Sound, sondern auch an einer speziellen visuellen Komponente, welche sich zum einen in der außergewöhnlichen Coverkunst und auch in den Musikvideos der Band widerspiegelt. War dies letztlich auch dein und Charlottes (Charlotte Wessels, Gesang) Ziel, nicht „nur“ die Musik zu machen für die ihr brennt, sondern etwas zu schaffen, das sich bewusst von der Masse abhebt und etwas spezieller daherkommt?

    Erstmal möchte ich mich sehr für deine netten Worte bedanken. Ist das wirklich schon 10 Jahre her? Ach du Schande! Haha, wie die Zeit verfliegt! Es war eigentlich nie unser Ziel uns bewusst von anderen Bands abzuheben, ich denke wir sind einfach nur total stur darin unser eigenes Ding zu machen, ohne dabei gegebenen Abläufen oder Personen hinterherzurennen. Ich denke, es ist einfach die logische Konsequenz, dass die Dinge in der Folge irgendwie ein wenig anders laufen. Die künstlerische Gestaltung ist einer dieser Aspekte. Charlotte hat da ein außergewöhnlich scharfes Auge für alles Künstlerische und sogar eine Ausbildung in dieser Richtung. Was unsere Musik betrifft, vermute ich, dass es sich seit meiner Anfangszeit mit Within Temptation einfach ununterbrochen weiterentwickelt hat. Irgendwie habe ich mich an der Kombination aus gesättigten, fetten Gitarrensounds und orchestralen Elementen scheinbar immer noch nicht totgehört. Ich liebe dramatische, epische und bombastische Musik. Das war schon immer so. Ich liebe aber auch den Synth-Vibe der 80er, weshalb auch immer mal wieder elektronische Elemente in unserer Musik zu finden sind. Diese Kombination unterscheidet sich schon ein wenig von anderen Vertretern unseres Genres.

    Im gleichen Zug haben die Bandmitglieder über die Jahre des Öfteren gewechselt. Hatte dies auch einen Einfluss auf die Art wie ihr heute arbeitet und komponiert?

    Nach dem ersten Album hat sich unser Schreibprozess langsam und konstant entwickelt, so dass heutzutage eigentlich Charlotte Wessels, Guus Eikens und ich alle Tracks gemeinsam komponieren und ich sie im Anschluss dann produziere. Wie auch immer, die Rolle unseres Gitarristen (Timo Somers, Anm. des Autors) wuchs ebenfalls stetig mit. Er steuert mittlerweile jede Menge zu den Gitarren-Arrangements bei, aber auch was Riffs und Drums betrifft. Alles in allem bin ich wirklich sehr stolz auf unser Team, das sich mittlerweile zu einem regelrechten Uhrwerk entwickelt hat, das einfach richtig gut tickt.

    Haben neue Features, die wir über die Zeit in Cubase integriert haben, auch Einfluss auf eure Arbeit an frischem Material gehabt?

    Ja, absolut! Mein Workflow hat sich im Laufe der Zeit durch die von Steinberg entwickelten Werkzeuge signifikant verbessert. Ich wüsste gar nicht mehr, was ich ohne sie machen würde. Wir nutzen die Software im Übrigen nicht nur bei der Entwicklung und dem Schreiben von Songs, sondern mittlerweile auch im Rahmen von Live-Shows. Der nächste Schritt für mich wäre sämtliche PlugIns meines Keyboard-Setups ebenfalls zu integrieren und das Ganze dann als Performanceplattform auszubauen. Bitte Steinberg, da könnt ihr doch was machen! (lacht)

    Wie tauscht ihr euch im Jahr 2019 über Songideen aus? Gibt es da noch die gute alte Probe bei der jeder dabei ist oder habt ihr mittlerweile andere Methoden jeden auf den aktuellen Stand zu bringen?

    Haha. Nein. Das ist das alte Bild was immer noch viele Menschen davon haben, aber ich kenne eigentlich niemanden mehr der noch so arbeitet. Es ist eher das gute alte Cubase mit dem wir unsere Songideen entwickeln,– ich sage nur deshalb „alt“, da ich seit meinem 14. Lebensjahr damit arbeite, wir benutzen natürlich die neuste Version. Nach der ersten Entwicklungsphase setzten Charlotte, Gus und ich uns meist zusammen um gemeinsam durch die Konzepte zu gehen. Wenn wir dann eine grundlegende Songstruktur fertig haben nehmen wir alles mit ins Studio und arbeiten den Song dort inklusive Keyboardarrangements aus. Als nächstes ist Timo dann mit den Gitarrenarrangements dran. In der Zwischenzeit arbeitet Charlotte an den Backing-Vocals und nimmt sämtliche Gesangsparts für das Album direkt via Cubase in ihrem eigenen Projektstudio auf. Zum Schluss geht alles an mich zurück für die finalen Überarbeitungen bevor es schließlich der Mixing-Engineer in die Finger bekommt. Alles in allem spielen wir uns die Pingpong-Bälle also mehrfach hin und her.

    Hast du dir schon einmal Tools zur Zusammenarbeit angeschaut, mit der sich Ideen direkt via Web austauschen lassen, wie etwa VST Connect oder VST Transit?

    Ich habe darüber mit Oliver Philipps einem befreundeten Produzenten gesprochen. Er experimentiert aktuell mit solchen Herangehensweisen. Das sieht alles sehr interessant aus. Was ich darüber höre ist wirklich vielversprechend, vielleicht werde ich diese Arbeitsweise bei einer der nächsten Produktionen mit integrieren. Ich arbeite ja auch noch mit einem finnischen Produzenten und Orchester-Arrangeur (Miko Mustonen, Anm. des Autors) zusammen, wo es sich als ausgesprochen nützlich erweisen könnte während der Durchsicht der Kompositionen direkt Änderungen vornehmen zu können.

    Vor 10 Jahren hattest du zum Abfeuern deiner Samples noch einen Alesis HD24 im Einsatz. Es ging dir dabei vor allem um Sicherheit und ich hatte den Eindruck, dass ein möglicher Umzug damit auf eine DAW alles andere als zur Debatte stand. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das mittlerweile geändert hat? Zumindest kam es mir so vor, als hätte ich auf der 2017 veröffentlichten Live-DVD „A Decade of Delain - Live at Paradiso“ im Hintergrund Cubase laufen sehen. Sieht so aus als wäre Cubase mittlerweile ein fester Bestandteil eurer Shows geworden?

    Ja, du hast sehr scharfe Augen! (lacht) Wir setzen Cubase live nun schon seit drei Jahren ein und ich möchte das um alles in der Welt nicht mehr ändern! Modifikationen an Live-Sets sind damit einfach viel flexibler durchführbar und das ganze System läuft dabei auch noch ausgesprochen stabil.

    Wir nutzen über ein spezielles PlugIn sogar die MIDI-Engine aus Cubase um die Bodenbeleuchtung zu steuern. Wir haben Leuchten für die Mikros, Lichter am Keyboard-Stativ, an den Nebelmaschinen und dazu noch einen Riser der ebenfalls automatisch über das Cubase-System gesteuert wird. Man könnte also behaupten, Cubase ist bereits zum Herz unserer Live-Produktionen avanciert und kümmert sich nicht nur um Backingtracks, sondern auch um die visuellen Effekte.

     

    Was dürfen wir von Delain als nächstes erwarten? Ich tippe mal der „Hunter’s Moon“ EP wird abgesehen von noch mehr Tour-Terminen noch ein vollständiges Album folgen?

    Ja, absolut. „Hunters Moon“ ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was im Verlauf des Jahres noch folgen wird. Dieses Wochenende werden wir für zwei Shows in Russland sein. Im Mai steht dann eine kleine Tour in Südamerika und natürlich die Sommerfestivals in Europa an. Unser nächstes Album veröffentlichen wir dann später im Jahr gefolgt von einer ausgedehnten Headliner-Tour durch Nordamerika und im Anschluss auf Europatournee.

    Das hört sich so an, als wäre einiges für uns dabei! Danke dir für deine kostbare Zeit und dieses Interview!