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Nuendo in der TV-Post: Tatort

Von Timo Wildenhain, 6. Oktober 2016

Kirsten Kunhardt über die Tatort-Produktion und warum sie auf den Technologieführer in der Audio-Post Produktion vertraut.

Tatort ist die beliebteste und am aufwändigsten produzierte Krimiserie im deutschsprachigen Raum. Seit mehr als 45 Jahren begeistert sie bis zu 12 Millionen Fernsehzuschauer und ist damit die führende Serie im deutschen TV. Grund genug, einen Blick hinter die Kulissen der Post-Production zu werfen.

Audio-Editorin und Mischerin Kirsten Kunhardt gewährt einen Einblick in ihre Arbeit mit Steinberg Nuendo 7, der präferierten Produktionsplatform für die Audio Post-Production im TV-Bereich.

Hallo Kirsten! du bist seit langer Zeit in der Post-Production tätig. Wie waren die Anfänge?

Ich habe in der Post-Production beim Synchron angefangen und dort u.a. für einen der Alien-Filme noch im 70mm Format am Schneidetisch gearbeitet. Ich wollte aber schon immer lieber an deutschen Produktionen arbeiten und habe dann die Chance bekommen, Schnittassistenz zu lernen. Gleichzeitig hat sich der Tonschnitt in den 80/90er Jahren sehr weiterentwickelt, weshalb ich mich recht schnell auf Tongestaltung spezialisiert habe. Seit 25 Jahren arbeite ich als Sounddesignerin, und habe die unterschiedlichsten digitale Programme benutzt. Mit Nuendo arbeite ich nun schon seit 8 Jahren.

Über 80 TV- und Kinofilme tragen deine Vertonung. Welche Projekte sind Dir insbesondere in Erinnerung?

Ich habe viele verschiedene Projekte realisiert. Darunter waren „Scherbentanz“ von Chris Krause, Sounddesign für den populären Kinofilm „Soweit die Füße tragen“ bis hin zu „Jack“, der im vergangenen Jahr die silberne Lola für den besten Spielfilm bekommen hat. Hauptsächlich arbeite ich aber für viele sehr aufwändige TV Filme, z.B. „Der Chinese“, verfilmt von Peter Keglewic oder „Brief an mein Leben“ von Urs Egger. Und natürlich die Tatort-Reihe.

Wie sieht dein Workflow aus?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei TV-Filmen mache ich oft alles alleine, bei Kinofilmen teile ich mir die Arbeit mit Kollegen auf. Meistens macht dann einer die O-Tonbearbeitung, der andere die Tongestaltung. Ein weiterer Sounddesigner ist für die Foleys zuständig oder auch für die Synchronaufnahmen.

Der O-Ton wird in der Regel in Form von AAFs vom Schneideraum angeliefert. Das Bild ist meist ein Quicktime. Wenn in der Mischung von Nuendo aus zugespielt – bzw. mit Nuendo gemischt wird – nehme ich das komplette Projekt auf einer externen Festplatte mit. Für Mischungen, die mit Pro Tools stattfinden, exportiere ich die gesamte Session als AAF. Das hat bisher immer ohne Probleme geklappt.

Du hast im Laufe deiner Karriere mit verschiedenen Produktionssystemen gearbeitet, dich aber letztendlich für Nuendo entschieden. Woran liegt das?

Ich freue mich sehr über die einfache Handhabung des Programms, sowie die zahlreichen guten mitgelieferten PlugIns, die die Tongestaltung unterstützen. Der ADR Taker in Nuendo ermöglicht mir dank der Markerfunktionen eine schnelle Listenerstellung für die einzelnen Rollen. Auch die Verwaltung des Soundarchivs, sozusagen das Herzstück im Workflow, lässt sich mit der MediaBay einfach und übersichtlich handhaben. Und ganz wichtig: Bei meinen letzten Filmen wurde selbst nach Picturelock noch mehrfach umgeschnitten, sodass wir die neue Reconforming Funktion in Nuendo 7 genutzt haben. Damit ließ sich der neue Bildschnitt audioseitig problemlos nachschneiden. Das war super!

Du hast am erfolgreichen Tatort “Schwerelos” gearbeitet, einem atmosphärisch sehr intensiven Film….

Bei diesem Dortmunder Tatort habe ich sowohl den O-Ton bearbeitet als auch die Tongestaltung gemacht. Inhaltlich ging es um einen illegalen Base Jump, bei dem jemand zu Tode kommt. Der Film hat recht wenig Dialog, ist aber dafür umso atmosphärischer. Es geht ums Fliegen, Stürzen, Schweben, Fallen – sowohl inhaltlich als auch auf visueller Ebene. Die Protagonisten befinden sich am Rande eines Nervenzusammenbruchs und drohen abzustürzen. Da war es eine besondere Herausforderung, diese Dramatik audioseitig umzusetzen. Die ganze Tongestaltung sollte etwas Schwebendes, Sphärisches haben wofür eine Reihe von speziellen Atmos und Geräuschen notwendig waren. Die ließen sich prima durch Nuendos Filter-, Reverb- und Pitchshift PlugIns erstellen und bearbeiten.

Wie siehst du die deutsche Post-Production Landschaft?

Wir haben eine große Bandbreite an TV-, Kino- und Dokumentarfilmen. Da ist von billigen bis zu extrem aufwändigen Produktionen alles dabei. Dementsprechend findet auch die Tonbearbeitung statt. Ich finde, wir sind auf einem Stand der Technik, der es uns ermöglicht, die Produktionen unterschiedlich zu skalieren und hoffe natürlich, das uns auch in Zukunft diese Vielfältigkeit an Produktionen weiterhin erhalten bleibt.

Vielen Dank für deine Zeit!