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Marco Minnemann

„Ich nutze Cubase nun schon mehr als ein Jahrzehnt und es spielt eine wesentliche Rolle in meinem Produktionsprozess. Insbesondere für meine letzten beiden Solo Alben waren Funktionen wie "audio track transposing", ein sehr musikalisches Feature nebenbei bemerkt, oder die einfache Art zu schneiden und Lautstärke Anpassungen vorzunehmen, höchst willkommen. Für mich sind dies ganz wichtige Dinge denn sie gestalten, in der Art und Weise wie ich produziere, die Arbeit höchst komfortabel.“

Marco Minnemann über Drums, Touren und Alben

Von Stefan Trowbridge, 16. Juni 2015

Produzent und Multi-Instrumentalist Marco Minnemann ist vor allem als virtuoser Schlagzeuger bekannt. Über die Jahre spielte er in verschiedenen erfolgreichen Bands, tourte mit vielen weiteren und veröffentlichte nebenbei 14 Solo-Alben. Dank der von ihm entwickelten „Interdependence“ Drum-Technik, die auf eine maximale Unabhängigkeit von Armen und Beine abzielt, um noch komplexere Patterns spielen zu können, ist er in der Drummer Szene sehr bekannt. Minnemann ist ein echter Vollblutmusiker, der immer wieder versucht, die Grenzen des Schlagzeugspielens noch weiter auszuloten.

Du bist seit über zwei Jahrzehnten als professioneller Musiker tätig. Was waren bislang die wichtigsten Meilensteine deiner Karriere?

Es gibt einige Bands und Momente, die meine Karriere definitiv beeinflusst haben. Einige Erfahrungen waren großartig, andere eher ein Kompromiss – mit der Erfahrung lernt man, mit Bedacht auszuwählen. [lacht] 

In Deutschland war es z.B. fantastisch mit Musiklegende Udo Lindenberg zu spielen. Ein besonderes Highlight war es für mich auch, in den USA auf dem Modern Drummer Festival zu spielen (als erster deutscher Musiker glaube ich). Das hat mir eine Menge Türen geöffnet. Um mal ein paar Namen zu nennen: Paul Gilbert, Kreator, Nina Hagen, Necrophagist, Adrian Belew, Eddie Jobson/ U.K., LMR (Levin, Minnemann, Rudess). Die legendäre Buddy Rich Big Band für meine DVDs zu gewinnen war auch eine großer Erfolg für mich. Und mit den Bands, mit denen ich gerade aufnehme und toure bin ich auch sehr glücklich. Das sind Joe SatrianiSteven Wilson und natürlich unsere Band mit Guthrie Govan und Bryan Beller, The Aristocrats.

Du kannst fast alles spielen. In den letzten 20 Jahren hast für so viele Bands Schlagzeug gespielt und die unterschiedlichste Musik gemacht. Welche Genres gefallen dir persönlich am besten? Oder konkreter ausgedrückt: Welche Musikrichtungen oder Stile erlauben dir, deine Kreativität am besten auszudrücken?

Vielen Dank. Stilistisch ordne ich mich nicht in irgendwelche Kategorien ein. Ich denke, man kann alles spielen, was einem gefällt und wofür man sich begeistert. Ich bin mit Bands wie Queen, Zeppelin, The Police, Frank Zappa, Kraftwerk, Slayer, Prince, PIL, Ryuichi Sakamoto und Van Halen groß geworden. Aber wenn du dir meine Alben anhörst, findest du am besten heraus, welche Richtung ich anstrebe. Es geht mir nicht darum, was erlaubt ist, um in der Komfort-Zone zu bleiben. Vielmehr geht es mir um den vollkommen freien Ausdruck dessen, was wichtig ist. Ich denke, um so etwas dreht sich meine Welt.

Aktuelle Veröffentlichung

Minnemanns neues Solo-Album Celebration wurde am 1. Juni veröffentlicht. Alle 18 Tracks des Albums hat er selbst komponiert und alle Instrumente eigenhändig eingespielt.

Alben und viele andere exklusive Produkte sind unter www.lazybones.com zu erwerben.

Was ist die größte Herausforderung bei einem Leben als Drummer? Und was ist dabei die schöne Seite der Medaille?

Das Touren als Drummer ist großartig. Speziell als Schlagzeuger hast du auf der Bühne immer auch eine Art Workout, was ein guter Ausgleich zum vielen Herumsitzen in den Tour-Bussen, Flugzeugen und Hotels ist. Außerdem macht es einfach Spaß Drummer zu sein und die „Maschine zu fahren“.

Bezugnehmend auf „Golden Dolphin“ von deiner Extreme Drumming DVD: Du sprichst dort von einem Wettkampf zwischen Mensch und Maschine und das war bereits 2003. Um mal ganz provokativ zu fragen: Kann eine gut programmierte Drum-Software heutzutage das konventionelle Schlagzeug einer Band ersetzen?

Das wird nie passieren. Menschen und Maschinen müssen immer noch zusammenarbeiten [lacht]. Solange wir uns selbst nicht klonen können, wird es keine Möglichkeit geben, einen Menschen zu ersetzen, denn es kommt ja auch auf die Bühnenpräsenz an. Natürlich gibt es einige besondere Konzepte, wie z.B. bei Kraftwerk, wo Roboter genau passend sind.

Bei der Dolphin Geschichte bestand die Herausforderung eher darin zu sehen, wie weit ich gehen könnte, um die Maschine zu Tode zu programmieren und dann gegen sie zu spielen. Zu dieser Zeit hatte ich einen Atari ST mit Cubase MIDI. Kaum mehr vorstellbar! Und das Ding lief schon damals absolut zuverlässig.

Verstehe. Aber du bist sicher auch der Meinung, dass die heutige Technologie viele Vorteile für Musiker bietet.

Mein Gott, du hast ja keine Ahnung wie dankbar ich dafür bin, eure fantastische Recording-Software mit auf Tour nehmen zu können, vollgepackt mit erstklassigen VST-PlugIns und Instrumenten. Und das alles in einem tragbaren Laptop. Man braucht nur noch ein gutes Audio-Interface und kann praktisch überall auf der Welt professionell klingende Musik produzieren. Ist das nicht fantastisch? Also danke Steinberg, dass ihr diese Vision Wirklichkeit gemacht habt!

Danke, Marco! Um noch einmal auf das Thema Mobilität zurückzukommen: Du bist ja besonders viel auf Tour. Da gibt es doch sicher die eine oder andere Anekdote, die du mit uns teilen möchtest?

Hier ist eine Erlebnis, das mich sehr bewegt hat: Ich erinnere mich noch gut an mein erstes gemeinsames Konzert mit Udo Lindenberg. Es war auf einem Festival in Ostdeutschland, nicht lange nach dem Mauerfall. Wir spielten den Song „Mädchen aus Ostberlin“, der ursprünglich in den Siebzigern veröffentlicht worden war. Der Song handelt von jemandem aus dem Westen, der sich in ein Mädchen aus dem Osten verliebt und der Unmöglichkeit aufgrund der Mauer und Reiserestriktionen eine Beziehung miteinander zu haben. Nun stell dir vor wie 20.000 Leute vor der Bühne den Song wieder hören, nachdem die Grenzen endlich offen sind. Die letzte Zeile des Songs lautet „wir wollen doch einfach nur zusammen sein“. Das war eine extrem emotionale Situation.

Es ist offensichtlich, dass dein Drum-Setup sehr komplex ist und nicht den üblichen Standards entspricht. Wie funktioniert da die Logistik auf Tour?

Das muss man natürlich arrangieren. Normalerweise kontaktiert das Tour-Management meine Equipment Lieferanten einige Monate vor der Tour mit einer detaillierten Liste. Dann gibt es einen Auftrag, in dem festgelegt wird, dass das Equipment zur Tour Start Location geliefert wird. Von da an folgt mir das Drum-Set in den Trucks und auf die Bühnen.

Momentan bist du mit Steve Wilson auf Tour. Bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber diese Tour dauert fast das gesamte Jahr? Wie findest du da noch Zeit für eine Album Veröffentlichung oder auch nur für dieses Interview?

Ja, ich muss dich korrigieren. Die Tour-Daten verteilen sich auf die verschiedenen Bands, mit denen ich arbeite. Stevens letztes Album wurde im Februar 2015 veröffentlicht und ich habe den ersten Teil der Tour im März/April mitgemacht. Danach haben The Aristocrats übernommen, wir haben unsere neue Release, Tres Caballeros, vorbereitet, gefolgt von einer Sommer Tour in den USA und Kanada. Dann gibt es auch noch ein neues Album, das ich mit Joe Satriani gemacht habe und dazu machen wir im Herbst 2015 eine Europa-Tour. Darüber hinaus habe ich gerade mein neues Solo-Album Celebration an den Start gebracht.

Lass uns noch einmal über dein neues Solo-Album sprechen. Wie bist du bei der Produktion vorgegangen?

Celebration enthält 18 Stücke und wie schon bei meinen früheren Alben habe ich so ziemlich alles selbst geschrieben, aufgenommen, eingespielt und abgemischt. Ich denke, darum nennt man es auch Solo-Album. [lacht] Alle Songs und Kompositionen, sind genau so arrangiert und strukturiert, wie ich sie hören möchte, ganz ohne Kompromisse. Das ist das Tolle daran, wenn man ein Solo-Album macht. Es geht nur darum, deine eigene Vision umzusetzen. Celebration fängt mit einigen fast Metal/Hardcore beeinflussten Stücken an und leitet dann in lange, atmosphärische Kompositionen über, die verschiedene Stimmungen transportieren.

Später geht es zurück zu kompakteren, kürzeren aber auch komplexen Rock Songs, mit denen das Album dann endet.

Du weißt, es gibt einige Alben, die hört man nochmal an und denkt, dass der eine oder andere Part doch hätte anderes sein sollen. Bei Celebration muss ich auch nach mehrmaliger Revision sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Ich kann es kaum abwarten, dass die Leser es hören. [lächelt]

Du spielst alle Instrumente auf Celebration. Und du singst auch, richtig?

Das stimmt. Ich habe Gitarre, Bass, Keyboard und andere Instrumente gespielt. Auch habe ich versucht, durch meine Stimme hier und da eine Message rüberzubringen. [lacht]

Es macht also durchaus Sinn, als Drummer auch Melodie-Instrumente spielen zu können, vor allem beim Songwriting?

Ich bin mit dem Spielen verschiedener Instrumente aufgewachsen und kann nur von meiner persönlichen Erfahrung sprechen aber ich denke, dass es sehr vorteilhaft ist, einige Instrumente spielen zu können. Es erweitert deine Wahrnehmung, speziell auf der Bühne. Meiner Meinung nach führt das Spielen mehrerer Instrumente zu einer musikalischeren Herangehens- und Denkweise.

Von Solo zu Trio: Deine Band The Aristocrats hat zwei Studio-Alben in den letzten vier Jahren aufgenommen und ein drittes ist für diesen Sommer geplant. Du spielst mit höchster Professionalität und doch habe ich den Eindruck, dass du dich selbst nicht so ernst nimmst. Geht es bei The Aristocrats in erster Linie darum, Spaß zu haben? Um das Genießen dessen, was du tust und der Musik, die du spielst?

Danke, dass dir das aufgefallen ist. Bei den The Aristocrats Konzerten gibt es meistens einige Leute in den ersten Reihen, die uns auf die Hände und Füße starren und unsere Technik beobachten und analysieren. Aber darum geht es bei The Aristocrats eigentlich gar nicht. Es gibt Songs, die eine spezielle Stimmung transportieren und ja, es ist eine große Portion Spaß und Interaktion dabei. Ich denke, dass ist der Hauptgrund, warum die Leute unsere Konzerte besuchen: Der Entertainment Faktor ist sehr hoch.

Hast du einen Tipp für junge Drummer, die gerne von ihrer Musik leben möchten?

Drummern würde ich gerne den Rat geben, musikalisch zu spielen. Das bedeutet, hör dir genau an, was der Song am meisten braucht und fokussiere dich dann auf diesen Aspekt. Das kann Groove, Sound, Komplexität oder Stil sein. Oder auch alles zusammen!

Besuchen Sie Marco Minnemann unter www.marcominnemann.com.