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Myrath

Von Eckhard Doll, 26. Juli 2016

Myrath ist eine aufstrebende Oriental Metal-Band aus Tunesien. Ihre Geschichte begann als Death Metal Cover-Band in den frühen Nullerjahren aber schon bald entwickelte die Band ihren ganz eigenen Sound: Power Metal mit Elementen traditioneller tunesischer Musik. Wir hatten die Möglichkeit, mit Keyboarder und Manager Elyes Bouchoucha zu sprechen.

Elyes, Myrath hatte schon immer einen einzigartigen Sound mit sehr vielen traditionellen orientalischen Elementen. War das eine naheliegende Wahl, als ihr vor 10 Jahren angefangen habt Songs für euer Debütalbum “Hope” zu schreiben?

Es war eine natürliche Wahl basierend auf unserem kulturellen Erbe, den musikalischen Einflüssen und dem reichen folkloristischen Background hier in Tunesien – all dies fließt unweigerlich in unseren kreativen Schaffensprozess mit ein. Bei der Arbeit an unserem ersten Album wollten wir eine einzigartige musikalische Handschrift für Myrath kreieren, ein Unterscheidungsmerkmal für den Wiedererkennungswert unserer Musik. Und ich muss hinzufügen, dass Kevin Codfert, unser Produzent, auch eine große Rolle gespielt hat, denn er hat uns ermutigt, mehr tunesische/nordafrikanische Elemente in unsere Musik einfließen zu lassen, um den besonderen Sound zu kreieren, für den wir heute bekannt sind.

Denkt ihr, dass euch diese Entscheidung einen Vorteil gebracht hat oder hatte sie keinen Einfluss auf eure Karriere?

Ich denke, dass unsere Musik durch das Vermischen unterschiedlicher Elemente reicher und vielseitiger geworden ist. Es ist außerdem ein wichtiger Faktor, der den einzigartigen Myrath Sound definiert und uns von anderen Metal-Bands unterscheidet. Ich denke, unsere Popularität und wachsende Fan Base ist in der Entscheidung begründet, unser reiches musikalisches Erbe mit Metal zu kombinieren und Metal-Fans mit einer anderen Art der Sound-Fusion bekannt zu machen.

In vielen arabischen Ländern kann das Spielen von Metal-Musik oder schon das Tragen eines Metal Band T-Shirts zu Konflikten mit der Staatsgewalt führen. Fans wurden verhaftet und Bands erhielten in einigen Ländern Auftrittsverbote. Ist dies etwas, das euch auch betrifft?

Diese Aussage trifft leider auf viele arabische Länder zu aber nicht auf Tunesien. In unserem Land werden Metal Bands nicht verboten oder missbilligt und wir hatten auch noch nie Probleme mit der Staatsgewalt. Wir haben auf vielen Festivals in Tunesien gespielt, zusammen mit bekannten Namen wie Robert Plant von Led Zeppelin, Epica, Symphony X, Anathema und viele weiteren.
Der einzige Nachteil, der mir einfällt, ist das Fehlen von staatlicher Unterstützung oder Förderung für Metal-Bands und die gesamte Metal-Szene im Allgemeinen. Die offiziellen Stellen scheinen sich mehr auf Pop oder traditionelle Musik zu fokussieren, aber ich denke, dass ist in europäischen Ländern nicht anders. In Sachen staatlicher Förderungen steht Metal meist an letzter Stelle.

Du bist 2003 in den Anfangszeiten der Band als Keyboarder und Sänger zu Myriath gestoßen. Wann hast du angefangen, Musik zu machen und warum hast du dich für das Metal Genre entschieden?

Ich habe mit dem Musikmachen ungefähr zur gleichen Zeit angefangen, zu der ich zur Band gestoßen bin. Myrath war meine erste Metal Erfahrung. Als Malek und ich begonnen haben, Musik zu machen, vor der Aufnahme unseres ersten Albums, waren wir wie alle jungen Musiker und wollten spielen wie unsere Idole. Davor habe ich Geige und Piano am Konservatorium studiert und einen Abschluss in orientalischer und westlicher Musik gemacht.

Mein Vater hat mich mit der Rock-Musik von Pink Floyd bekannt gemacht und danach habe ich angefangen, verschiedene Bands und Musiker zu hören wie Symphony X, Yngwie Malmsteen, Stratovarius, Majestic (die ich für ihren großartigen Keyboarder Richard Anderson bewundere) und natürlich Adagio, deren Keyboarder (und unser Producer) Kevin, immer noch mein Lieblingsmusiker ist. Ich liebe auch Dimmu Borgir für ihren atmosphärischen Sound, der an epische Filmmusik erinnert. Was mich immer interessiert hat, waren Metal Bands, die eine Fusion von klassischer Musik mit Gitarren und Verzerrern gemacht haben.

Kannst du sich daran erinnern, wann du das erste Mal Cubase begegnet bist?

Natürlich! Das war als Kevin 2005 nach Tunesien kam, um unsere Platte “Hope” aufzunehmen. Das war mit Cubase SX 2 und ich liebte es von dem Moment an, als ich entdeckte wie es funktionierte und die VST-Instrumente sah. Ich wurde ein begeisterter User bis heute. Kevin hat mir beigebracht, wie man mit Cubase aufnimmt. Anschließend habe ich mich autodidaktisch weitergebildet durch Lesen und das Ansehen von Tutorials und natürlich durch das Produzieren anderer Musiker. Ich bin also ein Cubase und Nuendo User von 2005 bis heute.

Was hat dich überzeugt, bei Steinberg Software zu bleiben?

Ich denke, Steinberg gehört zu den Gründen, warum ich Musikproduzent geworden bin, also ist es eine Art Lovestory! Steinberg bietet alle Möglichkeiten, sowohl für Anfänger, die eine einfache Melodie aufnehmen möchten, als auch für sehr fortgeschrittene Profis. Man findet immer alles, was man braucht – abhängig von den individuellen Möglichkeiten. Steinberg ist Meister der MIDI-Technologie und die Bedienung ist sehr durchdacht. Seit 2005 und bis heute entdecke ich immer wieder neue Tricks und Techniken, die ich dann meinen Schülern zeige. Um es zusammenzufassen: Es gibt letztendlich nichts, was man mit Cubase und Nuendo nicht machen könnte.


Gibt es etwas, das dir an Steinberg Produkten besonders gefällt im Vergleich zu anderen Produkten?

Die VST-Instrumente sind perfekt für jeden, der professionell Musik macht. Seit ich mit dem Recording angefangen habe, benutze ich die gleichen VST-Instrumente von Steinberg, z.B. HALion, und es gab für mich noch nie einen Grund, mich nach etwas anderem umzusehen. The Grand 3 beispielsweise bietet hervorragende Pianos. Alle Myrath Produktionen wurden mit Steinberg Produkten realisiert, Cubase und Nuendo zum Aufnehmen, Bearbeiten und Mischen und nur drei VST-Instrumente. Halion Sonic für Flächen, Cellos und Bläser zusammen mit dem legendären Yamaha S90ES Piano. Dieser Piano Sound wurde für “Believer” verwendet. The Grand 3 und Dark Planet haben wir für dramatische Sounds eingesetzt. Zum Aufnehmen habe ich das UR44 Audio-Interface eingesetzt, es ist sehr einfach zu bedienen, hat eine Top-Qualität und eine sehr geringe Latenz bei der MIDI-Aufnahme.

Seit vielen Jahren arbeitet ihr mit Produzent Kevin Codfert aus Frankreich. Ich weiß, ihr reist viel zwischen Tunesien und Frankreich hin und her aber habt ihr auch schon mal VST Connect und VST Transit für das Recording und das gemeinsame Arbeiten an euren Songs ins Auge gefasst?

Ja, Kevin hat mir gezeigt wie man es benutzt. Wir hatten sowieso die gleichen Produkte wie er und wollten ihm unsere Pre-Productions schicken, ohne etwas exportieren oder bearbeiten zu müssen. Durch die Installation der gleichen Produkte konnten wir ihm mühelos zusenden, was wir bereits hatten und er konnte für jedes Instrument sehen, was passiert und wenn nötig Änderungen vornehmen. Es ist die beste Möglichkeit, um Zeit zu sparen und eine größere Vision der Songs zu entwickeln.

Das erste Video “Believer” von eurem aktuellen Album “Legacy” wurde über Crowdfunding finanziert. Ungeachtet eures wachsenden Erfolges und der umfangreichen Tour 2016, haltet ihr Crowdfunding für eine veritable Alternative zu traditionellen Wegen, um Sponsoren für neue Veröffentlichungen, Videos oder sogar Tourneen zu finden?

Crowdfunding ist nicht nur allein ein Tool, um das Geld für ein Projekt zusammen zu bekommen, in unserem Fall war es auch ein deutlicher Indikator für die Popularität von Myrath und zeigte uns, in welchem Umfang die Fans bereit waren, uns zu unterstützen. Wir waren überrascht von der großen Resonanz auf die Believer Kampagne und das gesammelte Geld hat unser Ziel und unsere Erwartungen weit übertroffen. Wenn es richtig gemacht wird, kann Crowdfunding ein großartiger Akt der Solidarität zwischen einer Band und ihrem Publikum sein.

Kannst du uns ein bisschen über die zukünftigen Pläne von Myrath erzählen?

Wir bereiten gerade den zweiten Teil der Legacy World Tour vor, bei der wir in vielen europäischen Städten spielen werden. Es startet im Juli und geht bis Ende des Jahres. Im Januar machen wir eine kurze Pause und im Februar oder März geht es dann weiter. Fans können sich unter www.myrath.com/tour-dates/ über die Konzerttermine informieren. Und neben der Tour haben wir schon damit begonnen, an unserem nächsten Album zu arbeiten.

Elyes, vielen Dank für deine Zeit und viel Glück mit der bevorstehenden Tour!

Alle Fotos © Nidhal Marzouk, 2016