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Junkie XL - Expanding Limits mit Cubase

Tom Holkenborg, besser bekannt als Junkie XL, ist ein viel beschäftigter Mann. Er ist nicht nur der Macher des erfolgreichen Progressive Dance Projekts, sondern auch ein gefragter Remixer von Top-Acts wie Britney Spears oder Depeche Mode.
Als ob dem nicht genug sei, macht Tom auch noch Musik für Hollywood Blockbuster, Video-Games und Werbespots internationaler Top-Marken. Der Name Junkie XL steht dabei für qualitative Musik, die eine Brücke zwischen verschiedenen Genres schlägt. Bekannt als echter "Studio-Junkie" hat Tom in den letzten 20 Jahren immer wieder versucht, die eigenen Grenzen und die seiner Musik zu erweitern. Vom Pro 24 auf dem Atari bis zum modernen Laptop-Studio mit Cubase SX3. Der Name ist stets Programm geblieben: Junkie (e)Xpanding Limits.

Steinberg: Hi Tom, schön, dass du endlich die Zeit für ein Gespräch gefunden hast. Es ist ziemlich schwer dich zu erreichen. Du warst scheinbar ziemlich beschäftigt in letzter Zeit.

Tom Holkenborg: Das stimmt. Ich bin vor kurzem von Amsterdam nach L.A. gezogen, um mich noch intensiver der Filmmusik widmen zu können. Ich habe etwa 30-40% des Catwoman Scores gemacht. Außerdem habe ich Musik für mehrere Werbekampagnen geschrieben, wie etwa die neue Cadillac Kampagne, eine weltweite Kampagne für Heineken und eine Kampagne für Opel. Darüber hinaus gab es in letzter Zeit natürlich auch wieder einige Kollaborationen mit verschiedenen Künstlern: Ich habe eine Single mit Sarah McLaughlin gemacht, eine Single mit Britney Spears und einen Remix für Depeche Mode. Ich hatte also wirklich sehr viel zu tun.

Steinberg: Du bist also nach L.A. gezogen um näher an der Filmindustrie in Hollywood zu sein?

Tom Holkenborg: Ja, aber es geht mir nicht nur um Filme, sondern auch um Werbespots und Video-Games. Ich habe gerade die Musik für ein neues Video-Game von Microsoft gemacht. Es heißt Forza und kommt demnächst heraus. Es ist die nächste Generation von Racing Games und wird ein richtig großes Ding werden. Ich habe den gesamten Score gemacht, volle zwei Stunden Musik. Im Moment scheinen Video Games und Werbespots eine Art neues "Radio" für Elektronische Musik zu werden. Im normalen Radio hört man kaum noch coole Elektronische Musik. Du musst dafür in Clubs gehen oder eine Internet Radio Station finden. Aber in Filmen, Werbespots und Video Games ist viel Raum für Elektronische Musik.

Steinberg: Das sind eine ganze Menge unterschiedlichster Projekte mit verschiedenen Anforderungen. Hast du ein Hauptwerkzeug für deine Produktionen oder hängt das vom Projekt ab?

Tom Holkenborg: Ich arbeite mit allem, was ich in die Finger bekomme. Ich gehöre mit Sicherheit zu den ersten Cubase Nutzern überhaupt. Ich erinnere mich, dass ich 1985/86 angefangen habe mit dem Pro 24 zu arbeiten, dem ersten Programm, das Steinberg herausgebracht hat. Und mit Cubase arbeite ich auch schon seitdem es die Software gibt. 2000/2001 habe ich mir noch ein Pro Tools System neben meinem Cubase System angeschafft. Und daneben dann auch noch ein Logic System. Aber am liebsten arbeite ich mit Cubase. Was Sound-Design und Sequencing betrifft ist und bleibt Cubase mein Hauptwerkzeug.

Steinberg: Was gefällt dir so besonders an Cubase?

Tom Holkenborg: Wenn du dir die letzten 15 Jahre anguckst, dann war Cubase immer das innovativste Programm. Alle wirklich bahnbrechenden Neuerungen gab es zuerst in Cubase, wie etwa den Audio-Sequenzer, ASIO-Treiber oder die VST Technologie. Die anderen Programme haben dann immer nachgezogen. Programme wie Logic oder Pro Tools haben auch das grafische Design übernommen, das Steinberg in den frühen 90er Jahren entwickelt hat.

Steinberg: Wie sieht deine Arbeitsweise heute aus? Benutzt du immer noch viel Hardware?

Tom Holkenborg: In Amsterdam hatte ich ein großes Studio, 24-Spur analog und massig Hardware. Die ganzen alten Synths, ich hatte sie alle. Heute sample ich das ganze Zeugs einfach und lade es in irgendeines der PlugIns. Das hängt ganz von meiner Stimmung ab und wie ich gerade arbeiten möchte.

Steinberg: Wie sieht dein Live-Setup aus?

Tom Holkenborg: Mein Live-Setup ist heutzutage hauptsächlich Software-basiert. Früher habe ich mit den verschiedensten Geräten live gespielt, wie etwa der MPC 2000 und Racks voller Hardware-Sampler. Aber heute ist es nur noch ein Laptop und ein Yamaha AW4416 Digitalpult. Das Pult hat 44 Kanäle und erlaubt dir ein unglaublich flexibles Arbeiten. Ich bringe einfach alle meine Files auf dem Laptop mit zum Auftritt und kann dann ganz spontan auf die Stimmungen des Publikums reagieren. Ich spiele fast jedes Wochenende, hauptsächlich in den USA und in Südamerika. Und mit diesem Setup ist das richtig cool, denn ich kann ganz einfach neue Sachen ausprobieren und mit der ganzen neuen Software ist das alles so einfach.

Steinberg: Wann spielst du mal wieder in Europa?

Tom Holkenborg: Keine Ahnung. Vielleicht werde ich im August auf einigen Festivals auftreten. Aber mein Arbeitsschwerpunkt ist jetzt hier und wenn man mitten in einer großen Produktion steckt, ist es einfach nicht möglich für ein paar Monate auf Tour zu gehen. Ich toure auf jeden Fall weniger als früher, weil ich meine Priorität heute mehr im Bereich Filmmusik liegt.

Steinberg: Hast du schon Pläne für ein neues Junkie XL Album?

Tom Holkenborg: Wir planen das neue Album noch dieses Jahr herauszubringen. Ich bin ziemlich froh darüber, dass es nur ein ganz normales Album wird, mit der Musik, die ich gerade Lust habe zu machen. Broadcast from the Computer Hell Cabin war ja ein Konzeptalbum und daher unglaublich arbeitsintensiv. Die Zusammenarbeit mit den vielen unterschiedlichen Sängern war sehr schwierig und hat extrem viel Zeit gekostet. Außerdem war es nicht nur die CD, ich habe annährend zeitgleich ein zweites Doppel-Album online veröffentlicht. Insgesamt waren es etwa 240 Minuten Musik. Das ist so viel Musik, dass es ewig dauert bis es fertig ist.

Steinberg: Planst du noch mehr MP3 Releases auf deiner Website? Glaubst du, das ist die Zukunft des Musikvertriebs?

Tom Holkenborg: Absolut. Hier in den USA ist iTunes wahnsinnig erfolgreich. Es wird unglaublich viel Musik über iTunes verkauft. Vor kurzem habe ich dort die gesamte U2 Kollektion für 140$ gekauft. Alle Alben, die U2 jemals veröffentlicht hat, das ist ein wirklich guter Deal. Aber CDs sind in den USA auch billiger, weshalb die Leute hier auch noch viele CDs kaufen. In Holland sind CDs aberwitzig teuer. Ich gebe doch nicht 25 Euro für 10 Songs aus! Darum ging es mir bei meinem letzten Album auch. Der Käufer bekam eine Doppel-CD zum Preis einer normalen CD und dann konnte er noch weitere 120 Minuten Musik für nur 7 $ online herunterladen. So sollte es sein, denn das Leben ist teuer geworden, ganz besonders in Europa mit dem Euro. Die Leute haben einfach nicht mehr so viel Geld für Musik über. Daher sollte man als Künstler auch darüber nachdenken, auf welche Weise man sich an diesem ganzen System beteiligen möchte. Ich denke es ist sehr wichtig, dass du als Künstler viele gute Songs über deine Website oder andere Websites anbietest und deine CD, die die Leute in den Shops kaufen können, sollte schon genug Material enthalten, mit dem die Leute zufrieden sind.

Steinberg: Hast du spezielle Tipps für Nachwuchs- Producer und -Songwriter?

Tom Holkenborg: Nun, da gibt es ein paar Dinge, die ich Ihnen sagen möchte. Zunächst einmal solltest du dir der fantastischen Möglichkeiten bewusst werden, die du heute hast. Wenn du Cubase auf deinem Computer installierst, hast du im Wesentlichen schon ein komplettes leistungsstarkes Studio zur Verfügung. Ein Dongle und ein Laptop machen heute schon ein komplettes Studio! Als ich damals mit dem Musikmachen auf dem Atari mit dem ersten Pro 24 angefangen habe, war die Situation noch komplett anders. Heute gibt es keine nahezu keine Grenzen mehr, die einzige Grenze ist deine Fantasie! Vor 15 Jahren war es noch unmöglich, so zu denken. Man konnte nicht so einfach mal ein paar Gitarren auf dem Laptop aufnehmen, dort schnell editieren und dann bouncen.. Das ist alles der absolute Wahnsinn. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass man auf seinem Computer zuhause ein ganzes Studio zur Verfügung hat. Und in dieser sicheren bekannten Umgebung kannst Du alles erforschen und ausprobieren.
Der nächste Schritt ist dann einfach, es immer weiter zu probieren und dein eigenes Ding zu machen. Versuch deinen eigenen Sound und die für dich beste Arbeitsweise zu finden. Wenn du anfängst, mit einem Programm wie Cubase zu arbeiten, dann solltest du mindestens einmal das Handbuch von Anfang bis Ende durchlesen. Du wirst dabei so viele Tipps und Tricks entdecken, die dir wirklich helfen, deinen Stil für die Arbeit mit dem Programm zu entwickeln. Das ist ja gerade das Schöne daran, du kannst Cubase auf ganz unterschiedliche Weise benutzen. Ein Freund von mir, einer der größten Komponisten hier in L.A., benutzt auch Cubase, hat aber eine komplett andere Arbeitsweise als ich. Wenn wir zusammensitzen ist es immer sehr lustig, dann kommt ständig etwas wie "Ah, so machst du das? Ich mach das so."
Und der letzte Rat ist: Mach einfach weiter. Probier es immer und immer wieder. Und eventuell kommt irgendwann etwas Großartiges heraus und andere Leute fangen an, sich für deine Musik zu interessieren.

Steinberg: Wo wir gerade beim Thema sind: Wie hast du eigentlich angefangen Musik zu machen?

Tom Holkenborg: Ich habe einen ganz traditionellen Background. Ich komme aus einer Familie, wo wirklich jeder ein Instrument gespielt hat. Meine Mutter hat Geigen-Unterricht gegeben, meine Schwester hat Gitarre und Klavier gespielt und mein Vater war einer der ersten DJs in Holland. In den Fünfziger Jahren reiste er durch das Land und spielte Platten auf Parties. Musik war also das wichtigste Thema in unserer Familie.
Ich selbst habe mit 7 oder 8 angefangen Drums zu spielen, später kam dann Gitarre und der Bass dazu, eigentlich habe ich fast alles gespielt. Als ich 16 war habe ich in einem Laden für Musikinstrumente gearbeitet und dort bin ich dann in Kontakt mit dem Atari und dem Pro 24 gekommen. Die neue Technik hat mich sehr fasziniert und von da an spielte Elektronische Musik eine wichtige Rolle in meinem Leben.

Steinberg: Und bist du immer noch ein Studio-Junkie?

Tom Holkenborg: Nun, ich bin etwas besser geworden. Ich verbringe auf jeden Fall mehr Zeit mit meinen Freunden und mehr Zeit mit meiner Freundin als früher. Aber ich arbeite immer noch wahnsinnig viel verglichen mit normalen Menschen. Ich bin immer noch 10-14 Stunden täglich im Studio, aber ich nehme meinen Laptop nicht mehr mit ins Bett. Ich schlaf dann nicht so gut. Als ich 22 war konnte ich ohne Probleme 2 Nächte pro Woche durchmachen, aber heute bin ich 37 und da geht das nicht mehr so einfach. Ich muss auf jeden Fall jede Nacht schlafen, wobei mir aber 4-6 Stunden reichen.

Steinberg: Das klingt doch nach einer guten Entwicklung. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für deine nächsten Produktionen.

Mehr Informationen auf der offiziellen Junkie XL Website: www.radiojxl.com