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Michael Fakesch mit Cubase auf Solopfaden

Der Name Michael Fakesch tauchte bisher stets in einem Atemzug mit dem Elektronik-Duo Funkstörung auf. Über 10 Jahre zählte Funkstörung zu dem Besten, was Deutschland in Sachen elektronischer Musik zu bieten hatte. Die beiden Elektrowizards Michael Fakesch und Chris de Luca remixten Songs internationaler Stars wie Björk oder Wu-Tang Clan und gingen als einer der Wegweiser von IDM (Intelligent Dance Music) in die internationale Musikgeschichte ein.

Nach der Trennung von Funkstörung im letzten Jahr konzentrierte sich Michael voll und ganz auf seine Soloprojekte. Der langjährige Cubase-User arbeitete für Film und Fernsehen und veröffentlichte jetzt bei dem Berliner Label !K7 sein zweites Soloalbum namens „dos“. Darauf hört man dank des elektronischen Soundgefrickels noch immer seine Vergangenheit bei Funkstörung heraus, jedoch schlägt er durch seine Kooperation mit dem Soulsänger Taprikk Sweezee eine vollkommen neue Richtung ein: songorientiert, dreckig, menschlich - weg vom penibel quantisierten Sequencer-Sound hin zum Funk des 21. Jahrhunderts.

Wie bist du zum Musikmachen gekommen?

Angefangen hat bei mir alles mit dem Veranstalten von Techno-Parties. Das war sozusagen mein Einstieg ins Musicbiz (im zarten Alter von 17 Jahren). Als ich ca. 19 war, zeigte mir ein Freund, wie einfach es ist, Techno zu produzieren und damit war ich dann voll infiziert. Ich habe Chris de Luca (den ich damals als DJ für meine Parties gebucht hatte) gefragt, ob er nicht Lust hat, mit mir Musik zu machen und so ging es dann los mit Funkstörung. Unser erstes Musikinstrument war übrigens eine TR808, unser zweites eine TB303... ;-)

Nach der Trennung von Funkstörung hast du ja neben deinem Solo Album auch an einigen anderen Projekten gearbeitet? Kannst du uns was darüber erzählen?

Nach der Trennung von Funkstörung habe ich viel mit Videoleuten zusammengearbeitet und Sounddesigns sowie (Kurz-)Filmmusik produziert. Unter anderem habe ich dabei die Musik für mehrere Toyota-Spots gemacht, die meine Freunde von Zeitguised produziert hatten. Insgesamt waren es über 70 Toyota-Spots, wobei aber nur ein 'richtiger' dabei war. Bei den anderen handelte es sich um Teaser (zwischen 5-15sec), die nur auf Channel4/UK liefen - eigentlich ein hochkünstlerisches Projekt, das nur wenig mit tatsächlicher Werbung zu tun hatte. Zudem hab ich noch das Sounddesign für einen Teaser von MTV Baltic gemacht, mehrere Kurzfilme vertont (u.a. für ein Paul Getty Images Projekt), einen Score neu-interpretiert (für Bert Haanstra's 'Glas', der vor 50 Jahren einen Oscar gewonnen hat) und das komplette Soundesign von Siggraph (einer der weltweit wichtigsten Motiongraphic-Conventions) produziert. Kann man alles auf http://www.michaelfakesch.com sehen. Ach ja, erwähnen sollte ich auch noch, dass ich Remixe für Herbert, Booka Shade, sowie für ein Charity Projekt von Greenpeace gemacht hab.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Hollywood Komponist Paul Haslinger?

Mathias von Faderfox hatte mich quasi mit Paul zusammengebracht. Paul und ich haben uns ein paar mal gemailt und festgestellt, dass wir uns nicht ganz unsympathisch sind. Paul fand zudem mein Album 'dos' ziemlich cool und daraufhin hat er mich gefragt, ob ich nicht bei einigen seiner Projekte mitarbeiten möchte. Da sagt man nicht 'nein', oder? ;-) Bisher haben wir an zwei Sachen zusammen gearbeitet: einmal für den New Line Cinema-Film 'Shoot Em Up', für den ich ein paar simple Beat-Ideen probiert habe und dann noch für den 'Vacant' Soundtrack, für den ich einen Song von Paul's Score geremixt habe.

Um auf dein Solo-Album zurückzukommen. Wie lange hast du daran gearbeitet und was war für dich die größte Herausforderung dabei?

Nachdem ich ja voll vom Track-Writing komme und nie das Song-Writing erlernt habe, war es schon eine Herausforderung richtige Songs zu machen. Zudem wollte ich das Album nicht überproduzieren, was mir echt schwer gefallen ist. Es ist manchmal sehr viel schwerer die Quintessenz eines Songs zu erkennen, als eine Million Breaks und Sounds aneinanderzureihen. Lustigerweise sind ja auch bei vielen Songs die ersten Versionen sehr viel komplexer als die finalen Versionen. Zudem fällt es mir nach wie vor schwer zu sagen, wann ein Song fertig ist. Mit dem Computer hast du unendlich viele Möglichkeiten und kommst oft vom 100sten ins 1000ste. Manchmal sind daher Deadlines ganz gut, weil man dann einfach keine Zeit mehr hat an den Songs ewig rumzuschrauben. Wir haben ca. 6-7 Monate an den ersten paar Ideen gesessen. Erst als !K7 (unsere Plattenfirma) meinte, das Zeug sei großartig und so gut wie releasebar und uns daraufhin auch eine Deadline gesetzt hat, ging es ziemlich schnell. So entstanden fast 80% von 'dos' in den letzten 3-4 Monaten.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Sänger Taprikk Sweezee?

Wir haben uns eigentlich auf Anhieb sehr gut verstanden. Klar hat es etwas gedauert, bis wir einen gemeinsamen musikalischen Weg gefunden haben, vor allem da Taprikk eher aus einem Band-Kontext kommt und paradoxerweise eher ein rein elektronisches Album machen wollte, während ich eigentlich diesmal mehr akustisch und songorientiert arbeiten wollte. Der Kompromiss aus beiden Ansätzen, als auch der Clash aus High-Tech Sounds und Oldschool Elementen ist aber letztendlich genau das, was das Album so interessant macht. Wir haben übrigens nur ein einziges Mal zusammen im selben Studio gearbeitet. Jeder hat für sich gewerkelt, Taprikk in Hamburg und ich in Rosenheim. Allerdings haben wir fast jeden Tag telefoniert, gemailt und unsere FTP-Server heiß laufen lassen.

Hast du das Album bereits auf Cubase 4 produziert?

Angefangen hab ich auf SX3, bin aber bereits noch vor dem offiziellen Erscheinen von Cubase 4 umgestiegen (Danke, dass ich Cubase 4 vorab haben durfte!) und habe alle Songs in Cubase 4 weiterproduziert. Gott sei Dank ging die Adaption der SX3-Files ziemlich easy.

Wie gefällt dir Cubase 4? Hast du Lieblings-Features?

Für viele mag das banal sein, aber ich war sehr froh über die neuen EQs, Kompressoren und den Ampsimulator. Ansonsten bin einfach nach wie vor begeistert von den Audiobearbeitungsmöglichkeiten, aber das gab's ja schon in SX1! Was man auch nicht vergessen sollte ist die fantastische Soundqualität von Cubase. Taprikk hat sogar extra einen A-B-Vergleich mit einer anderen sehr bekannten Software gemacht und der exportierte Song - ohne jegliche Bearbeitung- klang definitiv besser aus Cubase 4.

Welche Vorteile bietet dir Cubase gegenüber anderen Systemen. Warum hast du dich dafür entschieden?

Ich steh voll auf die Audioeditierungsmöglichkeiten von Cubase. Das ist absolut perfekt für meine Art von Musik (wo man ja ziemlich viele Breaks zusammenbaut) und auch für Sounddesigns jeder Art, wo es darauf ankommt, synchron zu den Bildern zu arbeiten. Ich finde Cubase besonders leicht verständlich, im Vergleich sehr günstig (vor allem die abgespeckten Versionen, mit denen man auch schon gut arbeiten kann) und vom Support her fantastisch. Außerdem war Cubase mein allererster Software-Sequenzer und wie heißt es so schön: Never change a winning team! ;-)

Benutzt du noch andere Steinberg-Software, z.B. VST-Instrumente oder WaveLab?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei 'dos' kaum VST-Instrumente benutzt habe. Ich wollte mehr mit Hardware arbeiten, einfach nur um ein bisschen besser das Konzept eines roughen, dreckigen Funk-Albums zu erreichen. Taprikk hat zwei, drei Software-Instrumente verwendet, allerdings das meiste mit seinen externen Hardware-Synthis eingespielt. Meine bevorzugten Geräte waren eine Linndrum, ein Nordlead2 und eine Machinedrum UW. WaveLab benutze ich sehr gerne (gerade zum Mastern oder einfach nur zum Analysieren oder Schneiden).

Was passiert jetzt nach der Veröffentlichung des Albums? Gehst du auf Tour?

Klar, ich will ja schließlich auch das Zeug live präsentieren, vor allem auch weil Taprikk wirklich ein genialer Livesänger ist und es echt Spaß macht mit ihm! Ich bin nur nicht sicher, ob wir wirklich eine Tour am Stück machen oder eher nur am Wochenende unterwegs sind. Eigentlich kann ich es mir bei meinen anderen Studio-Jobs kaum leisten unter der Woche unterwegs zu sein.

Wie siehst du deine musikalische Zukunft? Willst du dich voll auf dein Solo-Projekt konzentrieren, sind Kooperationen geplant oder hast du auch vor noch mehr in den Bereich Film Scoring einzusteigen?

Ich mache was immer sich gerade gut anfühlt. Im Moment kann ich mir sehr gut vorstellen, noch mal was mit Taprikk zu machen, allerdings hab ich auch voll Bock, was mit anderen Leuten zu machen (ein Projekt mit High Priest von Anti Pop Consortium/Airborn Audio ist bereits in der Pipe und außerdem würde ich auch gerne nochmal ein Technoalbum mit meinem Freund Quietpoint machen, ganz ohne Computer...back to the basics!) Filmscoring fände ich auch sehr interessant, wobei ich glaube, dass mir Sounddesign für Filme, Werbung und Computergames fast noch mehr liegen würde. Aber wie gesagt: ich mach das, auf was ich im Moment gerade Lust hab. ;-)

Für mehr Informationen besuchen Sie bitte www.michaelfakesch.com