Inside Netflixs “The Prom” mit Orchestrator Erik Arvinder

Wenn du pompöse, farbenfrohe Musikfilme mit großem Staraufgebot magst, ist The Prom genau das Richtige für dich. Die Musical-Verfilmung mit Meryl Streep, Nicole Kidman, Keegan-Michael Key und James Corden ist seit dem 11. Dezember 2020 auf Netflix zu sehen.

The Prom stammt von dem Erfolgsproduzenten Ryan Murphy, dem kreativen Kopf hinter Titeln Popular, Glee, American Horror Story, Ratched und vielen weiteren. Es ist eine Adaption des gleichnamigen Musicals mit Musik und Texten von Matthew Sklar und Chad Beguelin, basierend auf dem Buch von Bob Martin und Beguelin, das 2016 erstmals in Atlanta aufgeführt wurde. In dem Musical reisen vier abgehalfterte Broadway-Stars in die konservative Stadt Edgewater, Indiana, um einer lesbischen Schülerin zu helfen. Da diese ihre Freundin nicht mit zum Schulball mitbringen darf, Veranstalten sie kurzerhand selbst einen Ball.

Zusammen mit meiner Kollegin Lilly durfte ich im März 2020, kurz vor dem ersten Lockdown in England, bei einer der Aufnahmesessions für das Musical in den AIR Studios in Londons dabei sein. Dort trafen ich Erik Arvinder, der an diesem Tag nicht nur auf dem Dirigentenpult stand, sondern aber auch als leitender Orchestrator für den Film tätig war. Alle Partituren und Stimmen für die Orchestersessions wurden von Erik und seinem Team in Dorico vorbereitet.

Wie viele professionelle Musiker ist auch Erik Arvinder ein echtes Multitalent: Er ist ein erfahrener und weitgereister Geiger, der in vielen Aufnahmen zu hören ist. Erik hat an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm studiert und war seinerzeit das jüngste ständige Mitglied der ersten Geigensektion des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra. Sein Spiel ist in zahlreichen Kinofilmen zu hören, u. a. in zwei der letzten drei Star-Wars-Filme unter der Leitung von John Williams. Ein Solo von ihm ist in Lady Gagas Song Alejandro zu hören und er war auch schon mit John Legend und Childish Gambino auf Tournee. Zusätzlich zu seiner beeindruckenden Karriere als Instrumentalist hat Erik in den letzten zehn Jahren in Schweden und Los Angeles als Arrangeur und Orchestrator für viele hochkarätige Projekte gearbeitet, darunter die Comedy-Serie Community, der Spionagefilm Central Intelligence von Dwayne Johnson/Kevin Hart und die 2018 produzierte Neuinterpretation des Klassikers Death Wish von Horror-Regisseur Eli Roth.

Trotz der coronabedingten Einschränkungen für alle Arten von Musik – von Konzerten über Festivals bis hin zu Recording-Sessions – war Eric seit unserem Treffen im März 2020 sehr beschäftigt. Ich habe mich mit ihm getroffen, um mehr über die Produktion von The Prom zu erfahren.

Violinist, conductor and orchestrator Erik Arvinder. (Photo: John Guthed)

Daniel Spreadbury: Du hast für einige große Projekte als Orchestrator gearbeitet, aber ich denke The Prom ist dein erstes Musical in voller Länge. Wie war der Umfang dieses Projekt im Vergleich zu anderen, an denen du in der Vergangenheit gearbeitet hast?

Erik Arvinder: Es ist natürlich mehr Arbeit ein Musical zu orchestrieren als einen normalen Kinofilm aber es macht auch sehr viel Spaß. Es gibt keine Überleitungen und keine Untermalungen. Die Musik ist immer im Fokus und muss die Aufmerksamkeit des Zuschauers halten. Ich denke, der Prozess ist ähnlich wie beim Arrangieren einer Pop-Platte aber es ist viel mehr Musik in einem Dutzend verschiedener Genres.

Daniel Spreadbury; Als wir uns im März in London in den AIR Studios getroffen haben, waren die meisten Gesangspassagen bereits aufgenommen. Wie sah der Post Production Prozess aus, wie hast du die Musik für den Film zusammengebracht?

Erik Arvinder: Als wir das Orchester im AIR aufgenommen haben, wurden gerade die letzten Aufnahmen für den Film gedreht, aber aufgrund der COVID-19 Pandemie musste die Crew pausieren und die Filmarbeiten konnten nicht wie geplant im Juli abgeschlossen werden. Der Lockdown hat auch unsere Arbeit am Soundtrack beeinträchtigt aber zum Glück hatten wir die Orchester-Aufnahmen bereits im Kasten, als die Maßnahmen in Kraft traten. Die Produzenten Peer Åström und Adams Anders und ihr Team haben einen großartigen Job gemacht und die Produktion in Kalifornien unter strikten Auflagen sicher zu Ende gebracht. Ich habe gehört, dass die Sängerinnen und Sänger bei der Aufnahme Gesichtsvisiere getragen haben sollen.

Daniel Spreadbury: Du und dein Team haben alle Partituren und Stimmen für The Prom in Dorico vorbereitet. Gab es dabei besondere Herausforderungen?

Erik Arvinder:Die einzige Hürde war, dass Dorico noch so neu für uns war, aber nachdem wir den ersten Song fertiggestellt hatten, hatten wir den Dreh raus und der Rest der Produktion war ein Kinderspiel. Wir haben bei der Vorbereitung mit Jill Streater und ihrem fantastischen Team zusammengearbeitet und sie haben alles richtig teuer aussehen lassen.

Daniel Spreadbury: Gab es in Dorico eine bestimmte Funktion, die euch die Arbeit an diesem Projekt erleichtert hat?

Erik Arvinder: Ganz klar: Die Zusammenführen-Funktion. Kann sich noch irgendjemand daran erinnern, wie schwierig es war, eine große Partitur zu bearbeiten ohne die Zusammenführen-Funktion?

Daniel Spreadbury: Ich weiß, dass du nach The Prom trotz Pandemie viel zu tun hattest. Woran wirst du als nächstes arbeiten?

Erik Arvinder: Ich hatte das Glück, im letzten Jahr genug zu tun zu haben. Zur Zeit arbeite ich an einem Projekt für das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, das im Frühjahr erscheint. Es ist eine Mischung aus elektronischer Dance Music und klassischer Musik also gar nicht so anders als The Prom!

Daniel Spreadbury: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast, Erik.

Website.

Du kannst The Prom auf Netflix sehen. Um mehr über Erik zu erfahren, besuche seine Webseite